Entwicklungs-Tools

UML: Schritt für Schritt

28.09.2006 | Redakteur:

Die entscheidende Frage für viele Entwicklungsteams ist heute nicht mehr, ob sie UML einsetzen werden. Vielmehr stehen folgende Fragen im Vordergrund: Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Einstieg...

Die entscheidende Frage für viele Entwicklungsteams ist heute nicht mehr, ob sie UML einsetzen werden. Vielmehr stehen folgende Fragen im Vordergrund: Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gekommen und wie gelingt dieser am erfolgreichsten? Im zweiten und letzten Teil dieses Beitrags schildert der Autor die Erfahrungen, die er in den letzten Jahren bei Trainings und Projekten hinsichtlich UML gesammelt hat.

Während im ersten Teil dieses UML-Beitrags in der ELEKTRONIKPRAXIS-Ausgabe 15 die Voraussetzungen für den Einsatz der Unified Modeling Language näher beschrieben wurden (Indizien, Orientierungsgespräch, Analyse und Konzept), befasst sich der zweite Teil nun mit der Basiskompetenz, Projektpraxis (Toolauswahl, „Das erste Projekt“, Wissensmultiplikation) und bietet eine Übersicht über das schrittweise Vorgehen bei einer UML-Implementierung.

Zunächst braucht das Team ein ausreichendes Basiswissen zum Thema UML. Leider wird nicht selten viel Geld in ein Tool investiert und bei der Ausbildung gespart. Bei der UML gilt der schöne Spruch „A Fool with a Tool is still a Fool“ ganz besonders. Es ist empfehlenswert, ein Methodentraining eines erfahrenen Anbieters zu besuchen. Achten Sie darauf, dass er Ihrer Branche nahe steht, damit die Beispiele zu Ihrer Gedankenwelt passen. Auch sollten Sie unbedingt sicherstellen, dass die Methode im Vordergrund steht und nicht die Toolbedienung. Typischerweise dauert ein Training mit praktischen Übungen für einen brauchbaren Lernerfolg je nach Vorkenntnissen drei bis fünf Tage. Danach besteht eine gute gemeinsame Kommunikationsbasis für die weiteren Schritte. Seien Sie sich bewusst, dass dieses Basistraining so etwas wie der Anfängerhügel beim Skifahren ist. Sie wissen jetzt – im Prinzip – wie es geht und können ein paar Stemmbögen fahren.Zum eleganten Slalom durch die steilen Softwarepisten sind einige Wochen Praxis notwendig. Es ist sehr vorteilhaft, wenigstens einen Mitarbeiter im Team zu haben, der schon über fundierte Erfahrung mit der UML verfügt. Dies kann auch ein externer Mitarbeiter sein. Auch die Kombination der Anwendungskompetenz „alter Hasen“ und der Methodenkompetenz von Hochschulabsolventen, bietet für beide Seiten gute Entwicklungsmöglichkeiten, sofern die Teamkultur das zulässt.Die Ergebnisse der Analyse bieten auch eine hervorragende Grundlage, um das Basiswissen auf die Bedürfnisse des Projektteams zuzuschneiden. Statt eines 08/15-Trainings kann beispielsweise eine mehrstufige Ausbildung abhängig von Wissensstand und Rolle erfolgen. Gleichzeitig ist diese Ausbildung die erste Gelegenheit für das Team, die Projektanforderungen und die Möglichkeiten der UML gedanklich zu verknüpfenDas richtige Tool ist entscheidendMit diesem Wissensfundament steigen wir nun etwas gelassener, aber in jedem Falle mit mehr Selbstvertrauen in die Toolauswahl ein. Oft fehlen Ihnen allerdings die Anwendungserfahrungen von Tools dieser Art in Ihrem Umfeld. Deshalb ist auch hier der Einsatz eines erfahrenen Beraters oder Coaches empfehlenswert. Wie so oft zeigen sich die wahren Stärken – aber auch Tücken – eines Tools erst bei längerer Anwendung. Eine Demo ist zwar sinnvoll, aber aus Gründen der Praktikabilität auf einfache Beispiele beschränkt. Die Ergebnisse der Analyse und die ersten Erfahrungen im UML-Training sind sehr hilfreich um die Ansprüche an das Tool zu definieren.Lassen Sie sich nicht von schönen Oberflächen, netten Gimmicks oder eindrucksvollen Referenzen von Ihren Prioritäten abbringen. Es geht um mehr als nur darum, ein paar schöne Bildchen zu zeichnen! Falls Sie niemanden im Team haben, der hier über praktische Erfahrung verfügt, dann suchen Sie jemanden. Vielleicht kann Ihnen ja auch der Hersteller einen Kontakt zu einem Kunden vermitteln, der ähnliche Anforderungen bereits in der Praxis umgesetzt hat. Aufschlussreich ist auch der Besuch einer User Group, um aktive Anwender bezüglich ihrer Erfahrungen zu befragen.In jedem Falle sollten die Personen, die das Tool evaluieren, vorher eine Toolschulung besuchen, um