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Buchtipp Superintelligenz – Szenarien einer kommenden Revolution?

| Autor / Redakteur: Annett Stein, dpa / Sebastian Gerstl

Seit Erfindung des Computers werden Maschinen erwartet, die intelligenter sind als der Mensch - bisher vergebens. Doch was, wenn sie irgendwann doch da ist, die Superintelligenz? Der Mensch fände sich in der Rolle des Gorillas wieder, schreibt Nick Bostrom.

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Nick Bostrom: Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution. Aus dem Englischen von Jan-Erik Strasser .
Nick Bostrom: Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution. Aus dem Englischen von Jan-Erik Strasser .
(Bild: Suhrkamp)

Was wäre, gelänge es der Menschheit eines Tages, eine ihre Entwickler übertreffende Superintelligenz zu schaffen?

Diesem Gedankenexperiment widmet sich der schwedische Philosoph Nick Bostrom. Sein Buch „Superintelligenz“ ist facettenreich und schildert ohne Geschwafel oder Effekthascherei mögliche Entwicklungen und ihre Folgen. Es ist spannend zu lesen, wie Bostrom zu seinem nüchternen Fazit kommt: Superintelligenz sei eine Herausforderung, für die die Menschheit weder jetzt noch auf absehbare Zeit gerüstet sei.

„Falls wir eines Tages künstliche Gehirne bauen, die das menschliche an allgemeiner Intelligenz übertreffen, dann könnte diese neue Art von Superintelligenz überaus mächtig werden“, schreibt Bostrom, Professor für Philosophie am St. Cross College der Universität Oxford. „Und genau wie das Schicksal der Gorillas heute stärker von uns Menschen abhängt als von den Gorillas selbst, so hinge das Schicksal unserer Spezies von den Handlungen dieser maschinellen Superintelligenz ab.“

Mit Maschinen, die dem Menschen an allgemeiner Intelligenz gleichkommen, werde schon seit der Erfindung des Computers in den 1940er Jahren gerechnet. „Zu jener Zeit wurde das Erscheinen solcher Maschinen oft etwa 20 Jahre in die Zukunft verlegt.“ Seither habe sich das erwartete Datum mit einer Geschwindigkeit von einem Jahr pro Jahr nach hinten verschoben - womit auch heute noch mit dem Auftauchen in 20 Jahren gerechnet werde.

Die Liste zumindest partiell intelligenter Geräte sei schon lang:

Roboter-Haustiere, Reinigungsroboter, Rasenmäherroboter, Rettungsroboter, OP-Roboter und über eine Million Industrieroboter.

„Insgesamt „leben“ weltweit über 10 Millionen Roboter auf diesem Planeten.“ Derzeit würden in vielen Bereichen autonom arbeitende Roboter entwickelt.

Bostrom erklärt, warum auf die Erfindung der ersten, die Intelligenz des Menschen übertreffenden Maschine eine Intelligenzexplosion folgen könnte. Und er geht in einem Gedankenspiel der Frage nach, was nötig wäre, die Evolution des Menschen im Computer zu wiederholen? Sein

Fazit: Die zur Replikation aller für die menschliche Intelligenz relevanten Evolutionsprozesse nötige Rechenleistung sei momentan völlig unerreichbar - und werde es auch bleiben.

„Es gibt keinen Grund zu glauben, dass eine typische künstliche Intelligenz von Liebe, Hass, Stolz oder anderen menschlichen Gefühlen bewegt sein würde: Diese komplexen evolutionären Anpassungen müsste man mit viel Zeit und Mühe einprogrammieren.“ Bostrom erläutert, warum ein „schneller Take-Off“ das wahrscheinlichste Szenario einer sich entwickelnden Superintelligenz sei. Ausführlich geht er zudem auf mögliche Folgen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein.

Regierungen würden sicher versuchen, erfolgreiche Projekte in ihrem Einflussbereich zu verstaatlichen, schreibt er. Schon jetzt erhielten Kapiteleigner 30 Prozent des globalen Einkommens als Zinsen, lediglich 70 Prozent seien Arbeitslöhne. Würden menschliche Arbeiter durch maschinelle Intelligenzen ersetzt, verschiebe sich dieser Anteil noch weiter. Zudem könnten Wettrennen von Supermächten Projekte dazu zwingen, die Superintelligenz so schnell wie möglich zu entwickeln - auf Kosten der Sicherheit.

Es gelte, frühzeitig Regularien zu schaffen und festzulegen, dass eine Superintelligenz nur zum Nutzen der gesamten Menschheit geschaffen werden sollte, betont Bostrom. „Angesichts einer Intelligenzexplosion gleichen wir kleinen Kindern, die mit einer Bombe spielen: Die Unreife unseres Verhaltens wird nur noch von der Zerstörungskraft unseres Spielzeugs übertroffen.“

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