Passive Bauelemente Tausch von Ladespulen für die drahtlose Energieübertragung

Autor / Redakteur: Raghu Narayyanan * / Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Schlüsselkomponenten eines induktiven Ladesystems für Smartphone, Tablet & Co. sind die Sende- und Empfangsspulen. Wir verraten Ihnen, worauf beim Austausch von Ladespulen zu achten ist.

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Induktives Laden von Smartphone & Co. ist derzeit voll im Trend. Im Bild die Demo-Empfängerkarte DC1967A
Induktives Laden von Smartphone & Co. ist derzeit voll im Trend. Im Bild die Demo-Empfängerkarte DC1967A
(Bild: Würth Elektronik eiSos)

Drahtloses Aufladen findet gegenwärtig – vor allem bei neueren technischen Geräten wie Smartphones, Tablets oder Laptops – eine immer stärkere Verbreitung. Angesichts der rasanten technischen Entwicklung in diesem Bereich kann wohl davon ausgegangen werden, dass zukünftig zahlreiche elektronische Endverbrauchergeräte drahtlos aufgeladen oder betrieben werden. Die Anzahl der Hersteller drahtloser Ladespulen und zugehöriger Regler-ICs wird voraussichtlich ebenfalls zunehmen, um den steigenden Bedarf seitens der Verbraucher zu decken.

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Methodik zum Tausch drahtloser Stromladespulen

Die meisten bekannten Technologien wurden durch den Markt für elektronische Konsumgüter vorangetrieben, und erst danach haben Industrie und ähnliche Bereiche auf der Basis der gemachten Erfahrungen die Entwicklungszeiten verkürzt. Der Zweck dieses Beitrags ist es, eine Methodik zum Tausch drahtloser Stromladespulen von Würth Elektronik eiSos zu veranschaulichen, wie sie auf einer Demoschaltung verbaut wurden, die auch die Empfängersteuerung LTC4120 von Linear Technology umfasst.

In Anbetracht des Bedarfs an drahtlosen Ladeanwendungen bei verschiedenen tragbaren Geräten und zur Unterstützung von Technikern bei der Entwicklung weiterer Endprodukte mit drahtloser Ladefunktionalität wurde dieser Anwendungshinweis verfasst. Er enthält Empfehlungen und beschreibt Methoden zum Tausch drahtloser Ladespulen.

Das Prinzip der drahtlosen Energieübertragung

Zur Übertragung von Energie von einem Sender an einen Empfänger auf drahtlosem Wege wird ein Prinzip eingesetzt, das mehr als ein Jahrhundert alt ist: die Gegeninduktion (Bild 1). Dennoch zeigen neuere Entwicklungen, dass, wenn zwei für minimale Verluste und Absorption (hoher Q-Wert) ausgelegte Schwingkreise, die auf gleicher Frequenz resonieren, in enge Nachbarschaft (d. h. in den Nahfeldbereich) gebracht werden, Energie aufgrund evaneszenter Wellenkopplung mit hoher Effizienz vom Sender an den Empfänger übertragen wird.

Damit ein drahtloses Energieladesystem effizient funktionieren kann, müssen die Frequenzen von Sender und Empfänger aufeinander abgestimmt werden. Für unterschiedliche Induktivitätswerte bei Lade- und Koppelspule müssen weitere Bestandteile der Schaltung getauscht werden, um dieselbe Schwingungsfrequenz zu erhalten. Das vorliegende Dokument erläutert ferner den einmaligen Vorteil der Verwendung drahtloser Energieladespulen von Würth Elektronik.

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Dieser Autorenbeitrag ist in der Printausgabe ELEKTRONIKPRAXIS 8/2015 erschienen. Diese ist auch als kostenloses ePaper oder als pdf abrufbar. Oder: Bestellen sie das Probeabo mit drei kostenlosen Ausgaben!

