Raus aus der langjährigen Krise Toshiba plant Aufspaltung in drei separate Unternehmen

Autor Sebastian Gerstl

Der japanische Elektronikkonzern Toshiba plant, sich bis zum Jahr 2023 in drei unterschiedliche Unternehmen für Infrastruktur, Geräte und Halbleiter aufzuteilen. Die Aufteilung soll dazu führen, wieder einen höheren Gesamtwert aller Unternehmungen zu erzielen.

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Getrennte Einheiten: Laut eines Medienberichts plant Toshiba, den Großkonzern in drei separate Unternehmen aufzubrechen. Das Geschäft für Spiecherchips und der Bereich für Geräte (wie beispielsweise Festplatten) könnte ab 2023 demnach in unterschiedlichen Firmen landen.
Getrennte Einheiten: Laut eines Medienberichts plant Toshiba, den Großkonzern in drei separate Unternehmen aufzubrechen. Das Geschäft für Spiecherchips und der Bereich für Geräte (wie beispielsweise Festplatten) könnte ab 2023 demnach in unterschiedlichen Firmen landen.
(Bild: Clipdealer)

Bereits ab dem Jahr 2023 könnte Toshiba in seiner bestehenden Form nicht mehr existieren: Wie die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei berichtet plant das Unternehmen, sich in drei unterschiedliche Firmen aufzuspalten. (Update 12. November 2021: Toshiba hat heute die Pläne bestätigt, sich in drei börsennotierte Unternehmen aufspalten zu wollen Unter starkem Druck ausländischer Aktionäre hofft die seit längerem strauchelnde Unternehmensgruppe, mit diesem für Japan beispiellosen Schritt die Profitabilität in Schlüsselbereichen künftig zu stärken. )

Dabei soll eine strikte Trennung in Teilmärkte erfolgen. So soll sich ein Unternehmen auf das Geschäft mit "Infrastruktur", also Kraftwerken und den damit verbundenen Netzen, fokussieren. Eine zweite Firma soll mit dem Schwerpunkt auf Geräte ausgegliedert werden, wozu beispielsweise das Festplattengeschäft gehört. Als drittes soll ein eigenes Unternehmen mit dem Fokus auf die Produktion von Halbleitern entstehen.

Dabei handelt es sich nicht um eine einfache Aufteilung in Geschäftsbereiche im Konzern: Der Konzern selbst soll aufgeteilt werden, alle drei Unternehmungen sollen innerhalb der nächsten beiden Jahre separat an der Börse gelistet werden. Eine solche Entscheidung bei einem Unternehmen dieser Größe wäre bislang auf dem japanischen Markt einmalig.

Eine geplante Grundsanierung

Erst vor einem halben Jahr hatte der europäische Investor CVC Capital Partners Pläne verkündet, den japanischen Traditionskonzern komplett übernehmen zu wollen. Seit nach einem 2015 aufgeflogenem Bilanzskandal der Wert des Unternehmens enorm eingebrochen war, hat sich der Börsenkurs von Toshiba trotz des Abstoßens von Geschäftseinheiten und der Ausgründung der Geschäftseinheit Toshiba Memory in Kioxia nicht wieder erholt. Zuvor hatte Toshiba als einer der Superstars unter den japanischen Elektronikkonzernen gegolten.

Zukunft des Halbleiterbereiches noch unklar

Von der Dreiteilung erhofft sich der Konzern, dass sich der Gesamtwert aller Unternehmungen nach einer langen Tiefphase endlich wieder erholt - was auch die Gefahr von feindlichen Übernahmeversuchen abwehren sollte. Über alle Geschäftsbereiche zusammen hatte Toshiba im vergangenen Geschäftsjahr einen Gesamtumsatz von 30,8 Mrd. US-$ (ca. 26,6 Mrd. Euro) erzielt.

Derzeit hält der Toshiba-Konzern noch 40% Anteile an der Ausgründung Kioxia. Wie Nikkei berichtet plant Toshiba offenbar, diesen Geschäftsanteil, zusammen mit dem noch bestehenden Halbleitergeschäft, unter dem Mantel der Kioxia Holdings zu vereinen. Es könnte allerdings sein, dass dieses Geschäft letztendlich doch der neuen Gerätefirma zugeschlagen werden könnte.

Weg aus der starren Großkonzernsstruktur

Elektronik-Konglomerate wie Toshiba, die über unterschiedlichste Geschäftsbereiche reichen, von Atomkraftwerken über Roboter und Halbleiter bis hin zu Zubehör für Haushaltsgeräte, sind für den japanischen Markt nicht unüblich. Ein Vorteil eines solchen Großkonzerns ist, dass die Geschäftsbereiche von Synergien und einer großen Gesamtstabilität des gesamten Unternehmens, selbst wenn einzelne Märkte einmal kriseln sollten, profitieren. Kritiker halten dem entgegen, dass ein solches starres Großkonstrukt die bereitstehenden Ressourcen zu dünn streut, Innovationsbereitschaft in einzelnen Teilbereichen ausbremst und so generell die Effizienz des gesamten Unternehmens behindert. Im Falle Toshiba hatte ein missglückter Versuch, ins amerikanische Geschäft mit Atomkraftwerken vorzudringen, jahrelange Kapitalprobleme ausgelöst, unter denen auch das gut laufende Speichergeschäft litt und die letztlich zum Bilanzskandal 2015 führten.

Mit der Aufteilung in drei Unternehmen möchte sich Toshiba nicht nur wieder mit seinen Anlegern gutstellen; die Aufteilung in getrennte Unternehmen soll den Aktionären einen besseren Einblick in die verschiedenen Geschäftsbereiche ermöglichen. Die Aufspaltung soll auch die Entscheidungsfindungsprozesse beschleunigen, so dass jeder Geschäftsbereich bei Bedarf schnell neue Mittel beschaffen oder eigenständig Akquisitionen und Veräußerungen vornehmen kann.

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