Technologiebeschleuniger Tech-Start-ups

| Autor: Victoria Sonnenberg

Über die Technik hinaus setzt das Elektroauto e.GO Life neue Maßstäbe in Sachen Fahrspaß.
Über die Technik hinaus setzt das Elektroauto e.GO Life neue Maßstäbe in Sachen Fahrspaß. (Bild: e.GO Mobile AG)

Sollte man sie kaufen oder doch lieber eine Partnerschaft mit ihnen anstreben? Der Marktwert von Tech-Start-ups steht hoch. Die jungen Wilden sind in Zeiten von Industrie 4.0 und Digitalisierung – in denen verschiedene Bereiche erstmals aufeinandertreffen – ins Bewusstsein gerückt.

Ein Start-up sollte innovativ sein, den Nerv der Zeit treffen und in eine vielversprechende Marktlücke zielen. Wie schnell das gehen kann, zeigt ein etwas unkonventionelles, weniger – um nicht zu sagen überhaupt nicht – technisches Beispiel, das aktuell als Beweis der Durchschlagskraft eines Start-ups herhalten soll. Die Rede ist von der französischen Partei La République en Marche, ihr voran der Sozialdemokrat Emmanuel Macron, im Handelsblatt als Start-up-Pionier des Jahres betitelt. Die Partei ist keine zwei Jahre alt und stellt seit Mai mit ihrem Gründer Macron den Staatspräsidenten Frankreichs. Nicht passender könnte der Name der Partei sein, zu Deutsch: Die Republik in Bewegung, um die Bedeutung von Start-ups auf den Punkt zu bringen. Denn auch ohne „Bewegung“ im Namen stehen sie genau dafür: für Agilität, Unabhängigkeit und Innovation. Was in Frankreich genau der richtige Zeitpunkt war, um den Staub abzuputzen und neue Wege zu wagen, ist in der Industrie bereits seit einiger Zeit ebenfalls als Trend zu beobachten. Unternehmen können mit der Unterstützung durch Start-ups wagemutiger werden, neugieriger und vor allem befinden sie sich somit in der glücklichen Lage, neue Technologien schneller voranzubringen, um so wettbewerbsfähig zu bleiben.

Als neugieriger Vorbildfunktionär hat der Laser- und Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf 2015 mit Tru Connect und Axoom im Start-up-Business Eindruck gemacht. Dass die zukunftsweisende und auf Industrie 4.0 zugeschnittene Technologieplattform Erfolg versprechend sein würde, orakelte bereits wenige Monate nach dem Start der Sieg des Innovationspreises Deutsche Industrie 2015. Mit Tru Connect hat Trumpf ein Konzept entwickelt, das gerade kleine und mittlere Unternehmen schrittweise auf dem Weg zur vernetzten Fertigung begleiten soll. Tru Connect war das erste System, das alle Prozesse entlang der Wertschöpfungskette in einer Anwendung abbilden konnte. Bei sinkenden Losgrößen und steigender Variantenvielfalt ein willkommenes Tool, um den Überblick und die Kosten im Griff zu behalten. Mithilfe der digitalen Geschäftsplattform Axoom lassen sich alle Schritte in der Wertschöpfungskette eines Fertigungsunternehmens vernetzen. Die gesammelten Daten werden zentral gespeichert und alle umgebenden Prozesse wie Bestellung, Produktionsplanung, Konstruktion, Wartung und Auslieferung systematisiert, vereinfacht und miteinander verbunden.