Wireless Power-Ladespulen

Als Mitglied des Wireless Power Consortiums (WPC) und der Alliance for Wireless Power (A4WP), die jetzt unter dem Namen „Rezence“ bekannt ist, hat Würth Elektronik eiSos im Rahmen proprietärer Lösungen verschiedene drahtlose Sende- und Empfängerspulen entwickelt, die mit dem Qi-Standard kompatibel sind (siehe Tabelle 1 sowie Bilder 2 und 3). Bei den zur Evaluierung vorgesehenen drahtlosen Sende- und Empfängerspulen von Würth Elektronik eiSos handelt es sich um folgende:

Senderspulen:

  • 760 308 111
  • 760 308 110
  • 760 308 104 113
  • 760 308 101 302

Empfängerspulen:

  • 760 308 201
  • 760 308 101 303

Laderegler für die drahtlose Energieübertragung

Der drahtlose Laderegler ist der LTC4120 von Linear Technology integriert in einem einzigen Chip einen drahtlosen Energieempfänger und eine Buck-Batterieladeeinheit (400 mA). Der Regler wird für die Demoschaltung DC1967A verwendet. Die Schwingfrequenz der Empfängerbaugruppe beträgt 127 kHz bei vorhandener und 140 kHz bei fehlender Abstimmung. Bild 4 zeigt die Demoschaltung DC1967A.

Merkmale des LTC4120:

  • Mit der DHC-Funktion (Dynamic Harmonization Control) wird das drahtlose Laden über einen breiten Kopplungsbereich optimiert,
  • breiter Eingangsspannungsbereich von 4,3 bis 40 V,
  • einstellbare Erhaltungsspannung zwischen 3,5 und 11 V,
  • Ladestrom 50 mA bis 400 mA (über einen einzelnen Widerstand programmierbar),
  • ±1% Genauigkeit bei der Rückführspannung,
  • Ladestrom auf 5% genau programmierbar,
  • kein Transformatorkern.

Die drahtlose Demo-Senderschaltung DC1968A in Bild 5 ist ein einfacher Sender, der unter Verwendung einer stromgekoppelten astabilen Kippschaltung entwickelt wurde, deren Schwingungsfrequenz durch einen Schwingkreis festgelegt wird. Die hier festgelegte Schwingungsfrequenz beträgt 130 kHz. Allerdings würde die Betriebsfrequenz abhängig von der Last beim Empfänger und dem Kopplungsfaktor zur Empfängerspule schwanken. Eine andere Version des Senders, gefertigt von Power by Proxy, bietet den zusätzlichen Vorteil der Erkennung fremder Objekte und besitzt eine niedrige Standby-Leistung.

Mit der DHC-Funktion des LTC4120 wird die Frequenz entsprechend den Leistungsanforderungen des Akkus (Last) entweder nah oder entfernt von der Schwingungsfrequenz des Senders festgelegt: Ist der Kopplungsfaktor zwischen Sende- und Empfangsspule hoch, dann wird die Frequenz so festgelegt, dass die Energieübertragung begrenzt wird; ist der Kopplungsfaktor niedrig, dann wird die Frequenz so eingestellt, dass die Energieübertragung verstärkt wird. Das Merkmal des fehlenden Transformatorkerns beim LTC4120 ermöglicht eine galvanische Trennung ohne Transformatorkern.

Drahtlosspulen von Würth Elektronik und ihre Spezifikationen

Die für die vorliegende Evaluierung ausgewählten Drahtlosspulen sind in Tabelle 1 aufgeführt. Die grobe Zusammenfassung der Spezifikationen soll als Grundlage für weitere Berechnungen dienen.

Wesentliche Parameter des Ladereglers LTC4120

Es ist vor allem wichtig, Betrieb und Merkmale des drahtlosen Ladereglers LTC4120 und die Spezifikationen der Spulen nachzuvollziehen, die in die Demoschaltungen integriert werden sollen. Die Senderspule wird durch eine stromgekoppelte Quelle gespeist, damit vom Sender ein gutes sinusförmiges Signal übertragen wird.

Wie sich dem Datenblatt zum LTC4120 entnehmen lässt, sollten Lx (Induktivität der Senderspule) und Lr (Induktivität der Empfängerspule) idealerweise so ausgewählt werden, dass ein Windungsverhältnis von 1:3 erzielt wird. Die Induktivitätswerte können so ausgewählt werden, dass die erforderliche Spule nicht zu groß ist (falls die Kapazität des Kondensators am sendeseitigen Ende zu niedrig ist) und der Kreisstrom am sendeseitigen Ende nicht zu hoch ist (falls die Induktivität der Primärseite zu niedrig ist).

Die Spule auf der Empfängerseite und die Frequenz

Die Spule auf der Empfängerseite, die gegenwärtig beim DC1969A eingesetzt wird, hat eine Induktivität von 47 µH. Es handelt sich dabei um eine eingebettete 4-Schicht-PCB-Spule mit Ferritbasis. Würth Elektronik eiSos bietet eine Spule an, die die PCB-Spezifikation erheblich überschreitet und so eine deutlich höhere Effizienz bietet. Die Teilenummer lautet 760 308 101 303, die Kurzspezifikation entnehmen Sie Tabelle 1. Eine ausführliche Spezifikation finden Sie im Datenblatt, das Sie hier herunterladen können.

