Marktanalyse Trotz oder wegen Pandemie: Weltmarkt für Mikroelektronik wächst

Redakteur: Michael Eckstein

Das gab es lange nicht: Chinas Anteil am Weltmikroelektronikmarkt ist 2020 zurückgegangen. Klarer Gewinner waren im letzten Jahr die USA, während Europas Anteil weiter gesunken ist. Daher fordert der ZVEI, die „IPCEI II“-Initiative der EU ambitioniert umzusetzen, um die Mikroelektronik als Schlüsselindustrie in Europa zu stärken.

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Die Entwicklung des Welt-Mikroelektronikmarkts korrelierte laut Baumann bis zum Pandemiebeginn mit der des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP), hat sich allerdings seitdem vom Welt-BIP entkoppelt.
Die Entwicklung des Welt-Mikroelektronikmarkts korrelierte laut Baumann bis zum Pandemiebeginn mit der des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP), hat sich allerdings seitdem vom Welt-BIP entkoppelt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

„Der weltweite Mikroelektronikmarkt ist während der Corona-Pandemie 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent auf 440 Milliarden US-Dollar gewachsen“, resümiert Dr. Sven Baumann, ZVEI-Experte für Mikroelektronik, Sensorik und Aktorik, anlässlich des ZVEI-Pressegesprächs zur Vorstellung der aktuellen ZVEI-Mikroelektronik-Trendanalyse.

Insbesondere die starke Nachfrage nach Elektronik für das Home-Office (wie PCs) und Unterhaltungselektronik (wie Spielekonsolen und TVs) begründeten diesen Aufwärtstrend. Doch auch das autonome und elektrische Fahren, Edge Processing und die 5G-Kommunikationsinfrastruktur seien 2020 starke Wachstumstreiber gewesen. Diese Entwicklung werde sich aller Voraussicht nach fortsetzen, denn auch der digitale Wandel und die grüne Transformation erhöhten die Nachfrage nach Halbleitern langfristig.

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Amerikas Marktanteil ist im vergangenen Jahr von 19,1 Prozent auf 21,7 Prozent kräftig gewachsen, wogegen Chinas Anteil am Weltmarkt für Mikroelektronik erstmals rückläufig war. Allerdings bleibt China mit einem Anteil von 34,4 Prozent der größte Markt für Mikroelektronik. Der europäische Mikroelektronikmarkt gab zwar im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent nach (auf 8,5 %), zählt jedoch neben Amerika, der Region Asien-Pazifik und Japan weiterhin zu den vier wichtigsten Halbleitermärkten der Welt.

Die Entwicklung des Welt-Mikroelektronikmarkts korrelierte laut Baumann bis zum Pandemiebeginn mit der des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP), hat sich allerdings seitdem vom Welt-BIP entkoppelt. „Die starke Stellung Asiens, einschließlich China, als Verbrauchs- und als Produktionsregion wird sich zwar nicht signifikant ändern“, erklärte Baumann. „Allerdings ist vor allem die gute Position Chinas zu einem großen Teil von Unternehmen aus den USA und Europa getrieben, die dort entweder in eigenen Fabs fertigen oder dort bei Auftragsfertigern ihre eigenen Chips herstellen lassen.“

Europa muss aktiv werden

Damit Europa auch in Zukunft ein innovativer und erfolgreicher Mikroelektronikstandort bleibt, müssen Forschung, Entwicklung und Produktion in Deutschland und Europa erhalten und ausgebaut werden. Bei Investitionen in den Produktionsstandort Europa ist wichtig, dass sie sowohl in kleine als auch große Strukturgrößen erfolgen. „Große Strukturgrößen beispielsweise sind unter anderem für die Leistungselektronik und Sensorik von hoher Bedeutung und stellen in ihrer spezifischen Applikation eine Leading-Edge-Technologie dar“, so Baumann.

Förderprogramme in Europa wie die Important Projects of Common European Interest (IPCEI) und Horizon Europe seien geeignet, um die Mikroelektronik in Europa nachhaltig und sinnvoll zu stärken. Der ZVEI setzt sich dafür ein, dass das IPCEI Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien zeitnah und ambitioniert umgesetzt wird.

Laut Baumann geht es bei Schlüsseltechnologien wie der Mikroelektronik vor allem darum, in Europa weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben und dabei die technologische Souveränität zu stärken. Gemeint sei damit, globale Wertschöpfungsnetzwerke zu erhalten und zuerst die Kompetenz in bedeutenden Halbleitergebieten in Europa zu sichern und auszubauen.

Gleichzeitig muss sich Europa auch um den Auf- sowie Ausbau von Kompetenzen in Bereichen kümmern, bei denen es aktuell nicht zur Weltspitze gehört. „Nur dann wird es Europa auch zukünftig gelingen, den Bedarf an Halbleitern sowohl aus eigener als auch globaler Produktion zu decken“, so Baumann abschließend.

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