UNICEF-Pi

Syrische Flüchtlingskinder lernen mit Raspberry Pi

Seite: 2/2

Firma zum Thema

Crowdfunding-Projekt HDMIPi – ein Bildschirm für Raspberry Pi

Wie bereits beim Raspberry Pi hatten die Erfinder des HDMIPi das Ziel, einen leistungsfähigen aber preiswerten Bildschirm zu fertigen. Das Panel im Plastikgehäuse hat eine Bildschirmdiagonale von 9 Zoll (rd. 23 cm) und eine Auflösung von 1280 × 800 Bildpunkten.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 18 Bildern

Der Raspberry Pi wird auf der Rückseite des Display-Gehäuses befestigt. Das Duo Raspberry Pi / HDMIPi benötigt lediglich 8 Watt, das Display allein 5 Watt. Damit ist es prädestiniert für Entwicklungsländer oder Krisenregionen, in denen unter Umständen nur Solarstrom zur Verfügung steht.

Den HDMIPi gibt es in verschiedenen Varianten. Das Standardmodell kostet 75 Pfund (plus rd. 9 Pfund Versandgebühren). Ein User Guide ist verfügbar.

Für das UNICEF-Projekt wurde der HDMIPi jedoch etwas modifiziert, beispielsweise mit Standfüßen am Gehäuse, teilweise wurden mangels Geräten . Die Raspberry Pis und HDMIPis erreichten den Libanon auch nicht als Einheit, sondern jeweils separat. Die Verkabelung, Anschluss einer Tastatur, etc. wurden von einer Firma vor Ort vorgenommen.

Pi4L, der Pi for Learning, ausgestattet mit Hard- und Software

Die fertige Hardware, der UNICEF-Raspberry-Pi-Rechner, wurde anschließend mit Software ausgestattet, passend zur Alltagssituation der Kinder: das Komplettsystem läuft unter der Bezeichnung Raspberry Pi for Learning (Pi4L). Zum Einsatz kamen spezielle E-Learning-Programme die teilweise für den Unterrichtseinsatz für die syrischen Kinder im Libanon entwickelt wurden.

An Unterrichtsmaterialien kommt beispielsweise Khan Academy Lite in arabischer Sprache zum Einsatz, entwickelt von der Foundation for Learning Equality. KA Lite bietet einige Vorzüge: Die Open-Source-Software ist offline nutzbar. Wird KA Lite beispielsweise auf einem Laptop als lokaler Server eingesetzt, können etwa Übungsaufgaben und Videos der Khan Academy sowie die Fortschrittskontrolle der Schüler ohne bestehende Internetverbindung zu und von den Pi4Ls übermittelt werden und zwar über lokale Wi-Fi-Netzwerke.

Neben den gängigen Unterrichtsfächern stellte das Libanon-UNICEF-Team auch ein Programm bereit ‘learning to code and coding to learn’. Das Programm war folgendermaßen konzipiert: Während die Schüler eigene Spiele entwickelten, erhielten sie gleichzeitig Informationen zu alltagsrelevanten Themen wie Polio-Prävention, Hygiene, aber auch, welche Rechte sie als Kinder haben.

Zusätzlich zu den Unterrichtseinheiten für die Schüler wurden auch Schulungen für die Lehrer entwickelt, so dass diese den Schülern bei der Nutzung der Programme tatkräftig unterstützen konnten. Entwickelt wurden die Schulungen unter anderem auch von der International Education Association in Libanon.

Natürlich müssen die Pi4Ls auch regelmäßig gewartet und an unterschiedlichen Orten aufgebaut werden. Hierfür wurde eine im Libanon ansässige Non-Profit-Organisation gefunden, die bereits Erfahrungen mit Rasperry Pis im Schuleinsatz hatte.

Das Pilotprojekt wurde erfolgreich abgeschlossen

In der Testphase gab es drei unabhängige Lerneinheiten für Schüler sowie eine vierte für Lehrer. Über 300 Kinder und Jugendliche nahmen an dem Projekt Pi4L teil, 55% davon waren Mädchen. Die Teilnahmequote des vierwöchigen Kurses lag bei 88%. Ein beachtenswerter Erfolg wenn man bedenkt, dass viele der Schüler (bis zu 40% an einem Standort) nebenbei noch arbeiteten.

Tipp: Sie interessieren sich für weitere UNICEF-Projekte? Dann lohnt ein Blick in die Broschüre „Innovation at UNICEF“.

(ID:43529955)

Über den Autor

 Margit Kuther

Margit Kuther

Redakteur, ELEKTRONIKPRAXIS - Wissen. Impulse. Kontakte.