Urbane Mobilität TechMatch: Hopper ist Sieger des TI-Startup-Wettbewerbs

Redakteur: Kristin Rinortner

Acht Startups traten beim virtuellen Event „TechMatch Live“ des Halbleiterherstellers Texas Instruments Ende März 2021 in spannenden Kurzpräsentationen gegeneinander an. Zum Sieger wurde Hopper Moblity für sein Konzept „Hopper“ zur urbanen Mobilität gekürt.

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TechMatch Live: Hopper Mobility gewinnt den Startup-Wettbewerb von Texas Instruments mit einem Fahrrad-Auto. Sichtlich überrascht, aber umso mehr erfreut war Präsentator Martin Halama (links) nach der Entscheidung der Jury: „Das kommt absolut unerwartet, wir haben noch nie einen Preis gewonnen."
TechMatch Live: Hopper Mobility gewinnt den Startup-Wettbewerb von Texas Instruments mit einem Fahrrad-Auto. Sichtlich überrascht, aber umso mehr erfreut war Präsentator Martin Halama (links) nach der Entscheidung der Jury: „Das kommt absolut unerwartet, wir haben noch nie einen Preis gewonnen."
(Bild: TI)

Die teilnehmenden acht Startups präsentierten zunächst ihre Hardware-Projekte in zweiminütigen Pitches und stellten sich im Anschluss den Fragen einer Expertenjury. Mit dabei waren: HKK Bionics, Li.plus, Hybrid Lidar Systems, BRC Solar, Dryad Networks, Hopper Mobility, Futuro Farming und Augmented Robotics.

Die breite Palette der Ideen reichte von der Kombination Spielzeug und Augmented Reality über die Überwachung der Vitalparameter bei Kälbern, Batteriespeicher-Test und die Optimierung von PV-Modulen bis zu einer neuen Lidar-Generation und Elektrofahrzeugen.

Zum Gewinner wählte die Jury schließlich das Startup Hopper Mobility, das die urbane Mobilität revolutionieren will. Den zweiten Platz sicherte sich Dryad mit einem Frühwarnsystem für Waldbrände. Knapp dahinter auf dem dritten Platz folgte HKK Bionics mit einer Hightech-Orthese, die Personen mit Handlähmungen neue Mobilität ermöglicht. Zu gewinnen gab es Preise im Gesamtwert von mehr als 20.000 Euro.

Die Expertenjury, bestehend aus Vertretern von TI, Würth Elektronik, Asteelflash, dem Digitalen Zentrum Schwaben und Elektronikpraxis nahm die Startups genau unter die Lupe und stellte ihnen Fragen zur Technik, ihren Business Cases und Go-to-Market-Strategien.

Die Entscheidung fiel nicht leicht, da alle Startups sehr innovative Ideen und durchdachte Applikationen präsentierten. Neben den von der Jury gewählten Gewinnern bekam außerdem das Publikum die Möglichkeit, einem Startup den Zuschauerpreis zu übergeben. Den Zuschlag der Zuschauer erhielt Dryad, auf den Plätzen folgten Augmented Robotics und Li.plus.

Urbane Verkehrswende: Elektro-Lastenfahrrad in Autoform

Platz 1: Das Augsburger Startup Hopper Mobility hat ein Fahrzeug für die Stadt entwickelt: Den Hopper, einen Hybrid aus Auto und E-Bike mit Solarpanel. Das ist quasi ein Lastenrad in Autoform, wie Präsentator Martin Halama erklärt, das fünf Mal weniger als ein Elektroauto kostet.

