Bieterstreit um Flash-Geschäft Toshiba reicht Gegenklage gegen Western Digital ein

Autor / Redakteur: mit Material von dpa und Reuters / Sebastian Gerstl

Der finanziell angeschlagene Technologiekonzern Toshiba hat Western Digital verklagt. Weil der US-Partner den geplanten Verkauf der Flashsparte empfindlich störe, fordere man Schadenersatz in Höhe von 120 Milliarden Yen (rund 953 Millionen Euro). Kurz zuvor war Toshiba wegen des fortlaufenden Absturzes seiner Aktienkurse aus dem japanischen Leitindex Nikkei 225 geflogen.

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Die negativen Nachrichten für Toshiba reißen nicht ab: Der geplante Verkauf der Flashsparte zieht sich weiter hin, die Bilanz ist schlecht, der Börsenkurs sackt ab. Nun ist der Technologiekonzern aus dem japanischen Leitindex Nikkei 225 geflogen. Tohsiba zieht daraus Konsewuenzen und strebt eine einstweilige Verfügung gegen Western Digital wegen unfairen Wettbewerbs. Der US-Partner stellt sich beim geplanten Verkauf der Speichersparte quer.
Die negativen Nachrichten für Toshiba reißen nicht ab: Der geplante Verkauf der Flashsparte zieht sich weiter hin, die Bilanz ist schlecht, der Börsenkurs sackt ab. Nun ist der Technologiekonzern aus dem japanischen Leitindex Nikkei 225 geflogen. Tohsiba zieht daraus Konsewuenzen und strebt eine einstweilige Verfügung gegen Western Digital wegen unfairen Wettbewerbs. Der US-Partner stellt sich beim geplanten Verkauf der Speichersparte quer.
(Bild: dpa - Bildfunk)

Wie Toshiba mitteilt, reichte der Konzern Klage vor dem Bezirksgericht in Tokio ein. Toshiba will eine einstweilige Verfügung gegen Western Digital wegen unfairen Wettbewerbs. Zudem fordert Toshiba von dem US-Partnerunternehmen 120 Milliarden Yen (rund 953 Millionen Euro) Schadenersatz.

Toshiba hofft auf einen schnellen Verkauf des Chip-Bereichs, um seine von der US-Atomsparte gerissenen Bilanzlöcher zu stopfen. Dazu verhandelt der Konzern derzeit exklusiv mit einem staatlich geführten Konsortium. Bevor es aber zu einem Verkauf kommt, muss Toshiba noch die juristischen Probleme mit Western Digital aus dem Weg räumen.

Western Digital betreibt bei der Produktion von NAND-Flash ein Joint Venture mit der Speicherchip-Sparte von Toshiba. Daher ist das US-Unternehmen der Ansicht, ihm stehe bei Verkauf des Flashbereichs ein Vorkaufsrecht zu. Western Digital hatte deshalb bereits vor einigen Wochen in Kalifornien Klage gegen Toshiba eingereicht, da der japanische Technologiekonzern mit seiner Verkaufsabsicht das gemeinsame Joint-Venture-Abkommen verletzt habe.

Toshiba sieht dies anders. Western Digital habe den Bieterprozess für die Chip-Sparte fortwährend gestört, erklärte der Konzern in einer Stellungnahme.

Der andauernde Streit um den Verkauf der Flashsparte hat dem schon im Vorfeld stark angeschlagenem Börsenkurs des Unternehmens nicht geholfen. Ein 2015 aufgeflogener Bilanzskandal und die Insolvenz der US-Atomtochter Westinghouse hatten Toshiba in eine schwere Krise gestürzt. Das einstige japanische Vorzeigeunternehmen schreibt hohe Verluste. In der Folge war der Kurs in den vergangenen Monaten bereits abgesackt. Seither hat sich keine Trendwende abgezeichnet. Ab dem 1. August werde Toshiba daher nicht mehr im Leitindex Nikkei 225 vertreten sein, teilte die japanische Börse am Freitag in Tokio mit. Toshiba-Aktien wandern dann in das darunterliegende Börsensegment.

Angesichts der vielen Baustellen hat Toshiba Probleme, seine Geschäftszahlen für das zurückliegende Jahr vorzulegen. Der Konzern hat bei der zuständigen Behörde deshalb um eine Fristverlängerung bis zum 10. August gebeten, wie er am Freitag mitteilte. Eigentlich wären die Daten zum 30. Juni fällig. Bei der anstehenden Aktionärsversammlung am heutigen Mittwoch muss nun der Technologiekonzern seinen Anteilseignern ohne Unterschriebenen Kaufvertrag der Flashsparte und einer weiterhin ungeklärten Bilanz gegenübertreten. Die aktuellen Zahlen malen ein düsteres Bild: Das negative Eigenkapital soll nach Angaben des Handelsblatts auf 4,7 Milliarden anschwellen, das Nettovermögen sogar um fast ein Fünftel auf 2,5 Milliarden Euro sinken. Unter dem Strich steht damit nun ein Reinverlust von acht Milliarden Euro zu Buche, ohne die in die Pleite geschickte amerikanische Atomsparte.

Eigentlich hatte Toshiba beschlossen, das Flashspeichergeschäft an ein japanisch geführtes Konsortium unter Ägide des japanischen Wirtschaftsministeriums, bestehend aus dem Innovation Network Corporation of Japan (INCJ), der amerikanischen Investmentfirma Bain Capital und der Development Bank of Japan, zu verkaufen. Kurz vor Ablauf der Gebote war dem Konsortium zudem noch der südkoreanische Wettbewerber auf dem Speichermarkt, SK Hynix, dem Konsortium beigetreten. Auch Chiphersteller Broadcom, der zusammen mit der US-Investmentfirma Silver Lake ein Angebot vorgelegt hatte, galt lange Zeit als aussichtsreicher Kandidat.

Diese Entscheidung stößt andernorts auf wenig Gegenliebe. Sollte das japanisch geführte Konsortium den Zuschlag erhalten, werde man in jedem Fall noch weitere rechtliche Schritte verfolgen, hatte Western Digital noch am Dienstag verkündet.

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