Time Sensitive Networking – neuer Superheld für die Automatisierung?

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Sie haben erste Prototypen für die kommenden Generationen Ihrer Produkte angekündigt. Welche Produkte sind das und wie ist der aktuelle Entwicklungsstand?

Rahman Jamal: Unsere ersten, im letzten Jahr vorgestellten TSN-fähigen Produkte sind die Compact-Rio-Controller, die bereits im erwähnten IIC-TSN-Testbed integriert sind. Sie sind zudem Teil der Early Access Technology Platform für TSN, die die Entwicklung neuer Synchronisations- und Kommunikationstechnologien vorantreiben soll.

Die Plattform ist in Zusammenarbeit mit Cisco und Intel entstanden. Anwender sind damit in der Lage, Steuer-, Regel- und Messanwendungen über Standard-Ethernet-Verbindungen deterministisch und zeitsynchronisiert auf verteilten Systemen auszuführen. Die Technologie ist bereits im Einsatz: Das Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen nutzt sie zum Entwickeln von CNC-Maschinen der nächsten Generation. EUV Tech erstellt mit ihrer Hilfe neuartige Halbleiterfertigungsmaschinen. Und das Oak Ridge National Laboratory verwendet sie für Forschungen rund um das Stromnetz der Zukunft.

Die in der Plattform eingesetzten Controller arbeiten mit Atom-Prozessoren und einem TSN-fähigen I210-Netzwerkanschluss von Intel. Sie stellen eine schnelle und gleichzeitig energiesparende, kostengünstige Lösung bereit. Ebenso haben wir kürzlich zwei TSN-fähige Compact-DAQ-Chassis vorgestellt. cDAQ-9185 und cDAQ-9189 mit vier beziehungsweise acht Steckplätzen unterstützen eine deterministische Synchronisierung über aktuelle Ethernet-Standards und verbinden so TSN mit robuster Compact-DAQ-Hardware für verteilte Messungen. Durch die Zeitsynchronisierung über TSN lassen sich verteilte Systeme einfacher skalieren.

Sebastian Sachse: Der erste Schritt ist die einheitliche und zeitgenaue Vernetzung auf Steuerungsebene. Daher sind wir im Testbed derzeit auch mit einer Steuerung vertreten. Dazu kommt demnächst ein Bus-Controller, also ein I/O-Knoten, der unabhängig von einer Steuerung OPC UA TSN sprechen wird.

Als Serienprodukt haben wir mittlerweile einen Bus-Controller, der als OPC-UA-Server fungieren kann. Wir ermöglichen also eine direkte Anbindung von I/Os an beliebige OPC-UA-Client-Geräte. Das ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer komplett horizontal vernetzten Produktion. Wie die nächsten Schritte aussehen werden, erfahren Sie auf der SPS IPC Drives 2017.

Dr. Hans Krattenmacher: Mit den vier Bausteinen Engineering-Software, Steuerungstechnik, Umrichtertechnik und Antriebstechnik hat SEW-Eurodrive erstmalig auf der SPS IPC Drives 2016 den vollumfänglichen Automatisierungsbaukasten Movi-C vorgestellt. Dieser bietet die Basis für zukünftige Automatisierungslösungen sowohl in klassischer Automatisierungsstruktur als auch für innovativere Lösungen mit Cyber-Physical-Systems-basierter Automation.

SEW-Eurodrive hat in seiner Schaufensterfabrik in Graben-Neudorf bei Bruchsal die Fabrik 4.0 bereits Realität werden lassen. Der Weg in die Industrie 4.0 wird von uns als ein evolutionärer Prozess betrachtet. Um die reibungslose Kommunikation in der digitalen Welt zu gewährleisten, müssen alle Beteiligten dieselbe Sprache sprechen. Auch von uns erfahren Sie bald mehr auf den nächsten Industrie- und Branchen-Messen.

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Über den Autor

 Sariana Kunze

Sariana Kunze

Fachredakteurin Automatisierung, Vogel Commnications Group GmbH & Co. KG