Elektrolyse Südfrankreich statt Sahara – dezentrale Produktion von Grünem Wasserstoff

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

In Meyreuil, Südfrankreich, wurde kürzlich eine Pilotanlage für die industrielle Produktion von Sustainable Aviation Fuel (SAF) eröffnet. Unter dem Projektnamen Hynovera produziert Hy2gen dort zusammen mit dem Partner GazelEnergie täglich 60.000 Liter klimaneutralen Flugzeugtreibstoff.

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Ein Elektrolyseur: ideal für kontinuierliche Anwendungen oder die Produktion großer Mengen Wasserstoff.
Ein Elektrolyseur: ideal für kontinuierliche Anwendungen oder die Produktion großer Mengen Wasserstoff.
(Bild: McPhy)

Kritiker von Grünem Wasserstoff führen seit Jahren die gleichen Argumente ins Feld: Die Produktion von Grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien sei zu teuer und das Gas als Energieträger letztlich zu ineffizient. Genauer: Um Grünen Wasserstoff im industriellen Maßstab zu produzieren, der Landesverband Erneuerbare Energien NRW rechnet dafür mit ca. 3 Mio. t im Jahr 2030, müsste der Strom für die Elektrolyse zunächst in sonnenreichen Gegenden der Erde mit teils schwierigen politischen Verhältnissen produziert werden. Im Anschluss müsste die Umwandlung mit hohem energetischem Einsatz in Ammoniak oder Methanol erfolgen, anschließend der Transport per CO₂-neutral angetriebenem Schiff oder durch lange Pipelines in die Abnehmerländer.

Zudem sei der Wirkungsgrad von Wasserstoff durch viele Verarbeitungsschritte zu niedrig. Wie immer, wenn neue Technologien an der Schwelle zur Skalierbarkeit im industriellen Maßstab stehen, ist die Zeit der Bedenkenträger gekommen. Ähnlich dürfte es bei der Einführung von Windenergie und Photovoltaik gewesen sein, heute stellen nur noch wenige deren Bedeutung für die Energiewende infrage. Doch in jeder Kritik steckt auch ein Stück Wahrheit. Hy2gen aus Wiesbaden stellt sich berechtigten Fragen und wartet mit einem überzeugenden Lösungsansatz auf.

Grüner Wasserstoff für Schifffahrt, Luftverkehr und Schwerindustrie

Besonders für Schifffahrt, Luftverkehr und Schwerindustrie stellt Grüner Wasserstoff eine echte Alternative zu fossilen Brennstoffen dar. Rüstet man eine Brennstoffzelle nach, kann diese durch Grünes Ammoniak oder Grünes Methanol, beides Derivate von Grünem Wasserstoff, betrieben werden. Noch einen Schritt weiter geht die Fischer-Tropsch-Methode. Durch diese entstehen aus Grünem Wasserstoff synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, die Diesel und Kerosin beigemischt werden oder im besten Fall Schiffs- und Flugzeugmotoren autark betreiben können.

Um die Produktion von Grünem Wasserstoff und dessen Derivaten nun möglichst effizient zu halten, kommt es vor allem auf eines an: Dezentralität. Hy2gen verfolgt dieses Credo mit der jüngst in Meyreuil, Südfrankreich, eröffneten Pilotanlage für die industrielle Produktion von Sustainable Aviation Fuel (SAF). Unter dem Projektnamen Hynovera produziert Hy2gen zusammen mit dem Partner GazelEnergie hier täglich 60.000 Liter klimaneutralen Flugzeugtreibstoff. Der Strom zur Elektrolyse stammt ebenso aus der Region wie die benötigte Biomasse.

Bestehende Kraftwerke aufwerten

Grüner Wasserstoff als Energieträger hat das Potenzial, fossile Brennstoffe zu ersetzen. Das beginnt bereits bei den Produktionsanlagen. So können bestehende Kohlekraftwerke neu genutzt und aufgewertet werden, wie es z. B. beim Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg im Rahmen der Norddeutschen Wasserstoffstrategie geplant ist. Dadurch steigt nicht nur die Luftqualität, Region und Bürger können unmittelbar an der Energiewende partizipieren, z. B. als genossenschaftlich beteiligte Energiebürger. Die Abwärme aus der Elektrolyse kann zudem dem Fernwärmenetz zugeführt werden, zu Methan umgewandelter Wasserstoff dem Erdgasnetz.

Diese Anlage produziert synthetische Kraftstoffe aus Grünem Wasserstoff und arbeitet nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren.
Diese Anlage produziert synthetische Kraftstoffe aus Grünem Wasserstoff und arbeitet nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren.
(Bild: Hy2gen)

Anforderungen an den Standort

Neben den Vorteilen für die Region empfiehlt sich bei der Wahl des Standorts für die Produktionsstätten auch der Blick auf die harten Standortfaktoren. Das Beispiel von Hy2gen in Meyreuil führt wichtige zusammen: Unternehmen zur Abnahme der Grünen Wasserstofferzeugnisse siedeln im Umkreis, so entfallen lange Transportwege. Die Küstennähe ist für den Bau von Offshore-Windparks, die den Elektrolyseur mit Strom versorgen, prädestiniert.

Außerdem: kein Wasserstoff ohne Wasser. Dazu wird ausreichend Wasser zur Aufbereitung benötigt, ein Kriterium, das bei der Produktion in sonnenreichen Gegenden in Nord- und Zentralafrika nicht erfüllt werden kann. Wenn Biomasse zur Produktion des Grünen Wasserstoffs genutzt wird, im Falle des Hyonera-Projekts 500 Tonnen täglich, bietet es sich an, diese aus den umliegenden Wäldern zu beziehen. Der Einsatz von Biomasse ist gerade im Hinblick auf die regionale Kreislaufwirtschaft relevant.

Die dezentrale Produktion von Grünem Wasserstoff ist die zu bevorzugende Lösung überall dort, wo die notwendigen Parameter gegeben sind. Der zu erwartende Bedarf an Grünem Wasserstoff wird es aber unumgänglich machen, große Produktionsanlagen an optimalen und nicht dezentralen Standorten zu entwickeln, um die Lücken, welche die dezentrale Versorgung nicht decken kann, zu schließen.

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