Die Empfängerfrequenz ändert sich von 127 kHz in 142 kHz. Unter abgestimmten Bedingungen beeinträchtigen sowohl C2P als auch C2S die Schwingungsfrequenz, unter nicht abgestimmten Bedingungen würde dies nur C2S tun.

(Bild: WE)

Bei Berechnung mit der nebenstehenden Formel für die Schwingungsfrequenz unter nicht abgestimmten Bedingungen (FD = 142 kHz) ergibt sich als erforderliche Kapazität C2S = 26,7 nF.

(*Durch Parallelschaltung von 22 nF und 4,7 nF ergibt sich die erforderliche Kapazität.

**Die Frequenz 142 kHz unter nicht abgestimmten Bedingungen (anstelle von 140 kHz) ergibt sich aus der Begrenzung der verfügbaren Kapazität.

Ähnlich ergibt sich für die Schwingungsfrequenz unter abgestimmten Bedingungen (FT = 127 kHz) für die erforderliche Kapazität:

C2P = 6,75 nF,

*Der nächstgelegene Wert für diese Kapazität beträgt 6,8 nF.)

Hinweis: Die in DC1969A verwendeten Bauteile sind parallel geschaltet und weisen 1,8 nF bzw. 4,7 nF auf. Bei diesem Wert beläuft sich die Frequenz auf 131 kHz.

Die Senderspule und die Frequenz

Nachdem wir nun die Empfängerspule mit einem Induktivitätswert von 47 µH ausgewählt haben, lässt sich die Senderspule entsprechend auswählen, um der im Datenblatt zum LTC4120 beschriebenen Empfehlung eines Windungsverhältnisses von 1:3 nachzukommen.

(Bild: WE)

Dafür bietet Würth Elektronik eiSos das Bauteil 760 308 101 302 an. Die wichtigsten Parameter lauten: 5,3 µH, 6 A, 33 mΩ, Q = 100.

Die Frequenz der angestrebten Schwingung errechnet sich wie folgt:

(Bild: WE)

Bei Berechnung mit der obigen Formel für die Schwingungsfrequenz des Senders (130 kHz) ergibt sich als erforderlicher Wert für Cx 283 nF. Da es für diesen Wert kein Standardbauteil gibt, wählen wir 180 nF bzw. 100 nF aus, um eine möglichst starke Annäherung an die vorgesehene Betriebsfrequenz zu erzielen. Diese beiden Kondensatoren nutzen denselben Kreisstrom. Genauere Werte lassen sich auswählen, um die gewünschte Schwingungsfrequenz exakt zu erzielen.

Aus diesem Grund beträgt die tatsächliche Kapazität 280 nF. Die zugehörige Schwingungsfrequenz beläuft sich auf

f0 = 130,71 kHz.

f0 ist 0,5% höher als die ursprüngliche erforderliche Frequenz.

Allerdings beläuft sich der ausgewählte Kapazitätswert beim DC1969A auf 2 × 0,15 µF (Teilenummer ECHU1H154GX9).

Beim obigen Wert beläuft sich die neue Schwingungsfrequenz auf 126,3 kHz (unbelastet).

Die Bedeutung des Windungsverhältnisses n

Das für DC1967A empfohlene Windungsverhältnis zwischen Sende- und Empfängerspule beträgt 1:3. Hier wurden die vier unten angegebenen Bedingungen ausgewählt, bei denen das Erfüllen dieser Anforderung schwierig ist.

Nähere Angaben zu den Bedingungen 1 bis 4 finden Sie online, wie am Ende des Beitrags beschrieben. Die Schaltung wurde so modifiziert, dass sie mehr Strom von der Spule bezieht. Dazu wurde die Ausgangsspannung auf 8,23 V festgelegt. Gleichzeitig jedoch stellt die Schaltung den größtmöglichen Strom bereit und behält die maximale Effizienz bei.

Bedingung 1

Tx: 760308101302 (5,3 µH, 33 mΩ, Q: 100, 6 A),

Rx: 760308101303 (47 µH, 460 mΩ, Q: 25, 1,4 A).

