Trotz ausreichender IT-Infrastruktur besteht Nachholbedarf bei eHealth

| Redakteur: Hendrik Härter

Datenschutz: Für Peter Matthes, Geschäftsführer bei Siwaltec, ist der Datenschutz ein Schlüsselfaktor für den Einsatz von eHealth.
Datenschutz: Für Peter Matthes, Geschäftsführer bei Siwaltec, ist der Datenschutz ein Schlüsselfaktor für den Einsatz von eHealth. (Bild: Siwaltec)

Mit eHealth können Ärzte und Patienten auf wichtige Gesundheitsdaten zugreifen. Deutschland und Österreich hinken im Vergleich zu Skandinavien hinterher. Eine Studie verspricht Besserung.

Wer hat im Bedarfsfall Zugriff auf die digitalen Daten von Patienten? Dieser wichtigen Frage gingen Wissenschaftler der TU Braunschweig sowie der Gesundheitsuniversität UMIT in Hall, Tirol, nach und wollten es genau wissen. Anhand sogenannter eHealth-Indikatoren haben sie die Situation in sieben verschiedenen Ländern verglichen.

In der Studie wollen die Wissenschaftler unter anderem herausfinden, ob unterschiedliche Versorgungseinrichtungen, Pflegekräfte oder gar die Patienten selbst ihre Daten einsehen und Einträge vornehmen können. Eines machte die Studie deutlich: In Österreich und insbesondere in Deutschland gibt es einen klaren Nachholbedarf.

Daten der Patienten digital erfassen

In beiden genannten Ländern können viele Ärzte und Pflegekräfte Daten ihrer Patienten bereits digital erfassen. Das ist insbesondere in Krankenhäusern und Arztpraxen der Fall. Große Unterschiede gibt es laut den Verfassern der Studie, wenn es darum geht, die Informationen zu nutzen sowie auf die Informationen zuzugreifen und entsprechende Rechte zu vergeben. Während in Österreich wichtige medizinische Daten landesweit verfügbar sind, ist das in Deutschland noch nicht der Fall. Selbst wenn beispielsweise wichtige medizinische Daten zu einem Patienten in einem Krankenhaus vorliegen, kann bei der anschließenden Weiterbehandlung in einer Arztpraxis dennoch nicht darauf zugegriffen werden, obwohl das aus medizinischer Sicht mitunter sinnvoll wäre.

Was den Zugriff auf die Daten durch die Patienten selbst sowie durch pflegende Angehörige betrifft, gibt es in beiden Ländern noch keine einheitliche Lösung. „Allerdings bestätigte sich, dass die skandinavischen Länder hier bessere Möglichkeiten für ihre Bürger bieten“, sagt Elske Ammenwerth, Professorin an der Gesundheitsuniversität UMIT. „Allerdings sind in Österreich entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um hier die Situation ebenfalls zu verbessern. Die Elektronische Gesundheitsakte ELGA wird hier deutliche Verbesserungen ermöglichen“, erklärt die Mitverfasserin der Studie.

Notwendige IT-Standards bereits vorhanden

„Es wird häufig gesagt, dass Ländergrößen und die Organisation des Gesundheitssystems entscheidend bei der Umsetzung von eHealth-Zielen sind“, berichtet Professor Reinhold Haux, der sowohl an der Technischen Universität Braunschweig als auch an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig und ebenfalls Mitverfasser der Studie ist. „In unseren Untersuchungen haben wir allerdings einen weiteren wichtigen Einflussfaktor festgestellt: Besonders in den Ländern, in denen ein klarer politischer Wille vorhanden war, finden wir eine patientenzentrierte, einrichtungsübergreifende Informationsverarbeitung“, schildert Reinhold Haux die Ergebnisse.

Beide Studienverfasser sind davon überzeugt, dass die technischen Möglichkeiten und die notwendigen IT-Standards schon jetzt ausreichend vorhanden sind. „Dabei wird auch der Datenschutz berücksichtigt, der bei Patientendaten natürlich besonders wichtig ist“, betont Reinhold Haux. „Der Datenschutz ist in der Tat ein Schlüsselfaktor für eHealth“, sagt Peter Matthes, Geschäftsführer bei Siwaltec. „Die Informationen über den Patienten müssen möglichst schnell zur Verfügung stehen, aber gut abgesichert sein. Wichtig ist zudem, dass eine stabile und verlässliche Übertragung gewährleistet ist, beispielsweise durch eine SIM-Karten-basierte Mobilfunklösung“. „So können Informationen zwischen pflegebedürftigen Personen, die aus der Ferne betreut werden, ebenso ausgetauscht werden wie Daten zwischen verschiedenen Einrichtungen. Das alles sei technisch bereits machbar.“

Dessen sind sich auch die Studienleiter Haux und Ammenwerth bewusst. Und so sehen beide Chancen für eine zügige Verbesserung der Situation – sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Beide Länder hätten grundsätzlich eine gute Gesundheitsversorgung, lautet das Fazit der Studie – beim wichtigen Thema eHealth jedoch Nachholbedarf.

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