Hopper: Dank der Überdachung und zweier Fronträder bleiben die Insassen bei jedem Wetter trocken und das Fahrrad-Auto stets in der Spur. Neben dem/der Fahrenden können auf der Rückbank eine weitere Person (oder zwei Kinder) sitzen. Zudem bietet ein Kofferraum Platz für Gepäck (70 Liter, bei verschobener Rückbank sogar 220 Liter).
Hopper: Dank der Überdachung und zweier Fronträder bleiben die Insassen bei jedem Wetter trocken und das Fahrrad-Auto stets in der Spur. Neben dem/der Fahrenden können auf der Rückbank eine weitere Person (oder zwei Kinder) sitzen. Zudem bietet ein Kofferraum Platz für Gepäck (70 Liter, bei verschobener Rückbank sogar 220 Liter).
(Bild: Martin Halama / Hopper Mobility GbR)

Durch die Kombination aus Elektromotor und Tretantrieb produziert das Dreirad laut Halama 97 Prozent weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu einer Stadtfahrt mit einem herkömmlichen PKW. Zusätzlich reduziere das Fahrrad-Auto die Feinstaub- und Lärm-Belastung erheblich. Und auch die Parksituation entschärft sich durch die geringere Fahrzeuggröße.

Eine Ladeinfrastruktur wird nicht benötigt. Die Batterie ist herausnehmbar und lässt sich zuhause bequem laden. Der Hopper schafft Geschwindigkeiten bis zu 25 km/h bei einer Reichweite von 60 bis 120 km und darf auf Radwegen und Straßen fahren. Das Fahrrad-Auto ist überdacht, bietet Platz für Fahrer und Beifahrer und wird mit einem Lenkrad gesteuert. Im Mai 2021 sollen die ersten Prototypen auf den Markt kommen.

Waldbrand-Früherkennung: LoRaWAN, Energy Harvesting, Brandssensoren

Platz 2: Carsten Brinkschulte präsentierte für das Berliner Startup Dryad Lösungen zur Brandfrüherkennung sowie für die Überwachung des Mikroklimas und des Wachstums des Waldes auf Basis eines LoRaWAN-Netzwerkes.

Eine spezielle verteilte Architektur des Funknetzwerkes (ein sogenanntes Mesh Gateway) ermöglicht großflächige Einsätze in Gebieten ohne bestehende Netzabdeckung. Die im Netzwerk gesammelten Daten werden mit Cloud-basierten Big-Data-Tools für Analysen, Überwachung und Alarmierung (bis auf 10 Meter genau) verarbeitet.

Das Waldbrand-Frühwarnsystem erkennt über einen vom Unternehmen entwickelten zweistufigen Sensor Rauchgase und Wasserstoff bereits in der Schwelbrand-Phase und trägt so dazu bei, dass Waldbrände sehr zeitig detektiert und schnell bekämpft werden können. Pro Quadratkilometer Wald werden in etwa 20 Knoten 1000 Sensoren installiert.

Eine Solarzelle und ein SuperCap dienen zur Energieerzeugung und -Speicherung mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Das Alarm-Funksignal wird nur ausgesendet, wenn eine Warnung der Gassensoren vorliegt.

Daneben lässt sich mittels weiterer kommerzieller Sensoren (Temperatur, Luftfeuchte und Luftdruck) die Vitalität und das Wachstum des Waldes einfach überwachen. Die Zuschauer waren von dieser Idee so begeistert, dass Dryad zusätzlich den Publikumspreis erhielt.

Bionische Hand-Orthese: 3D-Druck, EMG-Sensoren und FEM-Optimierung

Platz 3: Das Spin-off der Hochschule Ulm, HKK Bionics, hat sich zum Ziel gesetzt, bewegungseingeschränkten Menschen zu neuer Lebenskraft und Mobilität zu verhelfen. Deshalb entwickelte das Team mit „exomation hand one“ eine bionische Hand-Orthese, die die Greiffunktion z. B. nach einem Motorrad-Unfall wiederherstellt. Alle Orthesen werden mittels 3D-Druck (SLS) genau an ihren Träger angepasst.

Ein EMG-Sensor (Elektromyographie = Muskelaktionsströme) steuert die Orthese intuitiv über Impulse eines aktiven Muskels und ermöglicht nach einer Lernphase beim Orthopäden über ein separates Steuergerät das gezielte Öffnen und Schließen jedes einzelnen Fingers. Die mittels FEM-Simulation (Ansys) optimierte, sehr leichte Orthese sei weltweit einmalig, erklärt CEO Dominik Hepp.