„Für uns steht fest, dass wir die Smart Factory nicht Dritten überlassen werden, sondern die digitale Vernetzung selbst in die Hand nehmen“, erklärte Trumpf-Chefin Leibinger-Kammüller zum damaligen Zeitpunkt den Schritt mit Axoom. Digitalisierung erfordert ein aktives Mitwirken, das sich je nach Unternehmensgröße mal einfacher, doch erfahrungsgemäß oft doch schwieriger gestaltet. „Etablierte Unternehmen haben oft ein Problem: Sie denken häufig nur in den eigenen Grenzen, nicht auch einmal disruptiv oder innovativ – sie betrachten die Probleme nicht von außen. Start-ups dagegen agieren freier und innovativer, weil sie frei von einer Historie die Dinge betrachten und neu denken können“, sagt Christian Sprinkmeyer, Leiter des Gründerzentrums der RWTH Aachen University. Den Anfragen an das TGZ ist dabei fast immer eines gemein: Es steckt immer eine geniale Idee oder ein innovatives Produkt dahinter. Wobei es dann aber oftmals hakt, ist der Weg zum wirtschaftlichen Erfolg. Da kommt dann das TGZ mit seiner kaufmännischen Beratung ins Spiel, das beispielsweise einen Finanzplan erstellt und dabei hilft, Finanzierungswege zu finden, wie Fördermittelprojekte oder Investoren. Ob man überhaupt zusammenpasst und eine Unterstützung möglich beziehungsweise sinnvoll ist, entscheidet ein kostenloses Erstgespräch. Denn die Zusammenarbeit ist an die Bedingung geknüpft, dass das Produkt einen technologischen und innovativen Charakter hat.

Batterie mit Gehirn

Dabei kommen einige Gründer selbst aus der Aachener RWTH-Schmiede und profitieren von der günstigen Infrastruktur und dem Zugang zum eigenen Institut. So auch die drei Gründer der sogenannten Gridbox, die mit ihr ein intelligentes Energiemanagement entwickelt haben. Die herkömmliche Batterie ohne Intelligenz lädt sich tagsüber voll und entlädt sich daraufhin wieder im Haus oder in das Stromnetz, was zur Überlastung und zu Strafzahlungen führen kann. Wohingegen die intelligente Box ihre Batteriekapazität am Strommarkt anbietet; das heißt, wenn zu viel Strom im Netz ist, dann kann die Batterie über dieses Gerät vollgeladen werden, wenn zu wenig Strom im Netz ist, dann kann die Box die Batterie entladen und den Strom in das Netz abgeben.

Im Bereich der Elektromobilität wurden ebenfalls bereits große Erfolge in Aachen verbucht. So wurde der sogenannte Streetscooter entwickelt, ein reines Elektroauto inklusive Ladefläche. Irgendwann zeigte die Deutsche Post großes Interesse daran, mit der Lösung Pakete auszuliefern. Man ist dann mit dem Start-up eine Kooperation eingegangen und hat es letzten Endes gekauft. Deutschlandweit liefert die Post bereits mit knapp 3000 Elektroautos von der RWTH-Aachen die Post aus. Laut Pressesprecher soll die Zustellflotte im Brief- und Paketbereich (circa 47.000 Fahrzeuge) mittelfristig auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden.

Die Post wird Automobilhersteller

Dabei gab es eine so starke Nachfrage von dritten Externen, dass die Post kurzerhand in die Automobilindustrie einsteigt und selbst Hersteller wird. Man hat sich dazu entschieden, die Autos nicht nur für die eigenen Zwecke zu produzieren, sondern auch an Dritte zu verkaufen. Analog dazu wurde in Aachen auch ein Elektroauto für den Personenverkehr entwickelt, und das ebenfalls sehr erfolgreich. Seit Ende Mai kann man den kleinen Stadtflitzer nun vorbestellen und es gibt bereits über 600 Vorbestellungen. Das Interesse ist riesig. Die e.GO Mobile AG, mit Sitz auf dem Aachener Campus, entwickelt ein besonders kostengünstiges Elektrofahrzeug. Die Produktionsforscher um Prof. Günther Schuh, Geschäftsführer des Start-ups, zeigen, dass mit Industrie 4.0 hochiterative Entwicklungsprozesse und eine besonders kostengünstige Prototypen- und Kleinserienproduktion möglich sind. Das junge Unternehmen beteiligt sich gemeinsam mit universitären und industriellen Partnern an Förderprojekten, die die Forschung und Entwicklung zukunftsweisender Technologien verfolgen. Führendes universitäres Know-how wird auf diese Weise mit der industriellen Praxis verbunden und soll nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit des Entwicklungs- und Produktionsstandorts Deutschland sichern.

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