Suchen

Tipps für den Alltag am heimischen Schreibtisch

Der feste Schreibtisch ist ein Auslaufmodell. Um aber auch im Homeoffice und beim mobilen Arbeiten dauerhaft leistungsfähig zu bleiben, sollte man einige Tipps beherzigen.

Sowohl ergonomische Gesichtspunkte als auch Bewegung kommen beim mobilen Arbeiten häufig zu kurz.
Sowohl ergonomische Gesichtspunkte als auch Bewegung kommen beim mobilen Arbeiten häufig zu kurz.
(Bild: ©Graphicroyalty - stock.adobe.com)

Die zunehmende Digitalisierung und das Homeoffice in der Corona-Krise entlasten Arbeitnehmer: Jeder Zweite bewertet die Arbeit mit Laptop, Smartphone und Videokonferenzen als positiv, so das Ergebnis einer Sonderanalyse zum DAK-Gesundheitsreport, der sich aus zwei repräsentativen Befragungen vor und während der Pandemie zusammensetzt. Arbeitnehmer, die während der Corona-Krise erstmalig regelmäßig im Homeoffice sitzen, zeigen eine hohe Arbeitszufriedenheit und berichten von guter Work-Life-Balance, Drei Viertel von ihnen möchte auch nach der Corona-Krise zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiten. Denn das tägliche Stresserleben geht während der Corona-Krise um 29 % zurück. Doch die Medaille hat zwei Seiten.

Ergonomie? Fehlanzeige

Das Spektrum des Homeoffice-Alltags ist breit: Mehr oder wenig sinnvoll eingerichtete Arbeitsplätze finden sich in allen möglichen Räumen eines Zuhauses – vom Sofa über den Küchentisch bis zur professionell eingerichteten Basis im separaten Raum. Kleine Arbeitsflächen sind dann häufig voll von Unterlagen, das Notebook hat gerade noch vorne am Tischrand Platz; ohne Beinfreiheit kippen die Beine zur Seite oder man sitzt aus Bequemlichkeit einfach auf der Couch. Von Ergonomie kann also keine Rede sein.

Warum leidet der Rücken zu Hause?

Während in deutschen Büros bereits viele Arbeitsplätze ergonomisch gestaltet sind, hat zu Hause nicht jeder einen rückenfreundlichen Arbeitsplatz. Wenn der heimische Esstisch als Büro herhalten muss, fällt eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung schwer.

Zudem leidet die Bewegung: Wer zu Hause arbeitet, hat meist weniger Bewegung im Alltag – denn während viele schon beim Gang zur Arbeit einen längeren Fuß- oder Radweg zurücklegen, ist der heimische Arbeitsplatz nach wenigen Metern erreicht. Auch in den Pausen führt der Weg oft nicht weiter als bis zur Küche.

Zehn Tipps für mehr Fitness im Homeoffice

Um leistungsfähig und gesund auch beim mobilen Arbeiten zu bleiben, spielen ein möglichst ergonomisch ausgestatteter Arbeitsplatz und auch mentale Fitness eine große Rolle. Der niederländische Ergonomiespezialist Bakker Elkhuizen hat dafür zehn Tipps rund um Zeitmanagement, Work-Life-Balance und Arbeitsumgebung zusammengestellt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Richtig sitzen im Homeoffice

In der richtigen Höhe sitzt man, wenn beim Auflegen der Unterarme auf den Tisch ein rechter Winkel von Unterarm zu Oberarm entsteht. Das sollte auch für den Winkel Oberschenkel zu Rumpf und Unterschenkel zu Oberschenkel gelten.

Reichen bei richtiger Sitzhöhe die Füße nicht vollflächig auf den Boden, kann man dies mit einer Fußstütze ausgleichen. Gute Beinfreiheit sorgt dafür, dass man sich nicht verdrehen muss.

Richtiges Sitzen bedeutet auch, die Sitzfläche voll auszunutzen. Dabei sollten Körperdrehungen vermieden werden. Am besten sind bewegliche Stuhllehnen, die Mikrobewegungen ohne Kraftanstrengung ermöglichen.

Richtig sitzen auch im Homeoffice.
Richtig sitzen auch im Homeoffice.
(Bild: www.axelkock.de)

Die von der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) empfohlene Arbeitsfläche beträgt 160 cm x 80 cm, wobei das für den Konstrukteursarbeitsplatz häufig nicht genügt. Das ist für viele Wohnsituationen im Homeoffice nicht erfüllbar. Hier kann man sich mit zusätzlichen Boards oder herausziehbaren Containern behelfen, denn es geht viel Produktivität durch das Suchen von Unterlagen verloren. Ein Mindestabstand zum Monitor von 50 cm wird empfohlen.