(Bild: WE)

Messergebnisse:

*VCC = 5 V

*IINPUT = 0,973 A

*VIN_LR = 15,04 V

*IIN = 0,239 A

VBAT = 8,21 V

IBAT = 0,275 A

PMAX_BAT = 4,865 W

Wirkungsgrad ᶯ= (VIN_LR * IIN)/(V_cc * IINPUT) = 73,9 %

Bedingung 2

Tx: 760308104113 (12 µH, 60 mΩ, Q-120, 7 A)

Rx: 760308101303 (47 µH, 460 mΩ, Q-25, 1,4 A)

(Bild: WE)

Messergebnisse:

*VCC = 5 V

*IINPUT = 0,224 A

*VIN = 11,85 V

*IIN = 0,072 A

VOUTPUT = 8,23 V

IOUTPUT = 0,05 A

PMAX_BAT = 1,12W

Wirkungsgrad (ᶯ) = (VIN_LR) * IIN)/(V_cc * IINPUT) = 76,2%

Bedingung 3

Tx: 760308110 (24 µH, 7 mΩ, Q-180, 6 A)

Rx: 760308101303 (47 µH, 460 mΩ, Q-25, 1,4 A)

(Bild: WE)

Messergebnisse:

*VCC = 5V

*IINPUT = 0,1 A

*VIN = 11,65 V

*IIN = 0,025 A

VOUTPUT = 8,23 V

IOUTPUT = 0,013 A

PMAX_IN = 0,5 W

Wirkungsgrad (ᶯ) = (VIN_LR) * IIN)/(Vcc * IINPUT) = 58,3 %

Bedingung 4

Tx: WT-505060-8K2-LT (5,0 µH, 30,3 mΩ, Q-80, X A)

Rx: 760308101303 (47 µH, 460 mΩ, Q-25, 1,4 A)

(Bild: WE)

Messergebnisse:

*VCC = 5 V

*IINPUT = 1,159 A

*VIN = 13,16 V

*IIN = 0,314 A

VOUTPUT = 8,21 V

IOUTPUT = 0,275 A

PMAX_BAT = 5,795 W

Wirkungsgrad (ᶯ) = (VIN_LR) * IIN)/(Vcc * IINPUT) = 71,3%

Hinweis:

*VIN = Spannung am Prüfpunkt VIN des DC1967A

*IIN = von der Empfängerspule abgegebener Strom

*VCC = Eingangsspannung an der Senderbaugruppe DC1968A

*IINPUT = von der Spannungsquelle VCC abgegebener Strom

Oszillogramm-Aufnahmen der vier Testbedingungen

Die Oszillogramm-Aufnahmen in Bild 6 beziehen sich auf die oben beschriebenen jeweiligen Testbedingungen. In den Oszillogrammen bezeichnet Ch1 das gleichgerichtete empfangene Signal, Ch2 ist kein Signal, Ch3 ist das Empfängersignal und Ch4 der gleichgerichtete Empfängerstrom.

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Durch Analyse dieser Signale lässt sich feststellen, dass sich mit Bedingung 1 die beste Leistung erzielen lässt. Die betrachteten Kriterien sind dabei der Wirkungsgrad der Spule und die Fähigkeit zur Unterstützung des maximalen Laststroms bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer möglichst hohen Spannung am empfängerseitigen Ende.

Es lässt sich erkennen, dass die Energieübertragungsleistung besser ist, wenn das Windungsverhältnis der Spule Tx zur Spule Rx 1:3 beträgt – ein niedrigeres Windungsverhältnis hat offenbar eine Abschwächung der Signalübertragung auf Empfängerseite zur Folge, weswegen kein ausreichend hoher Ladestrom erzielt werden kann. Dies ist bei den Bedingungen 2 und 3 der Fall, wo von den Spulen nicht mehr als 1,895 W bzw. 1,18 W unterstützt werden.

Deswegen ist das Windungsverhältnis von 1:3 zwischen Sender und Empfänger wichtig, entbindet aber nicht von der Auswahl einer Ferritbasis geeigneter Größe, Form und Stärke und der Anordnung der Wicklung auf der Ferritbasis.

Kreisstrom im LC-Kreis der Primär- und Sekundärspule

Der Kreisstrom im LC-Kreis der Primär- und Sekundärspule muss für einen zuverlässigen Betrieb der Schaltung geschätzt werden. Die geschätzte Spannung in der Primärspule beträgt

(Bild: WE)

Deswegen gilt: Vpk = 15,7 V.

Der Blindwiderstand des 0,3-µF-Kondensators beläuft sich bei einer Frequenz von 126,3 kHz auf

(Bild: WE)

Der oben berechnete Wert Xc hat eine Kreisstromstärke in einer Größenordnung von ca. 4,2 A (Spitze) bzw. ca. 3 A (effektiv) zur Folge.

Aus diesem Grund sind 0,15-µF-Kondensatoren auszuwählen, die bei 126,3 kHz einen zulässigen Effektivstrom von mindestens 1,5 A bieten. Verwendet wurde der Kondensator ECHU1H154GX9 mit einem Effektivstrom von ca. 1,5 A. Ebenso unterscheidet sich der Kreisstrom bei verschiedenen Prüfbedingungen; es ergeben sich folgende Werte:

  • Bedingung 1: 2,07 Aeff,
  • Bedingung 2: 0,931 Aeff,
  • Bedingung 3: 0,459 Aeff,
  • Bedingung 4: 2,14 Aeff.

Der Eingangsstrom hängt vom Magnetfeld ab

Der Betrag der Eingangsstromaufnahme zur Erzeugung eines ausreichend großen Sekundärstroms ist eine Funktion des Magnetfeldes, das an der Primärspule generiert wird. Die Größenordnung des Magnetfeldes ist direkt proportional zum Strom der Senderspule und ein Produkt von Eingangsstrom und Q-Wert.

B = Q * ILX

Aus diesem Grund ist bei der Auswahl der Primärspule deren Q-Wert zu beachten. Diese Spule 760 308 101 302 von Würth Elektronik eiSos hat einen Q-Wert von 100. Dies ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt im Vergleich zu den Mitbewerbern der höchste verfügbare Wert. Der zur Versorgung mit dem Laststrom erforderliche Eingangsstrom kann durch Verwendung einer Senderspule mit einem möglichst hohen Q-Wert und des optimierten Windungsverhältnisses optimiert oder minimiert werden. Bei einem hohen Windungsverhältnis wird durch die DHC-Funktion sichergestellt, dass nicht zu viel Eingangsstrom an die Empfängerseite übertragen wird.

Zu betrachten sind in diesem Zusammenhang auch die Prüfbedingungen 1 und 2, wobei das empfangene Signal bei Bedingung 1 stärker ist und die DHC-Funktion aktiv die an den DC/DC-Wandler angelegte Spannung begrenzt (das Signal Ch2 verzeichnet in jedem Zyklus einen abrupten Abfall, wenn der DHC-Kontakt an Masse gelegt wird). Im Vergleich dazu wird bei Bedingung 2, bei der das Windungsverhältnis lediglich 1:2 beträgt, die Bedingung VIN > VDHC nicht erfüllt, wenn der DHC-Kontakt an Masse gelegt wird. Aus diesem Grund ist der Wirkungsgrad der Energieübertragung der höchste bei den vier Testbedingungen.

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RDC ist direkt proportional zum Wirkverlust

Der RDC der Sende- und Empfangsspulen ist direkt proportional zum Wirkverlust, weswegen ein niedrigerer RDC der Spulen zur Erzielung eines höheren Wirkungsgrads zu bevorzugen ist. Der Widerstand der Sekundärspule wirkt sich auf deren Wirkungsgrad aus, der wie folgt dargeklegt ist:

RL/(R2 + RL).

Der RDC der Senderspule 760 308 101 302 von Würth Elektronik eiSos beläuft sich auf 33 mΩ bei einem Effektivstrom von 2,2 A. Es ergibt sich ein Leistungsverlust von I2 * DCR = 0,16 W.

Reflektierte Impedanz in einem Schwingkopplungskreis

Die Schwingungsfrequenzen der LC-Kreise von Sende- und Empfängerseite ändern sich je nach belastetem oder unbelastetem Zustand. Es ist wichtig zu verstehen, welchen Einflüssen die reflektierte Impedanz in einem Schwingkopplungskreis ausgesetzt ist und welche Wirkung die reflektierte Impedanz ihrerseits auf die Leistungsfähigkeit des Systems ausübt.

Durch welche Faktoren die reflektierte Impedanz beeinträchtigt wird, ist im Folgenden erklärt.

Die reflektierte Impedanz Zr lässt sich mit folgender Gleichung ausdrücken:

Kirchhoffsche Gleichung zur Primärseite aus Bild 6

I1Z1 + I2ZM = V1 (Gleichung 1)

Kirchhoffsche Gleichung bei Berücksichtigung der Lastabschaltung

I1ZM + I2Z2 = 0

I2 = (–I1Zm)/Z2 (Gleichung 2)

Ersetzung des Werts I2 in Gleichung 1

Zeq = V1/I1 = Z1 – (Zm)2/Z2

Hierbei ist Zm = –jωM.

