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Tech-Aprilscherze 2020: 1. April wegen Krankheit abgesagt?

| Autor: Sebastian Gerstl

Kein Google-Aprilscherz im Jahr 2020: Der Suchmaschinenriese ließ seine populären Gags in diesem Jahr ausfallen. Als Grund gilt die aktuelle Covid-19-Pandemie. Andere ließen sich nicht beirren, denn gerade in so düsteren Zeiten tut ein netter Scherz oder Lacher gerade gut.

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(Bild: ©dolphfyn - stock.adobe.com )

Ein Aprilscherz zum 1. April, in Form einer augenzwinkernden Produktankündigung oder überzogener Statements, gilt eigentlich auch in den Weiten des Internets als Tradition. Gerade Google und der Alphabet-Konzern taten sich hier durch ihre Spielereien hervor. So verwandelte Google Maps in der Vergangenheit seinen Kartendienst in eine kleine Partie Snake oder ließ Pac-Man durch die Straßen wandern. An anderer Stelle bewarb Google Translate einen Übersetzungsdienst für Tulpen oder mit Google Gnome einen Smarten Gartenzwerg-Assistenten für die Grünfläche.

2020 war damit allerdings – vorerst – Schluss: In einer internen Email, über die Business Insider berichtete , kündigte Googles Marketing-Chefin Lorraine Twohill an, dass man sich in diesem Jahr eine Auszeit gönne. Als Grund wurde angeführt, dass man Respekt zeigen wolle vor all jenen, die derzeit aktiv die Covid-19-Pandemie bekämpfen, und die aufgrund der vielen Falschmeldungen, die vor allem in Sozialen Medien kursieren, gerade eine besonders schwere Zeit durchmachten.

„Unser oberstes Ziel ist es jetzt, den Menschen zu helfen,“ schreibt Twohill, „also sparen wir uns die Witze für den nächsten April, der zweifellos viel heiterer sein wird als der diesjährige“. Immerhin: Der Snake-Aprilscherz aus dem vergangene Jahr ist weiterhin unter snake.googlemaps.com abrufbar. Wer immer noch in Google Pac-Man spielen möchte, kann einfach Pac-Man in die Suchmaske bei Google eingeben. Und auch der Breakout-Klon, der sich in der Google-Bildersuche versteckt, funktioniert immer noch.

Google stand mit dem Verzicht auf Aprilscherze nicht allein. Der US-Ableger des Mobilfunkanbieter T-Online, sonst auch nicht um Scherze wie die Wiedereinführung der Telefonzelle nicht verlegen, sah in diesem Jahr von einem Aprilscherz ab. Unter dem Hashtag #GiveThanksNotPranks rief der Konzern Twitternutzer dazu auf, keine Falschmeldungen zu verbreiten, sondern sich lieber bei all jenen zu bedanken, die in der aktuellen Corona-Krise Menschen helfen. Amazon und Microsoft hatten dagegen bereits 2019 beschlossen, sich öffentlich nicht mehr weiter mit Aprilscherzen zu befassen. Und auch generell schien auf Twitter die Verbreitung von Aprilscherzen auf wenig Resonanz zu stoßen.

Tatsächlich war vielen Unternehmen, aber auch Regierungsvertretern an diesem 1. April wenig nach Scherzen zumute. Fake News und Falschmeldungen rund um den aktuellen Coronavirus Sars-CoV-2 machen weltweit Behörden und Helfern das Leben schwer. Das deutsche Bundesgesundheitsministerium mahnte, dass Corona kein Scherz sei und man deswegen bitte zum 1. April auf erfundene Meldungen rund um das Virus verzichten möge.

Die Nachricht scheint nicht beim Standesamt Erfurt angekommen zu sein: Dort meldete man als Aprilscherz, dass man wegen der lautmalerischen Nähe zu Corona fortan die Namen „Carola“ und „Corina“ als Vornamen verbiete, da die Verwechslungsgefahr einfach zu groß sei. Ein Scherz, der inden Sozialen Medien nicht gerade positiv aufgenommen wurde.

In Deutschland mag man so etwas einfach nur lustig oder nicht lustig finden, man verstößt damit aber wenigstens nicht gegen das Gesetz. In anderen Ländern versteht man dagegen gar keinen Spaß, wenn es um Corona geht: Thailand stellte das Verbreiten von Aprilscherzen, ebenso wie Falschmeldungen zu Covid-19, per Gesetz unter Strafe.

Corona ist kein Scherz: Den Aprilspaß des Erfurter Standesamts, dass man aufgrund der Ähnlichkeit zu Corona die Vornamen Carola und Korina verbieten wolle, kam bei Twitternutzern nicht besonders gut an.
Corona ist kein Scherz: Den Aprilspaß des Erfurter Standesamts, dass man aufgrund der Ähnlichkeit zu Corona die Vornamen Carola und Korina verbieten wolle, kam bei Twitternutzern nicht besonders gut an.
(Bild: Stadtverwaltung Erfurt )

Anders als in den Vorjahren hat das Netz also in diesem Jahr nicht so sehr mit cleveren oder originellen Tech-Aprilscherzen gebrummt. Der Gag, dass der 1. April in diesem Jahr aufgrund der weltweiten Gesundheitslage komplett abgesagt werde, verbreitete sich in mehreren Variationen - wenngleich viele das auch als ernstgemeinten Aufruf verstanden. Aber einige nette Aprilscherze gab es dann doch….

Von Quantencomputern zu Hause und Tesla-Smartphones im Weltall

Auch wenn einem aufgrund er aktuellen Lage wenig zu Lachen zu mute scheint, bei der Elektronikpraxis wollten wir nicht auf den Aprilscherz verzichten. Denn gerade wenn die Zeiten düster sind, braucht man etwas Amüsantes zur Aufheiterung, fanden wir. Den meisten Lesern ist es sicher aufgefallen, aber die Meldung zur Crowd-Computing-Aktion „QuantHome“ war eine Ente – weder gibt es eine königliche Universität Oppdiktet, noch den Quantencomputer-Forscher Dr. Lars Zirpech, dessen Name übrigens ein Anagramm von „Aprilscherz“ ist.

Start der Apollo-V-Rakete, die die Mondlandemission Apollo 11 ins All beförderte. Da sich der Start des Space Launch Systems bis ins Jahr 2024 verzögert hat und die Kosten außer Kontrolle gerieten, erwäge die NASA, die 50 Jahre alten Staurn-V-Raketen wieder in Dienst zu stellen, meldete The Register zum 1. April.
Start der Apollo-V-Rakete, die die Mondlandemission Apollo 11 ins All beförderte. Da sich der Start des Space Launch Systems bis ins Jahr 2024 verzögert hat und die Kosten außer Kontrolle gerieten, erwäge die NASA, die 50 Jahre alten Staurn-V-Raketen wieder in Dienst zu stellen, meldete The Register zum 1. April.
(Bild: NASA )

Einen Schmunzler hatten auch die Kollegen von der IT-Business auf Lager: Wie das Onlineportal meldete, habe Tesla-CEO Elon Musk nach seinen Nebenaktivitäten mit Flammenwerfen (The Boring Company) und Raumfahrt (SpaceX) nun auch vor, den Smartphone-Markt zu revolutionieren. In Anspielung an die Enthüllung des Tesla-Cybertrucks hieß es, dass das Tesla-Phone eine schusssichere Edelstahlhülle besäße und sich direkt innerhalb von zwei Minuten an einer Tesla Supercharger-Station aufladen lasse. Um die Stabilität unter Beweis zu stellen, wolle man das Smartphone – ähnlich wie seinerseits mit dem Tesla Roadsters – mit Hilfe einer Falcon-9-Rakete von SpaceX ins All schießen.

A propos Weltall: Die NASA spiele mit dem Gedanken, einen über 50 Jahre alten Klassiker wieder ins Leben zu rufen, meldete The Register: Nachdem die Kosten für das angedachte Space Launch System SLS außer Kontrolle geraten seien spiele die Weltraumbehörde mit dem Gedanken, die klassische Saturn-V-Trägerrakete wieder in den aktiven Dienst zu versetzen, mit der damals die Mondelandemissionen ins All befördert wurden. Man habe noch übrig gebliebene Bauteile von den Mondmissionen aus den 70er Jahren gefunden, die man kostengünstig zu diesem Zweck wieder zusammensetzen könne, wusste das Portal zu berichten

Aus „Gnome“ und „KDE“ wird „Knome“, nach Hyperthreading kommt Ultrathreading

Download Schwierig: Um den ewigen Streit zwischen Gnome und KDE beizulegen, sollen die grafischen Linux-Oberflächen künftig zusammengelegt und als Knome weiterentwickelt werden.
Download Schwierig: Um den ewigen Streit zwischen Gnome und KDE beizulegen, sollen die grafischen Linux-Oberflächen künftig zusammengelegt und als Knome weiterentwickelt werden.
(Bild: knome.org )

Wenn es um User Interfaces geht gibt es bei einigen Linux-Anhängern einen wahren Glaubenskrieg: Ist nun Gnome besser, oder KDE? Zum 1. April 2020 meldete eine eigens ins Leben gerufene Webseite (www.knome.org), dass das Kriegsbeil nun beigelegt sei: Gnome und KDE würden vereint und künftig unter dem Namen „Knome“ weiterbestehen. „Durch die Kombination der Expertise der GNOME- und KDE-Entwickler ist es uns gelungen, die Anzahl der Fehler auf effektiv 0 zu reduzieren“, heißt es zur Ankündigung. Dieses Wunderwerk herunterzuladen ist allerdings mit ein paar Tücken verbunden. Wer es dennoch versuchen möchte, kann der Projektseite auf knome.org einen Besuch abstatten.

Wunderbares gab es am 1. April auch aus der Welt der Echtzeitbetriebssysteme zu vermelden: Bereits seit 2011 enthält das Echtzeitsystem von Kithara die spezielle Betriebsart KiK64, um auch 32-Bit-Echtzeit-Anwendungen den Betrieb auf 64-Bit-Systemen zu ermöglichen. Diese werde nun zum neuen KiK128-Module erweitert, hieß es auf der Webseite des Unternehmen. Einzige Hardware-Voraussetzung sei lediglich ein x64-basierter Prozessor, der statt Hyper-Threading über die neue – nicht existierende – Ultra-Threading-Technologie (UT) und eine Inter-Processor-ALU (Arithmetic Logic Unit) verfüge.

Effizienter Grafikkarten-Kühlung durch turnbinengeführte Luftströme versprach Mini-PC-Spezialist Zotac auf seiner Website zum 1. April 2020.
Effizienter Grafikkarten-Kühlung durch turnbinengeführte Luftströme versprach Mini-PC-Spezialist Zotac auf seiner Website zum 1. April 2020.
(Bild: Zotac )

Ein neuartiges Kühlungskonzept versprach dagegen Mini-PC-Spezialist Zotac aus Hongkong. Offenbar inspiriert von den Dyson-Systemen solle das neue Grafikkarten-Kühlsystem IceStrom Z vollständig ohne klassische Lüfter auskommen. Stattdessen würde ein vollständig gekapseltes und abgedichtetes System aus Turbinenlüftern dafür sorgen, dass ein punktgenauer Luftstromweg GPUs viel effizienter kühlen werde. Dieses neue Turbinenlüftersystem für Grafikkarten bewirke einen bis zu 4-mal höheren Luftstrom und doppelt so große Kartenabdeckung als herkömmliche Lüfter-Designs.

Verkehr: Blitzschnelle Knöllchen kontaktlos bezahlen

Der Fortschritt macht auch bei der Polizei Westhessen nicht Halt: Wer geblitzt werde, soll künftig seinen Strafzettel direkt am Blitzer selbst kontaktlos bezahlen können. Schnellfahrern soll so möglich sein, nun auch schnell ihr Knöllchen zu begleichen. Ein Attraktives Rabattprogramm soll Verkehrssünder dazu bewegen, sich am besten gleich direkt bei der Polizei zu registrieren.

Einen Aufreger hatte Heise Autos parat: Die Grünen hätten in Deutschland einen Vorschlag vorgelegt, den Verbrauch von Plug-in-Hybriden zentral zu erfassen. Würde demnach nicht ein bestimmter Streckenanteil elektrisch zurückgelegt, müssten Steuervergünstigungen für Dienstwagen und staatliche Förderungen zurückgezahlt werden.

Und überall Klopapier...

Was vielleicht als Aprilscherz gedacht war, aber dann doch Realität wurde: Die Airline Virgin Australia, die derzeit wegen der grassierenden Pandemie keine Flüge betreibt, beschloss, das Klopapier aus allen gegroundeten Flugzeugen zu spenden, da es Organisationen wie die Heilsarmee dringender brauchen. Kleenex legte nach und sagte zu, auf jede gespendete Rolle auch noch eine draufzulegen.

Überhaupt, wenn ein Thema zum 1. April in diesem Jahr bestimmend war, war es wohl das Klopapier: Der auf Kryptowährungen fokussierte Onlinedienst CoinMarketCap bot Toiletpaper Tokens (TPT) an. Golem.de meldete, dass das Bundeamt für zentrale Wirtschaftsplanung nun Klopapierrollen mit Barcodes versehe und Käufe nur noch per Smartphone-App und Online-Registrierung möglich mache. Schließlich kündigte der Flugdrohnenrennenausrichter Drone Champions League an, sein Merchandise um DCL-gebrandetes Klopapier zu erweitern, das in Anbetracht der aktuellen Gesundheitslage auch per Drohne zugestellt werden würde.

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 Sebastian Gerstl

Sebastian Gerstl

Redakteur, ELEKTRONIKPRAXIS