VDE-Analyse Tempo bitte – Der Weg zur Mobilität der Zukunft

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Die Mobilität der Zukunft wird vernetzt, digital und elektrisch. Aber was für technologische, regulatorische und gesellschaftliche Herausforderungen liegen vor uns und was muss getan werden um die Probleme zu lösen?

Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) hat in seinem neuen Positionspapier Bluepaper Mobility analysiert, wie der Weg hin autonomen und elektrischen Fahrzeugen beschleunigt verkürzt werden kann.
Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) hat in seinem neuen Positionspapier Bluepaper Mobility analysiert, wie der Weg hin autonomen und elektrischen Fahrzeugen beschleunigt verkürzt werden kann.
(Bild: Clipdealer)

Autonomes Fahren, Elektromobilität, Shared Mobility, Connected Car – Die Liste könnte noch um etliche Trends in der Automobilbranche ergänzt werden. Eine Flut an neuen Technologien und Möglichkeiten wird in unseren Fahrzeugen der Zukunft Einzug halten. Doch wie begegnen wir den Herausforderungen die damit einhergehen?

Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) hat in seinem neuen Positionspapier Bluepaper Mobility analysiert, wie der Weg hin autonomen und elektrischen Fahrzeugen beschleunigt verkürzt werden kann. Das Papier analysiert die noch zu erledigende Aufgaben angefangen bei der Energieversorgung über Sicherheitsaspekte bis zu neuen Geschäftsmodellen.

Das Papier, das der VDE gestern und heute auf dem Kongress Innovations(t)raum Elektromobilität 2017 in Berlin Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik präsentiert, analysiert die noch zu erledigende Aufgaben angefangen bei der Energieversorgung über Sicherheitsaspekte bis zu neuen Geschäftsmodellen. Es skizziert mögliche Lösungen und gibt Handlungsempfehlungen.

Eines ist aber sicher: Die Fahrzeuge der Zukunft werden nur dann ihre Vorteile ausspielen, wenn sie sich sowohl in Energie- als auch in Kommunikationsinfrastrukturen einbinden lassen. Und wenn alle Komponenten des Systems Elektromobilität reibungslos zusammenarbeiten. Das ist eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft.

Energie- und Ladeinfrastrukturen müssen auf den Prüfstand

Die Elektromobilität wird einen großen Einfluss auf das Energieversorgungssystem ausüben. Laut VDE-Experten würde der jährliche Endenergiebedarf des Verkehrs mit 730 TWh (Terawattstunden) die gesamte derzeitige Bruttostromerzeugung von 628 TWh übersteigen.

Deshalb muss bereits jetzt untersucht werden, ob der derzeit geplante Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugungskapazitäten für die anstehende Elektrifizierung ausreicht oder ob Nachjustierungen erforderlich sind. Gleiches gilt für die Netz- und Ladeinfrastruktur. Hier stehen insbesondere das Thema Schnelladesäulen und technisch umsetzbare und wirtschaftlich darstellbare Konzepte im Fokus.

Interoperable und sichere Gesamtlösungen sind gefragt

Um die Bereitschaft zum Umstieg auf Elektromobilität zu erhöhen, müssen intelligente Zugangs- oder Bezahlsysteme entwickelt werden, die einen barrierelosen und durchgängigen Gesamtablauf gewährleisten - auch grenzüberschreitend. So sind die Interoperabilität von Lade- und Speichertechnologien und -systemen sowie eine modulare Bauweise von Speichertechnologien wichtige Schlüssel dazu, eine überzeugende Energiebereitstellung und damit eine hohe Nutzerakzeptanz zu sichern.

Und vor allem für urbane Regionen gilt es, intelligente übergreifende und interoperable Lösungen für eine digital vernetzte Multimodalität zu entwickeln. Nur so kann eine "New Mobility" nach dem Motto "Das richtige Verkehrsmittel, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort" realisiert werden.

Vernetztes und (hoch-)automatisiertes Fahren kann ebenfalls nur dann Wirklichkeit werden, wenn anspruchsvolle Anforderungen an Daten, Analyse und Plattformen erfüllt werden. Zudem gilt es neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Offene Fragen gibt es mit Blick auf den Einsatz künstlicher Intelligenz, kooperative Fähigkeiten und Netze sowie Sicherheit und Verkehrsmanagement.

Wie bei allen digital vernetzten Lösungen gilt auch im Bereich Elektromobilität: Cyber-Sicherheit ist eine prozessuale Herausforderung, die mit höchster Priorität zu versehen ist. Zu guter Letzt hängt der Erfolg der Elektromobilität an den verfügbaren Fachkräften und Experten.

Hier fordert der VDE in die berufliche und akademische Qualifizierung von Mitarbeitern zu investieren, einheitliche und hohe Qualifikationsstandards in Ausbildung und Studium sowie moderne und dynamische Aus- und Weiterbildungskonzepte zu etablieren.

Zusammenarbeit wichtiger denn je

Das technologische Potenzial zum Durchbruch der Elektromobilität in Deutschland ist vorhanden. Genutzt werden kann es aber nur, wenn die Kooperation und Kollaboration der beteiligten Akteure weiter verbessert wird. Dringend erforderlich sind der Austausch von Know-how, die Nutzung von Synergien und die Erarbeitung konstruktiver Lösungen. Statt Grabenkämpfe empfiehlt der VDE moderierte Plattformen und die Schaffung von Akteurs-Allianzen.

"Einen wichtigen Schritt in diese Richtung machen wir heute in Berlin mit unserer Veranstaltung Innovations(t)raum Elektromobilität. Hier bringen wir die relevanten Stakeholder - von der Politik bis zum Start-up - zusammen, um gemeinsam Systemlösungen für die intelligente Einbindung der Elektromobilität in IKT-basierte ganzheitliche Logistik-, Energiemanagement- und Mobilitätskonzepte zu erarbeiten", erklärt VDE-CEO Ansgar Hinz.

Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie: "Mit dem Innovations(t)raum Elektromobilität 2017 als vierte Veranstaltung dieser Art setzen wir die Tradition einer engen branchenübergreifenden Vernetzung im Bereich der Elektromobilität fort. Es führt mehr als 100 Partner aus Wirtschaft und wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen mit dem Ziel, wirtschaftliche Konzepte der Elektromobilität in bisher wenig erprobten gewerblichen Anwendungen zu entwickeln und in Feldversuchen zu testen."

(ID:44758090)