Toshiba und Western Digital verhandeln wegen Speichersparte

Autor: Sebastian Gerstl

Im langwährenden Bieterstreit um den Verkauf seiner Flashspeichersparte von Toshiba scheint sich eine Annäherung mit Western Digital abzuzeichnen. WD hat in Zusammenarbeit mit japanischen Investoren ein neues Gebot eingereicht. Manager beider Seiten wollen bis Ende der Woche eine Einigung erzielen.

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Zeichnet sich ein Ende im Bieterstreit um den Verkauf von Toshibas Flashspeichersparte statt? Mitbewerber Western Digital hat als Teil eines Konsortiums mit japanischer Beteiligung neue Verhandlungen mit dem japanischen Traditionsunternehmen aufgenommen.
Zeichnet sich ein Ende im Bieterstreit um den Verkauf von Toshibas Flashspeichersparte statt? Mitbewerber Western Digital hat als Teil eines Konsortiums mit japanischer Beteiligung neue Verhandlungen mit dem japanischen Traditionsunternehmen aufgenommen.
(Bild: Toshiba)

Wie die Nachrichtenagentur Reuters und das Wirtschaftsmagazin Forbes berichten, hatte Western Digital vergangene Woche ein neues Konsortium gebildet und ein erneutes Kaufangebot für Toshibas Flashspeichersparte eingereicht. Zusammen mit der amerikanischen Investmentfirma Kohlberg Kravis Roberts, dem vom japanischen Wirtschaftsministerium geförderten Innovation Network Corp. of Japan (INCJ) und der Development Bank of Japan hat der US-amerikanische Speicherhersteller demnach ein neues Gebot über 1,9 Billionen Yen (etwa 17 Milliarden US-$ bzw. 14,6 Milliarden Euro) vorgelegt.

Forbes berichtet, dass derzeit hochrangige Manager von Western Digital persönlich in Japan sind, um im Verlauf der Woche eine mögliche Einigung auszuhandeln. Der japanische Nikkei-Nachrichtendienst berichtet unterdessen, Western Digital plane, letztlich nicht mehr als 20% der Speichersparte des gebeutelten Mitbewerbers zu übernehmen. Beide Seiten hoffen, bis zum 31. August ein Ergebnis dieser Verhandlungen präsentieren zu können.

Der Bieterstreit um den Verkauf von Toshibas Speichergeschäft zieht sich bereits über ein halbes Jahr hin: Im Februar diesen Jahres hatte der japanische Chiphersteller erstmals angekündigt, sein Flashspeichergeschäft zu verkaufen, um Verluste aus dem Atomenergiegeschäft rund um die insolvente US-Tochterfirma Westinghouse auszugleichen. Doch obwohl zahlreiche Interessenten Gebote eingereicht haben – zwischenzeitlich lagen die höchsten Gebote gerüchteweise bei umgerechnet 18 Milliarden US-$ oder mehr, umgerechnet um die 16 Milliarden Euro – konnte bislang keine Einigung über den Verkauf erzielt werden.

Das liegt zum Teil auch an Western Digital, die eine Klage gegen Toshiba wegen der Verkaufspläne eingereicht hatten: Der amerikanische Specherhersteller ist über seine Tochterfirma Sandisk bei der Produktion von Flashspeichern mit Toshiba in einem Joint Venture verpartnert und argumentiert, aus diesem Grund im Falle von Verkaufsplänen ein Mitsprache- und Vorkaufsrecht zu besitzen. Toshiba hatte mit einer Gegenklage reagiert.

Ende Juni hatte der japanische Konzern angekündigt, einem Konsortium aus dem Innovation Network Corporation of Japan (INCJ), der amerikanischen Investmentfirma Bain Capital und der Development Bank of Japan den Zuschlag zum Verkauf zu erteilen. Doch obwohl dieser Verkauf als so gut wie gesichert angesehen wurde, gerieten die Pläne über eine geplante Minderheitsbeteiligung des südkoreanischen Wettbewerbers SK Hynix ins Stocken; SK Hynix hatte vor, sich nicht in Form von Bargeldtransaktionen, sondern Anteilsumwandlungen an dem Konsortium zu beteiligen. Das würde dem südkoreanischen Unternehmen ein Mitspracherecht beim Mutterkonzern Toshiba selbst einräumen. Als diese Pläne bekannt wurden, hatten sich Toshiba-Aktionäre gegen diese mögliche Beteiligung gewehrt.

Der lang anhaltende Bieterstreit hat sich auf den Börsenkurs des nach einem 2015 aufgeflogenen Bilanzskandals und der Pleite aus dem Atomenergiegeschäft ohnehin stark gebeutelten Unternehmens weiter negativ ausgewirkt. Im Juli flog Toshiba aus dem japanischen Börsenleitindex Nikkei 225 und drohte Anfang August sogar, aus dem Index des Tokyo Stock Exchange (TSE) entfernt zu werden. Der Börsenrauswurf konnte im letzten Moment vorläufig abgewehrt werden. Es muss aber nun dringend ein positives Finanzergebnis her, um einen endgültigen erzwungenen Rückzug von der Börse in naher Zukunft zu vermeiden. Toshiba hat daher ein großes Interesse daran, den Rechtsstreit mit Western Digital und den Verkauf der Speichersparte schnellstmöglich abzuschließen.

Die Beteiligung des INCJ und der Development Bank of Japan mag ausschlaggebend dafür sein, dass sich Toshiba nun doch bereit erklärt, mit Western Digital in engere Verhandlung zu treten. Toshiba-Aktionäre und das japanische Wirtschaftsministerium möchten nach aller Möglichkeit verhindern, dass das 142-jährige japanische Traditionsunternehmen zu sehr unter ausländischen Einfluss gerät.

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