In Zusammenarbeit mit Sanitätshäusern werden Patienten auf Rezept mit individuell auf deren anatomische und motorische Bedürfnisse abgestimmten, aktiven Orthesen versorgt. So können fehlende körperliche Fähigkeiten und die damit verbundenen, funktionellen Einschränkungen bestmöglich ausgeglichen werden.

Ziel der Orthesen ist es, dem Patienten die selbständige Teilnahme am alltäglichen Leben erheblich zu erleichtern. Denn weniger Bewegungseinschränkung bedeutet mehr Freiheit.

„Wir wollen Bayern zur Top Startup-Region in Europa machen“

Nach der Preisverleihung erläuterte Dr. Maika Gruber vom Bayrischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie die guten Voraussetzungen für Gründer in Bayern. „Bayern bietet Gründern ideale Bedingungen, um ihre Ideen zu verwirklichen. Hier wird ihnen ein starkes Ökosystem von Investoren, Inkubatoren, Accelerator-Programmen und Unternehmen geboten.“

Zudem lassen sich schnell Verbindungen mit der Forschung an Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen herstellen. Seit 2015 wurden in Bayern mehr als 314 Millionen Euro in Startups investiert. Und das aus gutem Grund: „Wir wollen Bayern zur Top Startup-Region in Europa machen“, so Gruber.

„Bei TI wollen wir Startups die bestmögliche Unterstützung geben, um gemeinsam zu wachsen. Daher ist es wichtig, dass wir Startups von Beginn an fördern. Das beinhaltet auch gegenseitig voneinander zu lernen um Innovationen gemeinsam voranzutreiben. Ich bin begeistert vom Pioniergeist und den tollen Ideen, die unsere Startups heute mitgebracht haben“ sagt Matthias Knaup, Area Director Industrial Central Europe bei Texas Instruments.

Was ist das TechMatch-Programm?

Das Event TechMatch Live ist Teil des Startup-Programms TechMatch des Halbleiter Herstellers Texas Instruments. Ralf Hermann, Regional Manager Mass Market Germany, betreut das Programm auf dem deutschen Markt und gibt Einblick, warum sowohl Unternehmen, als auch Startups von einer Zusammenarbeit profitieren.

Ralf Herrmann, TI: „Das TechMatch-Programm hilft jungen, vielversprechenden Startups, schneller zu wachsen. Wir unterstützen Startups sowohl mit unserem technologischen Knowhow als auch mit Komponenten, welche für den Bau ihrer Prototypen benötigt werden.“
Ralf Herrmann, TI: „Das TechMatch-Programm hilft jungen, vielversprechenden Startups, schneller zu wachsen. Wir unterstützen Startups sowohl mit unserem technologischen Knowhow als auch mit Komponenten, welche für den Bau ihrer Prototypen benötigt werden.“
(Bild: TI)

„Das TechMatch Programm hilft jungen, vielversprechenden Startups, schneller zu wachsen. Wir bei TI betreuen weltweit Startups bereits in frühen Phasen, um ihre Hardwareinnovationen weiter voranzutreiben. Gerade in der aktuellen, herausfordernden Situation können Startups von unserem Programm profitieren, denn aktuell ist ein starker Partner wichtiger denn je. Wir unterstützen Startups sowohl mit unserem technologischen Knowhow als auch mit Komponenten, welche für den Bau ihrer Prototypen benötigt werden“, erklärt Hermann.

Welche Vorteile ergeben sich durch die Zusammenarbeit großer Unternehmen und Startups?

„Innovation ist die Basis für den Erfolg jedes Unternehmens. Durch die Zusammenarbeit mit Startups sind wir am Puls der technologischen Innovation und können frühzeitig vielversprechende Lösungen identifizieren und unterstützen“, führt Hermann weiter aus.

Mit der Expertise helfe TI Startups dabei, ihre Produkte schneller zu skalieren. Viele seine sich nicht darüber bewusst, wie steinig der Weg von einem Proof of Concept bis in die Serienproduktion sein könne. Für den kommerziellen Erfolg ist die Wahl des richtigen Partners entscheidend. Hier setze das TechMatch-Programm an.

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