Zudem müssen unsere Augen bis zu 30.000 Blickwechsel zwischen Vorlage, Tastatur und Monitor verkraften. Hier schafft ein identischer Sehabstand zwischen Vorlage und Monitor für Abhilfe, da die Zahl der Akkomodationsvorgänge reduziert wird. Konzepthalter können zusätzlich helfen und bieten eine Organisationshilfe bei der Heimarbeit.

Ergänzendes zum Thema
Neuropsychologie: Auf dem Weg zum neuen Blau

Werden Gefühle in Farben ausgedrückt, stehen Hellblau und Blau in der Regel für Wohlfühlen. Aktuell, so Experte für Neuropsychologie Dr. Erik Matser, hat die Menschheit die Chance, die Welt nach Covid-19 in perfektes Blau zu tauchen und so eine ausgewogene Work-Life-Balance zu erzeugen.

Dafür sei es essentiell, dass auch im Homeoffice die ideale Umgebung geschafft wird: Nötig sei ein Arbeitsplatz, der Sitzen und Stehen sowie Mikrobewegung ermöglicht. Um Überforderung zu vermeiden, sollte man sich zudem bewusst machen, welche Rollen dazu führen können, etwa die Rolle „Eltern“. Denn das menschliche Gehirn ist ausgelegt für vier Stunden konzentriertes Arbeiten von Innen nach Außen, sodass die heutige Arbeitswelt häufig Überforderung provoziert. So weiß man laut Dr. Matser mittlerweile, dass die Ursache von RSI nicht nur falsches Sitzen oder gleichförmige Bewegung ist, sondern eine Kombination daraus und aus mentaler Überforderung. (Quelle: Webinar „Welche Auswirkung hat das Homeoffice auf unsere Psyche?“, Bakker Elkhuizen)

Ausrüstung für mehr Ergonomie

Mittlerweile gibt es vermehrt auch Ausrüstung, um den heimischen oder mobilen Arbeitsplatz ergonomisch zu gestalten. So hat etwa BME einen höhenverstellbaren Steh-Sitz-Tisch entwickelt, der in 60 Sekunden aufgebaut ist. Monitorständer und Laptophalter sorgen für die richtige Höhe und Kompakttastaturen sparen Platz und reduzieren die Belastung. Auch Sitzbälle leisten gute Dienste im Sinne der Bewegung. Darüber hinaus bieten viele Hersteller wie Bakker Elkhuizen oder Quinta in der Zwischenzeit auch spezielle Pakete für das Homeoffice an.

Ergänzendes zum Thema
TÜV SÜD gibt Tipps zum Kauf von Büromöbeln

Seit März arbeiten viele Menschen in Deutschland im Homeoffice. 60 % würden dies laut einer Umfrage von Statista zumindest teilweise gerne beibehalten. Wer dauerhaft im Homeoffice arbeitet, sollte aber auch die ergonomischen Voraussetzungen schaffen, um keine Schäden wie Rücken- oder Nackenschmerzen davonzutragen. Hilfreiche Tipps für die Auswahl der Büromöbel hat Michael Weber, TÜV SÜD-Produktexperte.

Nach Möglichkeit sollte jeder Heimarbeitende einen festen Arbeitsplatz einrichten, der im Idealfall mit einem ergonomisch passenden Bürostuhl und einem höhenverstellbaren Tisch ausgestattet ist. Ein guter Stuhl soll die natürliche Haltung in allen Sitzpositionen unterstützen und individuell anpassbar sein. „Generell empfiehlt es sich, über den Tag die Positionen zu wechseln, um einer einseitigen Belastung der Wirbelsäule und Bandscheiben vorzubeugen. Möglich ist das problemlos mit höhenverstellbaren Tischen. Idealerweise verbringt man einige Zeit am Tag im Stehen zum Arbeiten und zum Telefonieren“, rät Michael Weber.

