Suchen

Distribution von C-Teilen TTI – erfolgreich mit System

| Redakteur: Thomas Kuther

Als Distributor für passive Bauelemente, Steckverbinder und elektromechanische Bauteile ist TTI weltweit erfolgreich. Das Unternehmen verdankt dies der Erkenntnis, dass der Vertrieb dieser typischen C-Teile einen anderen Ansatz erfordert als etwa der Vertrieb von Halbleiterbauelementen. So setzt das Unternehmen auf ausgeklügelte, selbst erstellte Systeme zur Lagersteuerung und für das Supply Chain Management und liefert seinen Kunden immer pünktlich die Komponenten, die gerade benötigt werden.

Firmen zum Thema

( Archiv: Vogel Business Media )

„TTI ist der führende autorisierte Distributor für passive Bauelemente, Steckverbinder und elektromechanische Bauteile“, sagt Jean Quecke, Regional Vice President Mittel- und Osteuropa bei TTI in Europa, „wir gehören zwar mittlerweile zum Konzern Berkshire Hathaway, was aber weder mit personellen noch mit strukturellen Änderungen verbunden ist. Paul Andrews ist nach wie vor als CEO für die Führung des Unternehmens verantwortlich und auch sonst ist `Business as usual´ angesagt.“

Die TTI-Europazentrale befindet sich in Maisach-Gernlinden in der Nähe von München. Das dort angesiedelte Lager, von dem aus ganz Europa beliefert wird, hat eine Gesamtfläche von 20.000 m2 auf zwei Ebenen. TTI in Europa bedient 8000 Kunden in 46 Ländern und betreibt 27 Vertriebsniederlassungen für die zahlreichen europäischen Kunden vor Ort. Weltweit agiert TTI mit verschiedenen zentralen Logistikzentren und dezentralisierten Verkaufsstandorten in Europa, USA und Asien.

Bildergalerie

Die Durchschnittspreise von passiven Bauelementen und Steckverbindern liegen deutlich unterhalb derer von Halbleitern und machen in der Regel weniger als 7% der Bauelementekosten einer bestückten Platine aus. Allerdings sind meist mehr als 75% der Komponenten auf einer typischen Platine passive Bauelemente oder Steckverbinder – die jedoch 85% der Bestückkosten verursachen. Zudem ist der Verwaltungsaufwand für solche C-Teile rund viermal so hoch wie bei anderen Bauteilen.

Um dieser Herausforderung gewachsen zu sein, lagert TTI über 250.000 verschiedene passive Bauelemente, Steckverbinder und elektromechanische Bauteile – das sind 5- bis 10-mal mehr als die meisten Broadliner unter den Distributoren. TTI in Europa liefert derzeit monatlich 25.000 Serienprodukte mit 97% Just-in-time-Lieferungen und einer Fehlerquote von unter 0,001%.

Das papierlose Lager

TTI in Europa hat vor rund acht Monaten ein neues Lagerverwaltungssystem eingeführt, das vom Mutterunternehmen TTI Inc. in den USA speziell für die Anforderungen seiner zahlreichen rund um den Globus betriebenen Läger entwickelt wurde. Dieses Warehouse Control System (WCS) ermöglicht jederzeit die absolute Überwachung und Ortung aller Produkte – vom Wareneingang bis zur Auslieferung. „Die Waren kommen mit einem Lieferschein bei uns an, werden ausgepackt, sofort im WCS erfasst und mit einem Barcode-Etikett versehen“, erläutert Jean Quecke, „dieser TTI-interne Barcode ermöglicht die Zuordnung von Produkt und Lagerplatz. So hat man jederzeit die absolute Gewissheit, dass das richtige Produkt auch am richtigen Lagerplatz gelagert wird.“

Dynamische Anpassungen

Das System wurde auf die Bedürfnisse der TTI-Kunden und deren Logistik ausgerichtet. Es handelt sich um ein „lebendes“ System, das ständig fortentwickelt und verbessert wird. Dieser dynamische Prozess des Continuous Improvements macht TTI besonders flexibel.

„Wenn beispielsweise ein Kunde in unserer Niederlassung in Barcelona anruft und eine Bestellung aufgibt“, so Quecke, „wird diese erfasst und sofort an unsere Zentrale in Maisach-Gernlinden übermittelt. Ein Lagermitarbeiter, ein so genannte Picker holt dann die bestellten Produkte wegeoptimiert aus ihren jeweiligen Lagerplätzen. So dauert es gerade einmal 10 Minuten vom Bestelleingang bis das Produkt auf dem Packband liegt.“

Lager mit kurzen Wegen

In Maisach-Gernlinden arbeiten etwa 75 Mitarbeiter. Den Auftrag, ein bestelltes Produkt aus seinem Lagerplatz zu „picken“ bekommt immer der Picker, der den kürzesten Weg zum jeweiligen Lagerplatz hat. Übermittelt wird der Auftrag ihm dabei über ein tragbares Infoterminal. Alle Produkte können anhand des Barcodes eindeutig identifiziert werden. Nachdem der Mitarbeiter die gewünschte Ware per Barcode identifiziert und auf eines der Förderbänder gelegt hat, wird sie vom Band in den so genannten Konsolidierungsbereich befördert. Dort werden die einzelnen Produkte zum Gesamtauftrag zusammengefasst. Wünscht der Kunde eine Sammellieferung, ist das kein Problem, da diese ebenso aus mehreren Aufträgen zusammengestellt und zum gewünschten Zeitpunkt Just-in-time ausgeliefert wird.

Weiterer Ausbau geplant

„Wichtig ist dabei, dass wir den Transportweg einplanen, also die Zeit, die die Ware von uns zum Kunden braucht, denn wir haben sehr viele Just-in-time-Liefervereinbarungen mit unseren Kunden“, betont Quecke, „derzeit verwalten wir in unserem System 75.000 Teilenummern, d.h. so viele Produktlinien haben wir auf Lager, wobei wir einen Ausbau auf 100.000 planen. Weltweit hat TTI sogar mehr als 29 Mio. Teilenummern im System!“

Doch nicht nur im Lager selbst ist jeder Artikel exakt lokalisierbar, so Quecke: „Wir sind online mit unseren Spediteuren verbunden, sodass wir wissen, wo sich die Sendung gerade befindet und wir unsere Kunden über den aktuellen Status informieren können.“

Logistiksystem senkt Lagerkosten

Das elektronische Bestandsmanagement- und Reservationssystem AiRS (Advanced Inventory Reservation System) wurde ebenfalls von TTI in den USA speziell für die Logistikherausforderungen passiver und elektromechanischer Bauteile entwickelt.

Die verschiedenen Vorteile des Systems beschreibt Frank Fleck, Strategic Program Manager bei TTI: „Das System vereinfacht die Verwaltung von C-Teilen, vermeidet Transaktionen ohne Mehrwert, erhöht die Verfügbarkeit und Flexibilität der Produkte – und lässt sich leicht an spezifische Kundenanforderungen anpassen.“

AiRS bewältigt in Europa bereits Bestellungen im Wert von über einem Drittel des Gesamtumsatzes. AiRS verwaltet insgesamt Bestellungen für über 35.000 Artikelnummern. Das Lagermanagementprogramm wird derzeit von mehr als 170 TTI-Kunden in ganz Europa genutzt und hat einen Anteil von rund 35% am Europageschäft von TTI.

Bedarf vorab errechnet

AiRS verkürzt das Zeitfenster für eine feste Bestellung bis auf eine Woche. TTI orientiert sich beim Einkauf an der Wiederbeschaffungszeit der Ware. Die Lagerbestückung erfolgt auf Basis der Bedarfsvorhersage der Kunden, die diese entweder per EDI (Electronic Data Interchange) oder via E-Mail in regelmäßigen Intervallen an TTI senden. Basierend auf diesen Forecasts berechnet das Logistiksystem die benötigten Stückzahlen der jeweiligen Komponenten und disponiert die Ware vor. Im Einkauf von TTI werden die Forecast-Daten, die vom Logistiksystem verwaltet werden, kontrolliert und die Bestellungen elektronisch an den Hersteller weiter gereicht. Es geht hier vor allem um die Bedarfsentwicklung. Die Vordisposition von Bauelementen kann so noch weiter optimiert werden und gegebenenfalls zusammen mit den Kunden auf seine Wünsche angepasst werden.

Im Lager von TTI wird die benötigte Ware für die jeweils nächsten Produktionswochen des entsprechenden Kunden von AiRS reserviert und im Bedarfsfall direkt an den Kunden in einer gebündelten Lieferung versendet. Falls kurzfristig von einem Artikel eine größere Menge benötigt wird als in der Planung vorgesehen, kann der Kunde sofort feststellen, ob TTI die benötigte Menge zusätzlich liefern kann.

Einer der großen Pluspunkte von AiRS ist, dass den Kunden Routinearbeiten, die im Einkauf von Standardbauteilen anfallen, abgenommen werden. Es muss nur noch der Forecast für die benötigte Ware an TTI übermittelt werden, alles andere erledigt das Logistiksystem automatisch. Selbst die Beschaffung von kundenspezifischen Bauteilen wird vereinfacht und das Bauteilrisiko entsprechend transparent und minimiert.

(ID:212266)