Führungswechsel bei Intel Technologischer Umbruch: Pat Gelsinger löst Robert Swan als Intel-CEO ab

Redakteur: Sebastian Gerstl

Vor zwei Jahren hatte Robert Swan den jahrelangen Intel-CEO Brian Krzanich an der Spitze des Unternehmens abgelöst. Nun kommt ein neuerlicher Führungswechsel: Ab dem 15. Februar soll der Industrieveteran Pat Gelsinger die Geschicke des Chipriesen übernehmen. Er soll die technologische Innovation und das Engineering-Knowhow bei Intel neu beflügeln.

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Industrieveteran Pat Gelsinger, zuletzt CEO von VMware, wird Robert Swan zum 15. Februar an als CEO von Intel ablösen. Seine Aufgabe soll es sein, den Chipriesen wieder auf einen neuen technologischen Innovationskurs zu führen.
Industrieveteran Pat Gelsinger, zuletzt CEO von VMware, wird Robert Swan zum 15. Februar an als CEO von Intel ablösen. Seine Aufgabe soll es sein, den Chipriesen wieder auf einen neuen technologischen Innovationskurs zu führen.
(Bild: Intel)

Intels Aufsichtsrat hat Pat Gelsinger zum 15. Februar 2021 zum neuen CEO des Unternehmens ernannt. Gelsinger, der auf eine 40-jährige Karriere innerhalb der Techindustrie zurückblicken kann, soll Robert Swan ablösen, der zwei Jahre lang die Geschicke des Chipherstellers leitete. Swan selbst wird zum 15. Februar als CEO zurücktreten.

Der 59-jährige Gelsinger hatte als 18-jähriger seine Karriere in der Techbranche bei Intel begonnen. Nach einer fast 30-jährigen Laufbahn war er dort zuletzt als General Manager der Digital Enterprise Group tätig, eher er das Unternehmen 2009 verließ. In seiner Zeit bei Intel bekleidete er unter anderem zwischenzeitlich die Funktion des CTO und zeichnete sich für die Beteiligung an Industriestandard wie USB und Wi-Fi mit verantwortlich. Gelsinger gilt zudem als Architekt der 80486-Prozessorfamilie, leitete 14 verschiedene Mikroprozessorprogramme bei Intel und spielte eine Schlüsselrolle bei den Core- und Xeon-Familien. Nach seiner Zeit beim industrieführenden Chipunternehmen durchlief der unter anderem Stationen bei Google und als COO des Datenspeicherherstellers und heutigen Dell-Tochter EMC. 2012 wechselte er als CEO zum ebenfalls zum Dell-Konzern zugehörigen Cloudcomputing- und Virtualisierungsexperten VMware.

Der Druck auf Swan hatte sich erhöht

Anders als Robert Swan, der zuvor als CFO bei Intel tätig war, ehe er im Januar 2019 die Vakanz des zurückgetretenen Brian Krzanich füllte, gilt Gelsinger als erfahrener Veteran der Techindustrie mit handfester Erfahrungen in fortschrittlichen technischen Entwicklungen. Swan war zuletzt unter Druck geraten, da Intel immer weiter hinter seinen Plänen für neue Fertigungsprozesse zurückgefallen war. Auch die Konkurrenz im Prozessorgeschäft als auch im Servermarkt hat sich verschärft, hier haben vor allem AMD und NVIDIA in den letzten beiden Jahren gegenüber Intel enorm zugelegt.

Gerüchte aus Südkorea sagten, dass Intel überlege, neue Chiptechnologien gegebenenfalls mit Samsung zu entwickeln - während Intel noch mit seiner 7nm-Technologie kämpft, produzieren die Südkoreaner bereits Testchips im 5nm-Verfahren. Zuletzt wurde bekannt, dass Intel künftig in der Fertigung von High-End-Chips mit TSMC (Taiwan Semiconductor) zusammenarbeiten will.

In der Industrie hatten sich zunehmend kritische Stimmen zu der Intel-Führung unter Robert Swan geäußert. Erst vergangene Woche hatte T.J. Rogers, der Gründer und ehemalige CEO des von Infineon gekauften Chipunternehmens Cypress, gegenüber CNBC das aktuelle Intel-Management harsch abgekanzelt und explizit nach einem Austausch der Führungsspitze verlangt. Intel habe das Kerngeschäft mit Servern technologische Entwicklung zugunsten von Sorgen über Dinge wie CO2-Footprint und Diversitätsproblemen aus den Augen verloren - was er explizit auch auf einen Mangel an technischer Erfahrung im Management zurückführte. „Sie [Intel] brauchen einen neuen CEO“, fügte er hinzu, „und der CEO muss technisch sein. Sie müssen jemanden bekommen, der von der technischen Gemeinschaft respektiert wird.“ Rogers verwies mit dieser Forderung explizit auch auf die amtierende AMD-Geschäftsführerin Dr. Lisa Su, die als Ingenieurin anerkannt ist, einen Doktortitel besitzt und, so Rogers, „auch ein guter CEO ist“.

Auch firmenintern hatte sich der Druck auf Swan zuletzt erhöht. Ende Dezember hatte sich zudem der Hedge-Fund Third Point bei Intel eingekauft und Wirtschaftsmedien zufolge einen Richtungswechsel im Unternehmen verlangt.

Technologische Erfahrung und Engineering-Knowhow gefragt

„Nachdem ich meine Karriere bei Intel begonnen und zu den Füßen von Grove, Noyce und Moore gelernt habe, ist es mir ein Privileg und eine Ehre, in dieser Führungsposition zurückzukehren“, sagt Gelsinger indes zu seiner anstehenden neuen Aufgabe. „Ich habe große Hochachtung vor der reichhaltigen Geschichte des Unternehmens und den leistungsstarken Technologien, die die digitale Infrastruktur der Welt geschaffen haben.“

Auch im Intel-Verwaltungsrat scheint man stärker an jemandem mit Erfahrung bei technischer Innovation interessiert zu sein. „Pat ist eine bewährte Führungspersönlichkeit im Technologiebereich mit einer herausragenden Erfolgsbilanz in den Bereichen Innovation, Talententwicklung und einer tiefen Kenntnis von Intel. Er wird einen wertebasierten kulturellen Führungsansatz mit einem Hyperfokus auf die operative Ausführung fortsetzen“, sagte Omar Ishrak, unabhängiger Vorstandsvorsitzender von Intel. „Nach sorgfältiger Abwägung ist der Vorstand zu dem Schluss gekommen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Führungswechsel ist, um in dieser kritischen Phase der Transformation bei Intel von Pats Technologie- und Engineering-Know-how zu profitieren. Das Board ist zuversichtlich, dass Pat zusammen mit dem Rest des Führungsteams eine starke Umsetzung von Intels Strategie sicherstellen wird, um seine Produktführerschaft auszubauen und die bedeutenden Chancen zu nutzen, die sich im Zuge der Transformation von einem CPU- zu einem Multi-Architektur-XPU-Unternehmen ergeben.“

Intel wird am 21. Januar 2021 die jüngsten Quartalszahlen bekanntgeben. Das Unternehmen beteuert, dass der Führungswechsel nichts mit der anstehenden Veröffentlichung dieser Zahlen zu tun habe. Man rechne damit, dass die Umsätze die Erwartungen übertreffen, was vor allem an einem in der Corona-Pandemie gut laufenden Server-Geschäft liegt. Bei den 7nm-Fertigungsprozessen mache man indes „starke Fortschritte“.

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