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TÜV-Report 2021: Knapp jedes fünfte Auto erhält keine neue TÜV-Plakette

Redakteur: Gerd Kucera

Für den TÜV-Report 2021 sind rund 8,8 Mio. Pkw-Hauptuntersuchungen im Zeitraum Juli 2019 bis Juni 2020 von Pkw ausgewertet worden. Basis der Rankings in fünf Altersklassen sind 18 besonders relevante Mängel. Untersucht wurden 228 verschiedene Fahrzeugmodelle. Fehlende Software-Updates können ein Sicherheitsrisiko sein.

Knapp jedes fünfte Auto (19,9 Prozent) hat in diesem Jahr bei der Hauptuntersuchung (HU) aufgrund von „erheblichen Mängeln“ keine Plakette von den TÜV-Prüfstellen erhalten. Der TÜV-Verband fordert zugleich eine Modernisierung der Hauptuntersuchung hinsichtlich Themen wie Digitalisierung, Klimaschutz oder Elektromobilität.
Knapp jedes fünfte Auto (19,9 Prozent) hat in diesem Jahr bei der Hauptuntersuchung (HU) aufgrund von „erheblichen Mängeln“ keine Plakette von den TÜV-Prüfstellen erhalten. Der TÜV-Verband fordert zugleich eine Modernisierung der Hauptuntersuchung hinsichtlich Themen wie Digitalisierung, Klimaschutz oder Elektromobilität.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Knapp jedes fünfte Auto (19,9%) hat bei der Hauptuntersuchung (HU) aufgrund von „erheblichen Mängeln“ keine Plakette von den TÜV-Prüfstellen erhalten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Anteil der Fahrzeuge, die bei der HU durchgefallen sind, um 1,6% gesunken. Das ist ein Ergebnis zum TÜV-Report 2021.

„Die technische Sicherheit der Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen hat sich leicht verbessert“, sagte Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands (VdTÜV), bei der Vorstellung des TÜV-Reports. „Vor allem ältere Autos zwischen acht und elf Jahren schneiden besser ab.“ So ist der Anteil der 8 bis 9 Jahre alten Pkw mit erheblichen Mängeln um 2,6% auf 19,9% gesunken und bei den 10- bis 11-Jährigen sogar um 3,4% auf 24,8%. Bühler: „Die Ergebnisse des TÜV-Reports sprechen für eine verbesserte Langlebigkeit und Qualität der untersuchten Fahrzeuge.“

Bei weiteren 9,6% der Fahrzeuge wurden geringe Mängel festgestellt, die nicht zu einer Wiedervorführung verpflichten (minus 0,1%). Der Anteil der Pkw ohne Mängel ist um 1,6% auf 70,4% gestiegen. „Trotz des positiven Trends ist jedes fünfte Fahrzeug mit ernsthaften Mängeln unterwegs, die eine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen“, sagte Bühler. Immerhin 0,05%, oder in absoluten Zahlen rund 14.000 Fahrzeuge, wurden bei den Hauptuntersuchungen in Deutschland als verkehrsunsicher eingestuft und mussten sofort stillgelegt werden. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung und der gestiegenen Anforderungen an die Umweltverträglichkeit der Fahrzeuge fordert der TÜV-Verband eine Modernisierung der HU. Dazu Bühler: „In die Hauptuntersuchung müssen zusätzliche Prüfpunkte für digitale Steuerungssysteme, sicherheitsrelevante Datenanalysen und neue Abgasmessungen integriert werden.“

Die letzten Neuerungen bei der HU betrafen vor allem die Mängelsystematik. Zum zweiten Mal ist in den aktuellen TÜV-Report die neue Kategorie des „gefährlichen Mangels“ eingeflossen. Ein gefährlicher Mangel wiegt schwerer als ein „erheblicher Mangel“, führt aber nicht zur Stilllegung des Fahrzeugs (verkehrsunsicher). FahrzeugbesitzerInnen müssen gefährliche Mängel wie stark verschlissene Bremsscheiben, instabile Verankerungen der Sicherheitsgurte, defekte Bremsleuchten oder stark beschädigte Reifen unverzüglich in einer Werkstatt beheben lassen. Wie bei den erheblichen Mängeln muss das Auto innerhalb eines Monats erneut vorgeführt werden und erhält erst dann eine neue Plakette. Im TÜV-Report 2021 liegt der Anteil der Fahrzeuge mit gefährlichen Mängeln wie im Vorjahr bei 0,4%. Das entspricht über sämtliche Hauptuntersuchungen in Deutschland hinweg rund 85.000 Fahrzeugen. Aufgrund der geringen Quote wird der Wert im TÜV-Report den erheblichen Mängeln zugeordnet.