eine realistische Vorstellung der Möglichkeiten zu haben. Die Anzahl der Tools im Embedded-Bereich hält sich in Grenzen und eine Vorauswahl lässt sich mithilfe eines erfahrenen Beraters treffen. Daher ist es weniger riskant, eine Schulung zu besuchen, selbst wenn man dann feststellt, dass das gewählte Tool ungeeignet ist. Andererseits ist eine „unnötige Schulung“ immer noch billiger als der Kauf eines falschen Tools.Also: erst wissen, dann wählen!In der Regel stellen Ihnen die Hersteller das Tool für eine Evaluierung kostenlos zur Verfügung. Dank Ihrer Analyse sind Sie nun in der Lage, sehr zielstrebig die Dinge auszuprobieren, auf die es ankommt. Stellen Sie dabei auch gleich die Kompetenz und Verfügbarkeit des Toolsupports auf die Probe. Die Toolevaluierung ist auch gleichzeitig das erste Teilprojekt, das Sie auf Ihrem Weg zum UML-Profi ein Stück weiterbringt.Das erste Projekt: Kernteam und CoachJetzt geht’s los! Das erste Projekt mit UML und dem ausgewählten Tool wird umgesetzt. Genau genommen handelt es sich zunächst um ein weiteres Teilprojekt, das Sie ausgewählt haben. Bei der Auswahl der ersten Aufgaben ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass das Einüben der Methode und des Tools nicht von weiteren Hürden behindert wird, beispielsweise durch eine völlig neue Technologie oder politisch brisante Projektelemente. Wenn die Aufgabe die Möglichkeit bietet, den gesamten Entwicklungsprozess von der Anforderungsanalyse bis zum Test zu durchlaufen, bietet sie ideale Voraussetzungen.Eine zentrale Rolle in dieser Phase spielt der so genannte Projektcoach. Seine Aufgabe ist es, das Kernteam möglichst schnell zur eigenständigen routinierten Umsetzung der Ziele zu entwickeln. Wenn auf diese Weise nun mehr Routine in dem Kernteam vorliegt, können im nächsten Schritt kritische Pfade – z.B. bezüglich Echtzeitverhalten – angepackt werden. So beweist sich schnell in der Praxis, welche Erfahrungen und welches Wissen für die Teamkollegen am hilfreichsten ist. Eine bewährte Form, weitere Entwickler ins Boot zu holen, ist der sog. Projektworkshop. Das Kernteam erarbeitet zusammen mit einem erfahrenen Trainer einen Workshop, in dem alle anderen Beteiligten die Erfahrungen des Kernteams in sehr kompakter Form in der Praxis erleben können. Auf diese Weise werden außerdem alle Erfahrungen und Erkenntnisse bewusst gemacht, bewertet und dokumentiert.Bevor alle anderen Beteiligten diesen Projektworkshop besuchen, ist wie beim Kernteam eine fundierte Basisausbildung erforderlich. Natürlich lassen sich Basisausbildung und Projektworkshop auch sehr gut kombinieren. Warum dieser Aufwand? Es gibt zu viele Softwareregelwerke, die geduldig im Regal verstauben. Die beste Garantie für eine praktische Anwendung ist das Lernen unter Praxisbedingungen. Außerdem ist damit das Argument von „der grauen Theorie irgendwelcher Schlauberger, die keine Ahnung von der Praxis haben“, wirkungsvoll widerlegt. Anschließend werden die Projekte nach der neuen Vorgehensweise umgesetzt. Die Mitglieder des Kernteams können dabei als Coaches unterstützen.Hilfe beim Umstieg auf UMLEs steht außer Frage, dass Veränderungen ihren Preis haben. Der Umstieg auf UML ist von hoher strategischer Bedeutung für ein Unternehmen, weil die Einflüsse auf vielen Ebenen spürbar werden. Die systematische Analyse der Ist-Situation und der angestrebten Ziele ist der Ausgangspunkt für eine bewusste Entscheidung und für die Wahl der Maßnahmen. Der fundierte Aufbau von Wissen zu Methode und Tool erhöht die Sicherheit für eine erfolgreiche Einführung in die Projektarbeit.Beim Einstieg in die Projekte ist die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Projektcoach von großem Nutzen, weil dadurch die noch fehlende Routine ausgeglichen und der Lernprozess beschleunigt wird. Die Weitergabe der ersten Projekterfahrungen im Zuge eines Projektworkshops ist die effektivste Methode, um die gewonnenen Erfahrungen im Unternehmen zu vervielfachen. In der Tabelle (UML: Schritt für Schritt) sind alle Punkte nochmals zusammengefasst.

Peter Siwon ist einer der Geschäftsführer bei MicroConsult in München. MicroConsult be-gleitet Kunden in der Industrie mit Training, Coaching und Engineering für Hard- und Softwareentwickler.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 151977 / Software-Entwurf & Echtzeit-Design)