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Toshiba und Western Digital begraben das Kriegsbeil

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Toshiba plant, sein Flashspeicher-Geschäft an ein Konsortium rund um den Finanzinvestor Bain Capital zu verkaufen. Doch eine Reihe von Klagen und Gegenklagen des Mitbewerbers Western Digital hatten einen Abschluss des Verkaufs bislang unmöglich gemacht. Nun haben sich die beiden Firmen geeinigt - und werden sogar noch enger zusammenarbeiten.

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Toshiba und Western Digital haben ihren Streit beigelegt und werden ihr bestehendes Joint Venture weiter ausbauen. Dem geplanten, 15 Milliarden Euro schweren Verkauf der Flashspeichersparte von Toshiba an das Konsortium rund um Bain Capital steht nun scheinbar nichts mehr im Wege.
Toshiba und Western Digital haben ihren Streit beigelegt und werden ihr bestehendes Joint Venture weiter ausbauen. Dem geplanten, 15 Milliarden Euro schweren Verkauf der Flashspeichersparte von Toshiba an das Konsortium rund um Bain Capital steht nun scheinbar nichts mehr im Wege.
(Bild: Toshiba)

Der japanische Technologiekonzern Toshiba und sein US-Partner Western Digital haben einen Streit beigelegt, der den Verkauf des Speicherchip-Geschäfts von Toshiba ernsthaft gefährdet hatte. Nun wollen die beiden Unternehmen ihre Zusammenarbeit sogar ausbauen, wie sie am Dienstagabend in Tokio und dem kalifornischen San Jose mitteilten.

Die fortlaufenden Klagen des Joint-Venture-Partners Western Digital sowie darauf folgende Gegenklagen seitens von Toshiba hatten bislang den Abschluss eines 15-Milliarden-Euro-Deals verhindert. Toshiba plant, sein Flashspeichergeschäft an ein Konsortium zu verkaufen, das von der Private-Equity-Firma Bain Capital geführt wird. Einen Großteil der Beteiligung an dem Konsortium halten japanische Institutionen: die Hoya Corporation, das staatlich gestützte Innovation Network Corp. of Japan sowie die Development Bank of Japan. Hinzu kommen noch der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix Inc. sowie vier US-Technologiekonzerne: Apple, Dell, Kingston Technology Corp. und der Datenspeicherkonzern Seagate Technology Plc.

Western Digital wird nun zusammen mit Toshiba in zwei neue Chipfabriken in Japan investieren. Dazu zählt die Beteiligung am neuen Fab- und R&D-Center am Toshiba-Standort Yokkaichi sowie an einer Greenfield-Fab, die für nächstes Jahr in Nordjapan geplant ist. Ebenso wird das bestehende Joint Venture zwischen den Unternehmen verlängert, das ansonsten im Jahr 2021 ausgelaufen wäre.

Western Digital hatte im Jahr 2016 den Mitbewerber Sandisk erworben, der wiederum ein Joint-Venture-Partner Toshibas bei der Produktion von Flashspeicherchips war. Durch diese Akquisition hatte WD die Geschäftsbeteiligung übernommen und weitergeführt. Aus diesem Grund argumentierte das Unternehmen, dass Toshiba auf Grund der Joint Venture Vereinbarungen zu einer Zustimmung seitens Western Digitals verpflichtet sei, bevor es seine Speicherchip-Einheit verkauft. Die Folge war eine Klage wegen Bruchs der Joint-Venture-Vereinbarungen, als Toshiba der Gruppe um Bain Capital den Kaufzuschlag erteilen wollte. Toshiba hatte darauf mit einer Gegenklage reagiert, die unter anderem Western Digital dem Zugang zu Forschungsdaten und Fab-Kapazitäten verwehren sollte, da sich der Joint-Venture-Partner geschäftsschädigend verhalte.

Damit nähert sich an langwieriger Bieterstreit und das andauernde Drama um den Verkauf von Toshibas Speichersparte nun einem ende. Die Verkaufspläne waren erstmals im Februar diesen Jahres bekannt geworden. Western Digital hatte selbst ein Angebot eingereicht, um einen Teil oder das gesamte Speichergeschäft von Toshiba zu übernehmen. Toshiba zog allerdings von Beginn an andere Angebote vor, angeblich aus Sorge um die letztendliche Beteiligung von Western Digital an diesem Geschäft. Im September diesen Jahres erteilte das Unternehmen endgültig den Zuschlag an ein Konsortium rund um den Finanzinvestor Bain Capital. Die Struktur dieses Konsortiums bedeutet insbesondere durch die Beteiligung von Hoya Corp., INCJ und der Development Bank of Japan, dass mehr als 50 Prozent des Geschäfts von Toshiba auch nach dem Verkauf noch von japanischen Unternehmungen gehalten werden. Hintergrund der nun erzielten Übereinkunft ist, dass Toshiba auch nach dem Verkauf der Speicherchip-Sparte weiterhin ein gewichtiges Wort mitzureden hat in dem Geschäft.

Die rechtlichen Verflechtungen mit Western Digital hatten trotz des Zuschlags bislang einen erfolgreichen Verkauf an das Konsortium verhindert. Eine außergerichtliche Einigung würde vermutlich den Weg zum Abschluss des Geschäfts ebnen. Toshiba will den Verkauf unbedingt noch vor dem Ablauf des aktuellen Geschäftsjahr und der Bilanzierung im März 2018 abschließen. Der japanische Konzern muss gewaltige Bilanzierungslücken ausgleichen, die durch die Insolvenz seiner amerikanischen Atomenergie-Unternehmung Westinghouse entstanden war. Eine Finanzspritze von 5,4 Milliarden US-$ von auswärtigen Investoren hatte Toshiba noch geholfen, einen erzwungenen Börsenabgang vor März 2018 zu verhindern.

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