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IAA 2015 Transformer-Mercedes passt seine Karosserieform der Geschwindigkeit an

Mercedes-Benz hat auf der IAA 2015 das Concept Intelligent Aerodynamic Automobile vorgestellt – kurz „Concept IAA“. Angetrieben wird die Studie von einem Plug-in-Hybridantrieb mit 279 PS, der 250 km/h erreicht. Dieser „Digital Transformer“ soll zeigen, wie weit das Unternehmen in Sachen Digitalisierung von Entwicklung und Fertigung schon fortgeschritten ist.

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Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars präsentiert das Mercedes-Benz "Concept IAA" (Intelligent Aerodynamic Automobile)
Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars präsentiert das Mercedes-Benz "Concept IAA" (Intelligent Aerodynamic Automobile)
(Bild: Mercedes-Benz)

Das Mercedes-Benz „Concept IAA“ ist zwei Autos in einem: Aerodynamik-Weltrekordler mit einem cw-Wert von 0,19 und viertüriges Coupé. Per Knopfdruck oder automatisch ab 80 km/h vollzieht die Studie eine faszinierende Transformation: Aus dem eleganten viertürigen Coupé wird ein aerodynamischer Weltrekordler. Am Heck fahren acht Segmente aus und verlängern dieses um bis zu 390 mm; Frontflaps im vorderen Stoßfänger fahren 25 mm nach außen und 20 mm nach hinten und verbessern die Umströmung des Bugs und der vorderen Radhäuser; die aktiven Felgen verändern ihre Schüsselung von 55 mm auf 0; und die Lamelle im vorderen Stoßfänger fährt 60 mm nach hinten und verbessert so die Strömung am Unterboden.

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Das „Concept IAA“ verfügt über einen benzin-elektrischen Plug-in-Hybridantrieb mit einer Gesamtleistung von 205 kW (279 PS). Damit erreicht es eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h (elektronisch abgeregelt). CO2-Ausstoß und elektrische Reichweite hängen davon ab, in welchem Modus das Fahrzeug getestet wird: Im Aerodynamik-Modus kommt das „Concept IAA“ rein elektrisch 66 km weit und emittiert 28 g CO2/km. Im Design-Modus betragen die Werte 62 km Reichweite und 31 g CO2/km. Da im derzeit aktuellen Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) die Fahranteile in der Stadt zwei Drittel betragen, kommt bei diesem Test der Vorteil des Aerodynamik-Modus nicht so deutlich zum Tragen wie im realen Fahrbetrieb. Dort ist der Verbrauchsvorteil deutlich größer.

Technologisch fundamentale Veränderungen in der Automobilbranche

„Mit intelligenten Innovationen löst das „Concept IAA“ den Zielkonflikt von Funktion und Ästhetik und zeigt, dass uns die Ideen zur weiteren Steigerung der Effizienz noch lange nicht ausgehen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Weber, Daimler-Vorstand für Konzernforschung und Leiter Mercedes-Benz Cars Entwicklung.

Zugleich steht das „Concept IAA“ beispielhaft für die technologisch fundamentalen Veränderungen in der Automobilbranche. Treiber dieses Wandels ist vor allem die Digitalisierung – im Wirtschaftskontext häufig mit dem Schlagwort „Industrie 4.0“ belegt. Für Mercedes-Benz ist eine durchgehende digitale Prozesskette von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zu Vertrieb, Logistik und Dienstleistungsbereich heute schon mehr als reine Zukunftsmusik.

Rapid Prototyping ermöglicht hochkomplexe Geometrien

Design und aerodynamische Formgebung des „Concept IAA“ wären ohne konsequente digitale Vernetzung verschiedener Fachbereiche nicht möglich gewesen. Die Designer bedienten sich neuester algorithmischer Entwurfsmethoden, um die komplexe geometrische Gestaltung zu bewältigen. Die individuell angepasste Software erlaubt es, dynamisch im dreidimensionalen Raum zu gestalten. Diese dynamische Modellierung macht es möglich, verschiedene Zustände simultan anzuzeigen und zu gestalten. Die so entstandenen hochkomplexen Geometrien wurden mit Hilfe neuartiger Fertigungstechniken (Rapid Prototyping) in die Realität umgesetzt.

Perfekte Aerodynamik dank numerischer Strömungssimulation

Parallel wurde die weltmeisterliche Aerodynamik mit Hilfe der numerischen Strömungssimulation entwickelt. In ca. 1 Mio. CPU-Stunden simulierten die Aerodynamik-Experten von Mercedes-Benz den Strömungsverlauf und rechneten dabei rund 300 Varianten durch. Dieser Aufwand entspricht in etwa der Entwicklung eines Serienmodells.

Per Car-to-X-Technologie um die Ecke blicken

Einen Blick in die Zukunft bietet das „Concept IAA“ auch in Bereichen, die nicht sofort ins Auge fallen. So verfügt die Studie über die Car-to-X-Technologie, mit der das Fahrzeug mit anderen Fahrzeugen oder anderen Informationsquellen kommunizieren kann. Ein wesentlicher Schritt in Richtung Unfallvermeidung, denn so können auch Hindernisse oder Ereignisse erfasst werden, die für das Fahrzeug selbst noch unsichtbar sind – das „Concept IAA“ kann sozusagen um die Ecke schauen. Damit sowie mit seinem Interieur und Bedienkonzept gibt das „Concept IAA“ zugleich einen Ausblick auf eine Business-Limousine der nahen Zukunft.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Redakteur, ELEKTRONIKPRAXIS - Wissen. Impulse. Kontakte.