Raumfahrt

NASA steuert Mini-Satelliten mit Android-Smartphone

| Redakteur: Franz Graser

Die drei SPHERES-Satelliten an Bord der Internationalen Raumstation im Formationsflug. (NASA)
Die drei SPHERES-Satelliten an Bord der Internationalen Raumstation im Formationsflug. (NASA)

Mit kleinen, synchronisierten Satelliten testet die NASA, wie Roboter aussehen können, die Menschen bei der Erforschung fremder Welten unterstützen. Ihre Steuerung soll künftig ein Android-Smartphone übernehmen.

Die SPHERES-Satelliten (Synchronized Position Hold, Engage, Reorient, Experimental Satellites) ähneln dem kugelförmigen Trainingsgerät, mit dem Luke Skywalker im ersten "Star Wars"-Film den Umgang mit dem Lichtschwert erlernt.

Das ist kein Zufall, denn David Miller, Professor am Massachusetts Insititute of Technology (MIT), zeigte den Film 1999 seinen Studienanfängern und sagte zu ihnen: "Baut mir so etwas."

Insgesamt fünf Satelliten von der Größe einer Bowlingkugel wurden gebaut, drei davon befinden sich seit 2006 an Bord der Internationalen Raumstation ISS.

Die Satelliten sollen als Testgeräte für Konzepte dienen, wie Roboter den Menschen in Zukunft bei der Arbeit im Weltraum oder bei der Erforschung fremder Planeten assistieren können.

Deswegen wurden die Roboter mit einem Erweiterungsport konstruiert, über den die Satelliten mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet werden können. Dieser wird dazu genutzt, um die Geräte mit dem von Samsung gebauten Smartphone Nexus S zu verbinden.

Der NASA-Forschungsingenieur D. W. Wheeler erklärt den Sinn des Vorhabens: "Indem wir ein Smartphone mit den SPHERES verbinden, machen wir sie sofort intelligenter. Durch das Smartphone erhalten die SPHERES eine Kamera, um Bilder und Videos aufzunehmen, Sensoren, um Erkundungen vorzunehmen, eine mächtige Rechnereinheit für Berechnungen und eine WLAN-Verbindung."

Ein wichtiges Argument für die NASA-Ingenieure ist das offene Betriebssystem Android: "Die breite Verfügbarkeit von Android erlaubt uns, das Smartphone so einzurichten, dass es als kompakter und preiswerter Computer mit geringem Stromverbrauch dienen kann", weiß Mark Micire, Softwareentwickler in der Intelligent Robotics Group.

"Und weil die Plattform frei ist, denken wir, dass ein sehr großer Kreis in der Lage ist, Android-Applikationen zu entwickeln, die wir für unsere Experimente verwenden können", ergänzt Micire.

Bisher wurden die Satelliten im All in 25 Experimenten eingesetzt, um Konzepte für automatisierte Kopplungsmanöver oder die Wartung von Satelliten auszuprobieren. Dafür wurden vorab programmierte Algorithmen verwendet.

Jetzt aber können die Forscher die Geräte entweder von der Bodenstation auf der Erde oder aus dem All steuern. "Das Kontrollzentrum kann die durch Smartphones erweiterten SPHERES fernsteuern, um die Ausrüstung und die Umwelt auf der ISS zu prüfen", sagt Terry Fong, Leiter der Intelligent Robotics Group der NASA.

"Dadurch haben die Astronauten mehr Zeit für wissenschaftliche Experimente, da sie sich nicht so sehr um Routineaufgaben kümmern zu müssen. Langfristig könnten freifliegende Satelliten wie die SPHERES aber auch die Außenhaut der Raumstation oder anderer Raumschiffe inspizieren", so Fong.

Zunächst soll bei einer Inspektion der Raumstation getestet werden, wie beweglich die SPHERES-Flugkörper sind und wie Daten mit den Sensoren des Smartphones gesammelt werden können.

Die zweite Testaufgabe ist, dass die Geräte für ein Interview mit einem menschlichen Crewmitglied verwendet werden sollen. An die Stelle eines Raumfahrers, der die Kamera hält, sollen das Kontrollzentrum und ein SPHERES-Satellit treten.

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posted am 02.09.2011 um 14:46 von Unregistriert


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