M = gegenseitige Induktivität zwischen Primär- und Sekundärseite

Zeq = Z1 –(ω2 M2)/Z2

So lässt sich die reflektierte Impedanz im Kreis wie folgt ausdrücken: (ω2 * M2)/Z2

Die reflektierte Impedanz ist Zr = (ω2 M2)/Z2. Wenn der Sekundärkreis mit der gleichen Frequenz schwingt wie der Primärkreis, wird nur die Resistanz, nicht aber die Induktanz oder Reaktanz am Primärkreis reflektiert. Die Resistanz des Sekundärkreises beträgt Z2 = R2 + RL. Daraus ergibt sich, wenn beide Kreise bei gleicher Frequenz schwingen, die reflektierte Impedanz ReZr = (ω2 M2)/(R2 + RL). Der Wirkungsgrad des Systems ist voraussichtlich höher, wenn der Term ReZr größer ist. Allerdings wirkt sich auch eine erhebliche Abnahme des Lastwiderstands RL auf den Wirkungsgrad des Sekundärkreises aus, denn Rs ist vorherrschend bezogen auf den Spannungsabfall. Der Spannungsabfall am Sekundärkreis wird also bestimmt von RL/(R2 + RL).

Die DHC-Funktion verschiebt die Schwingungsfrequenz

Durch die DHC-Funktion des LTC1967A wird die Schwingungsfrequenz auf eine voreingestellte, nicht abgestimmte Frequenz von 140 kHz verschoben, wenn die Spulen einen besseren Kopplungsfaktor aufweisen, d. h. die Spannung bei VIN größer als 14 V ist; ist der Kopplungsfaktor der Spulen hingegen niedrig (VIN < 14 V), dann erfolgt eine Abstimmung auf 127 kHz.

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Deswegen ist es bei der Auswahl der Spule für einen Sendekreis wichtig, auf eine Schwingungsfrequenz zu achten, die höher ist als die im abgestimmten Zustand eingestellte Empfängerfrequenz. Hierdurch wird sichergestellt, dass Sender und Empfänger bei gleicher Frequenz schwingen und dieser Kreis als doppelt abgestimmter Schwingkreis fungiert und der Chip folglich die volle Energieübertragung ermöglicht.

Das Oszillogramm in Bild 9 zeigt das Signal bei Ch1: einen Rechteckimpuls im Bereich der Senderfrequenz. Jedes Mal, wenn das Empfangssignal bei VIN höher ist als die Spannung am DHC-Kontakt, wird der DHC-Kontakt an Masse gelegt, damit sichergestellt ist, dass sich VIN (Ch3) nicht noch weiter erhöht. Die Kurve von Ch2 zeigt das Signal in der Empfängerwindung, Ch4 stellt den Strom durch den Sender dar.

Eine stärkere Kopplung, ein niedrigerer physischer Abstand zwischen Sender und Empfänger und ein höheres Windungsverhältnis gewährleisten eine höhere Spannung auf der Empfängerseite und damit einen höheren Wert für VIN. Die DHC-Funktion begrenzt den Wert der an den DC-DC-Wandler angelegten VIN und stellt damit sicher, dass der Sender in einem weiten Betriebsspannungsbereich betrieben werden kann. Bedingung 2 zeigt, dass der Wirkungsgrad höher ist, wenn die Sinusförmigkeit des Empfangssignals stärker ausgeprägt ist. Aus diesem Grund sollte, sofern die Anwendung einen weiteren Eingangsspannungsbereich erforderlich macht, ein höheres Windungsverhältnis (ca. 3) ausgewählt werden; ist hingegen ein besserer Wirkungsgrad notwendig, dann wird das optimale Windungsverhältnis (bei dem das Empfangssignal möglichst sinusförmig ist) empfohlen.

Sende- und Empfangsspule müssen unter Beachtung aller genannten Parameter sorgfältig ausgewählt werden, um die drahtlose Energieübertragung wahlweise mit einem höheren Wirkungsgrad oder einem breiteren Eingangsspannungsbereich für den Demoschaltkreis DC1969A erzielen zu können. Die Effizienz der Energieübertragung kann mithilfe verschiedener Sende- und Empfängerspulen mit hohen Q-Werten gesteigert werden, die von Würth Elektronik eiSos gefertigt werden.

* Raghu Narayyanan ist Entwicklungsingenieur bei Würth Elektronik eiSos in Boston, USA.

(ID:44035513)