  • Der passende Stuhl: Wenn die Füße in der Luft baumeln, ist das nicht nur auf Dauer unangenehm, sondern auch ungesund. „Die passende Sitzhöhe ist entscheidend. Die Füße sollten auf dem Boden stehen, wobei Ober- und Unterschenkel einen Winkel von etwa 90 Grad bilden sollten“, erklärt Michael Weber. Eine Grundvoraussetzung für die Wahl eines Bürostuhls ist dessen Höhenverstellbarkeit. Zum besseren Komfort sollte der Stuhl über Rollen verfügen (Eignung für Teppich oder Parkett beachten). Ein fünfstrahliges Drehkreuz mit Rollen, welches über die Außenkonturen der Sitzfläche hinausragt, gewährt Standsicherheit.
  • Mechanik der Rückenlehne: Zur Grundausstattung eines ergonomischen Bürostuhls gehört eine Synchronmechanik. Dadurch wird dynamisches Sitzen erst möglich. „Dies bedeutet, dass sich beim Zurücklehnen die Neigung von Sitzund Rückenlehne zugleich nach hinten verlagert. So folgt der Stuhl der natürlichen Körperbewegung und unterstützt die Wirbelsäule dynamisch“, erklärt der TÜV SÜD-Produktexperte. Eine anatomisch geformte Lordosenstütze (auch Lumbalstütze genannt) entlastet den Lendenwirbelbereich und unterstützt die S-Form der Wirbelsäule. Die Rückenlehne sollte bis zu den Schultern reichen, um den ganzen Körper abzustützen.
  • Die Sitzfläche: Die Sitztiefe sollte so gewählt werden, dass der Benutzer ausreichend Auflagefläche für die Oberschenkel hat. Dabei ist darauf zu achten, dass die Kniekehlen frei bleiben, um die Blutversorgung der unteren Gliedmaßen nicht zu behindern. Bei einigen Modellen ist die Sitzfläche tiefenverstellbar und lässt sich so optimal auf jede Beinlänge einstellen, so dass Oberschenkel und Gesäß gut aufliegen.
  • Stuhl mit oder ohne Armlehnen?: Das ist grundsätzlich eine Geschmacksfrage. Wer häufig vom Platz aufsteht, ist möglicherweise ohne Armlehnen flexibler. Wer sich für Armlehnen entscheidet, sollte ein Modell wählen, dessen Lehnen höhenverstellbar sind. Nur so ist eine Entlastung des Schulterbereichs möglich.
  • Der Schreibtisch bzw. Bildschirmarbeitsplatz: Nachdem rund zwei von drei Arbeitnehmern heutzutage einen Bildschirmarbeitsplatz haben, muss ein Schreibtisch als PC-Arbeitsplatz dienen. Dieser sollte in der Höhe zwischen 65 und 125 Zentimetern elektromotorisch einstellbar sein und über eine ausreichend große, nicht spiegelnde Arbeitsfläche verfügen. So kann beliebig zwischen stehender und sitzender Tätigkeit gewechselt werden. Zwischen Oberschenkel und Tischunterseite sind idealerweise 5,5 bis 10 cm Platz. Wer Unterlagen aus Papier neben sich zur Arbeit benötigt, sollte diesen Platz zusätzlich einrechnen. Viele arbeiten bereits nahezu papierlos und können damit die Breite des Arbeitstisches reduzieren. Ein Tisch ohne Höhenverstellung sollte 74 cm (mit Spielraum von zwei Zentimetern nach oben oder unten) haben. Hier empfiehlt es sich, immer mal wieder aufzustehen. Beispielsweise kann im Stehen gut telefoniert werden.
  • Praktische und technische Aspekte: Je nachdem, wie viele Bildschirme, Tastaturen, Kameravorrichtungen oder Telefone am Tisch Platz finden müssen, sorgen ein vorgesehener Kabellauf durch die Tischplatte, ein Kabelkanal sowie Kabelführungen unter der Tischplatte für mehr Ordnung. So führen alle Leitungen gesammelt zur Steckdose bzw. zum WLAN-Anschluss.
  • Auf geprüfte Sicherheit achten: Bei der Wahl des Schreibtischs und passenden Stuhls sollte noch ein Blick auf das Material geworfen werden. Es empfiehlt sich zu überprüfen, ob die verwendeten Materialien auf Schadstoffe untersucht wurden. Geräte, die das blaue TÜV SÜD-Oktagon und das GS-Zeichen für Geprüfte Sicherheit aufweisen, sind auf Bedienbarkeit, Schadstoffe und Dauernutzung sowie auf ergonomische Mindestanforderungen getestet. Zudem sind diese Geräte auf alle aktuellen Qualitäts- und Sicherheitsstandards geprüft.

Der Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Konstruktionspraxis.de.

(ID:46920523)

Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht