Technologie-Start-ups: Autobauer auf Einkaufstour

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Bis Anfang September diesen Jahres sind die führenden Hersteller bei 52 überwiegend jungen Tech-Firmen eingestiegen, die sich im Mobilitätssektor positionieren. 2016 lag die Zahl der Risikokapitalinvestitionen erst bei 41.
Bis Anfang September diesen Jahres sind die führenden Hersteller bei 52 überwiegend jungen Tech-Firmen eingestiegen, die sich im Mobilitätssektor positionieren. 2016 lag die Zahl der Risikokapitalinvestitionen erst bei 41. (Bild: Gemeinfrei / CC0)

Eine internationale Analyse zeigt einen Boom bei Partnerschaften und Beteiligungen der Autobauer in Technologie-Start-ups. Doch wohin die Reise mit den eingekauften Unternehmen gehen soll, ist oftmals unklar.

Automobilbauer setzen verstärkt auf Beteiligungen und Partnerschaften, um den Zugriff auf Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren und umweltfreundliche Antriebe zu sichern. Ein internationales Ranking der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt einen sprunghaften Anstieg der Corporate Venture Capital (CVC)-Aktivitäten im ersten Halbjahr 2017.

Über die vergangenen Jahre haben sich die deutschen Hersteller BMW und Daimler unter den Top-3-Investoren weltweit platziert – neben dem US-Hersteller GM. Doch die Analyse zeigt auch Handlungsbedarf auf, denn viele Autobauer investieren wenig fokussiert – und laufen so Gefahr, dass ihr finanzieller Einsatz an zu vielen Stellen verpufft.

Der Druck auf die Autohersteller wächst außerdem, weil kapitalstarke Unternehmen aus mehreren technologiegetriebenen Branchen wie IT und Telekommunikation in den Mobilitätssektor drängen. Die klassischen Automobilbauer drücken aufs Tempo, um nicht bei neuen Technologien abgehängt zu werden. Bis Anfang September diesen Jahres sind die führenden Hersteller bei 52 überwiegend jungen Tech-Firmen eingestiegen, die sich im Mobilitätssektor positionieren.

Die Berater von Oliver Wyman haben in der Analyse die Beteiligungsstrategien von zwölf Marken untersucht – darunter BMW, Daimler, Volkswagen und Audi aus Deutschland. 2016 lag die Zahl der Risikokapitalinvestitionen erst bei 41. Schon das bedeutete einen Zuwachs von fast 150 Prozent gegenüber 2015.

Mit zusammen gut 70 Prozent bilden Mobilitätsdienstleistungen (32%), Green Vehicles (22%) – dazu zählen beispielsweise Fahrzeuge mit Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb – sowie vernetzte und autonome Fahrzeuge (16%) den Schwerpunkt. „Die Hersteller haben erkannt, dass sie ihren Einsatz auf diesen Zukunftsfeldern erhöhen müssen und sie handeln zunehmend“, sagt Andreas Nienhaus, Principal bei Oliver Wyman.

Allerdings fehlt den Beteiligungsstrategien vieler Autobauer eine klare Ausrichtung: „Man sieht aktuell, dass viele Hersteller noch unsicher sind, wo die Reise hingeht. Budgets werden häufig nach dem Gießkannenprinzip verteilt“, sagt Matthias Bentenrieder, Partner bei Oliver Wyman. „OEMs müssen stärker die für sie wichtigen Technologien ermitteln und gezielter tätig werden.“

Das gelte vor allem, weil die Zielunternehmen reifer und damit teurer werden. „In der aktuellen Breite werden sich die Investitionen nicht dauerhaft aufrechterhalten lassen.“ Erste Hersteller haben das erkannt: Daimler beispielsweise investiert massiv in den Bereich Mobility Services, während GM den Einstieg bei Techniklieferanten für nachhaltige Fahrzeuge in den Mittelpunkt gerückt hat. „Günstig kann es zudem sein, sehr junge Firmen in eigenen Inkubatoren zu unterstützen“, sagt Bentenrieder.

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