Schnelles Internet überall: Telekom-Chef Höttges beschwört eigenen Glasfaserausbau

| Autor / Redakteur: Mit Material von dpa / Michael Eckstein

Lichtspiel: Alte Kupferleitungen auf der letzten Meile stehen dem Gigabit-Internet im Weg. Jeden Kunden per Glasfaser zu versorgen, ist jedoch sehr teuer.
Lichtspiel: Alte Kupferleitungen auf der letzten Meile stehen dem Gigabit-Internet im Weg. Jeden Kunden per Glasfaser zu versorgen, ist jedoch sehr teuer. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Bis Ende 2019 will die Telekom 95 Prozent aller deutschen Haushalte mit schnellen Internetanschlüssen versorgt haben. Allein in 2018 sollen dafür 60.000 km Glasfaserkabel verlegt werden. Die Konkurrenz durch den neuen Kabel-Quasimonopolist Vodafone drängt zur Eile.

Telekom-Chef Timotheus Höttges hat angesichts der milliardenscheren Übernahme von Unitymedia durch Konkurrent Vodafone das eigene Engagement beim Glasfaserausbau vor den Aktionären verteidigt. „Unsere Kritiker nehmen ständig das Wort Kupfer in den Mund, um uns zu diskreditieren“, sagte Höttges am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Bonn. „Aber wir investieren längst ausschließlich in Glasfaser.“ Allein in diesem Jahr verlege die Telekom 60.000 Kilometer dieser Kabel. 2017 waren es nach eigenen Angaben bereits 40.000 km. „So sind wir der Hauptträger, Hauptmotor für die Glasfasertechnologie in Deutschland.“

Höttges räumte ein, dass der Glasfaserausbau der Telekom in der Regel nur bis an die Verteilerkästen an den Straßen reiche, während auf der sogenannten letzten Meile die Daten über Kupferkabel in die Haushalte fließen. „Das stimmt“, sagte Höttges. „Fakt ist aber auch: Dadurch werden bis Ende 2019 95 Prozent aller Haushalte mit schnellem Internet versorgt sein.“ Dabei ist schnelles Internet allerdings eine Frage der Definition: Über die oft hundert Jahre alten Kupferkabel auf der letzten Meile zum Kunden lässt sich per Vectoring-Technik ein Datentempo von bis zu 250 Mbit/s herausquetschen – mehr nicht. „Bis Ende des Jahres werden 15 Millionen Haushalte damit ausgestattet sein", sagt Henrik Schmitz, VP Communication Strategy und CEO Communication der Telekom Group Headquarters. Von Gigabit-Geschwindigkeiten ist man also noch weit entfernt.

Umfassender Glasfaserausbau kann noch 15 Jahre dauern

Konkurrent Vodafone kann über das Kabelnetz derzeit bis zu 500 Mbit/s liefern – zumindest theoretisch. In der Praxis bleibt zumindest zu üblichen Stoßzeiten oft nur ein Bruchteil davon übrig. Denn das Kabel ist ein Shared Medium. Alle Haushalte in einem Netzabschnitt teilen sich die verfügbare Bandbreite. Hinzu kommt: Auch Kabelanschlüsse sind längst nicht überall verfügbar. Experten wie Betriebswirt Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen sehen Deutschland in Punkto schnelles Internet im internationalen Vergleich denn auch abgeschlagen. Ein umfassender Glasfaser-Ausbau in Deutschland würde noch mindestens 15 Jahre dauern.

Fondsmanager Ingo Speich von der Anlagegesellschaft Union Investment äußerte auf der Hauptversammlung auch allgemeine Kritik am Konzern. „Die Telekom ist derzeit eine Großbaustelle“, sagte er. Er verwies auf Milliardenabschreibungen bei der seit langem schwächelnden Großkundentochter T-Systems und auf den Rückgang beim Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten. Vor knapp einem Jahr lag der Kurs der T-Aktie noch bei mehr als 18 Euro - aktuell ist sie etwas mehr als 14 Euro wert.

Vodafone will sich Kabelnetz bundesweit sichern

Telekom-Chef Höttges reagierte auf Nachfragen der Aktionäre zur jüngst vereinbarten Übernahme vieler Unternehmensteile des Kabelnetzbetreibers Liberty Global durch den Telekom-Hauptkonkurrenten Vodafone. Weil damit auch der deutsche Anbieter Unitymedia zu Vodafone wandern würde, könnte der Konzern nach dem 18,4-Milliarden-Euro-Deal über einen Großteil der bundesweiten Fernsehkabelinfrastruktur verfügen – und darüber deutlich schnellere Breitband-Geschwindigkeiten anbieten als die Telekom. Der Übernahme müssen noch die Kartellbehörden zustimmen.

Befürworter des Kaufs argumentieren, dass dadurch die Telekom angehalten sei, auch auf der letzten Meile deutlich stärker auf Glasfaser zu setzen als bislang. „Wir lieben Wettbewerb“, betonte der Manager. „Ich möchte kein Privileg für die Deutsche Telekom, ich möchte nur einen fairen Wettbewerb für unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter in Deutschland erreichen“, sagte er mit Blick auf die Regulierung der Bundesnetzagentur.

Sprint-Übernahme in den USA noch nicht in trockenen Tüchern

Zuletzt sorgte die Telekom selbst für Schlagzeilen mit einem Milliardendeal: Nach jahrelangen Verhandlungen und mehreren Anläufen einigte sich der Konzern vor wenigen Wochen mit dem japanischen Mobilfunkanbieter Softbank auf die Übernahme von dessen US-Tochter Sprint. „Wir würden diesen Deal nicht angehen, wenn wir uns nicht eine große Chance auf ein Gelingen ausrechnen würden“, sagte Höttges am Rande der Hauptversammlung vor Journalisten. Die Zustimmung der zuständigen Behörden werde aber harte Arbeit. „Das wird ein Ritt“, sagte der Manager.

Die Telekom müsse für die Zustimmung mehrere Behörden überzeugen. Insbesondere die Rolle des Regierungsausschusses für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) sei im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA „interessant“. Der Milliardendeal in den USA werfe auch einige Fragezeichen auf, sagte Fondsmanager Speich. Am Ende könne die Telekom auf einem gewaltigen Schuldenberg sitzen bleiben, zudem sei die Marschrichtung bei der Dividende nach Erfolg der Fusion unklar.

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Naja, so pauschal kann man das eben nicht sehen. Dazu hinkt unsere Gestzgebung viel zu weit...  lesen
posted am 18.05.2018 um 15:19 von Unregistriert

Die T-KOM sollte endlich an anfangen gleich Glasfaser zu verlegen , anstatt die...  lesen
posted am 17.05.2018 um 19:10 von Unregistriert


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