Digitalisierung, E-Mobility, Umweltschutz: HU muss moderner werden

Aus Sicht des TÜV-Verbands sind weitere Neuerungen bei der Hauptuntersuchung dringend erforderlich, um der Digitalisierung der Fahrzeugtechnik, dem Trend zur Elektromobilität und dem Klimaschutz gerecht zu werden. Ein Schwerpunkt ist die Abgasuntersuchung (AU). „Die Verringerung von Abgasen über Partikelfilter, AdBlue-Anlagen und Software-Steuerungen ist anfällig für Fehler, die im Laufe der Zeit zunehmen“, sagte Bühler. „Schlecht gewartete Fahrzeuge werden mit dem Alter immer schmutziger.“ Zudem gibt es vor allem bei Nutzfahrzeugen in der gesamten EU Probleme mit manipulierten Adblue-Anlagen und nicht funktionsfähigen Partikelfiltern, die den Ausstoß von Stickoxiden massiv in die Höhe treiben. Bühler: „Die Prüfer brauchen Zugang zu umweltrelevanten Daten, um Schäden und Manipulationen an der Abgasaufbereitung besser erkennen zu können.“ Zudem müsse endlich die verbindliche Prüfung von Stickoxiden sowie die Messung der Partikelanzahl sowohl bei Dieseln als auch bei Benzinern eingeführt werden. Die eigentlich für Januar 2021 vorgesehene Start der verpflichtenden Messung der Partikelanzahl bei Dieselfahrzeugen musste kürzlich verschoben werden, weil unter anderem amtliche Vorgaben für die Prüfgeräte fehlen. Dass strengere Vorgaben bei der AU wirksam sind, zeigt die Wiedereinführung der Endrohrmessung als Folge des Abgasskandals im Jahr 2018. Die Zahl der Beanstandungen ist seitdem um rund ein Fünftel gestiegen.

Darüber hinaus fordert der TÜV-Verband eine Weiterentwicklung der digitalen HU. Bisher dürfen die Sachverständigen lediglich prüfen, ob bestimmte Komponenten wie das Notrufsystem eCall oder Software-Updates für die Abgasreinigung vorhanden sind. „Funktionsprüfungen von digital gesteuerten Systemen wie Notbrems- oder Spurhalteassistenten sollten fester Bestandteil der Hauptuntersuchung werden“, sagte Bühler. So könnten sich defekte oder verschmutzte Sensoren sowie fehlende Software-Updates zu einem ernsten Sicherheitsrisiko entwickeln. Zudem fehle den Prüforganisationen der Zugang zu sicherheits- und umweltrelevanten Daten in den Fahrzeugen. Damit könnte künftig auch der aktuelle Zustand der Batterie von gebrauchten Elektrofahrzeugen ermittelt werden. Für einen diskriminierungsfreien Zugang zu Fahrzeugdaten hat der TÜV-Verband eine TrustCenter-Lösung vorgeschlagen, bei der Informationen in verschlüsselter und datenschutzkonformer Form auf den Servern einer neutralen Institution übertragen werden. „Unsere TrustCenter-Lösung ist die Blaupause für die Umsetzung des von der Bundesregierung geplanten Datenraums Mobilität, da sie verbindliche Regeln festlegt, wer direkt auf spezifische Fahrzeugdaten zugreifen oder Zugang beantragen kann“, sagte Bühler. Neben den geplanten kommerziellen Anwendungen könne damit in Zukunft auch die Sicherheithochautomatisierter Fahrzeuge bewertet werden.

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