Flächendeckend Smart Meter Studie zur Kosten-Nutzen-Analyse veröffentlicht

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

In Deutschland sollen bis 2022 beinahe 32,6 Millionen intelligente Stromzähler verbaut sein. Und bis 2029 dann sogar flächendeckend. Jetzt hat die Bundesregierung eine Studie veröffentlicht, die eine Kosten-Nutzung-Analyse untersucht hat.

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Flächendeckender Einbau von Smart Meter: Die Bundesregierung plant einen Rollout der sogenannten intelligenten Stromzähler in Deutschland
Flächendeckender Einbau von Smart Meter: Die Bundesregierung plant einen Rollout der sogenannten intelligenten Stromzähler in Deutschland
(Landis+Gyr)

In Zukunft soll intelligente Messtechnik flächendeckend in Deutschland eingeführt werden. Die Unternehmensberatung Ernst&Young empfiehlt in der für das BMWi erstellten Studie eine Rollout-Strategie, die eine Einbaurate von 40 Prozent bis 2018 vorsieht. Das entspricht einer jährlichen Rollout-Quote von etwa 4 Millionen Geräten – was sowohl intelligente Messsysteme mit einem Gateway als auch intelligente Zähler, die nachträglich zu Messsystemen aufrüstbar sind, umfasst.

Bis 2022 soll mit 32,6 Millionen intelligenten Zählern und Messsystemen eine Rolloutquote von rund 68 Prozent erzielt werden. Bis 2029 sollen die intelligenten Messsysteme und Zähler dann flächendeckend eingebaut sein. Die Branche hatte seit Monaten auf die Ergebnisse der von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie gewartet. Die gesamtwirtschaftliche Bewertung von Smart Metern bildet die Grundlage für den in Deutschland vorgesehenen Rollout-Zeitplan.

Peter Heuell, Geschäftsführer von Landis+Gyr, einem führenden Hersteller für intelligente Messtechnik, begrüßt die Veröffentlichung der „Kosten-Nutzen-Analyse für einen Flächendeckenden Einbau von Smart Metern in Deutschland“ als wichtiges Signal für einen geregelten Smart-Meter-Rollout in Deutschland. Für ihn ist "das empfohlene „Rollout-Szenario Plus“ ambitioniert, aber dennoch realisierbar". „Als Hersteller haben wir allerdings erst dann Investitionssicherheit, wenn die Politik die Empfehlungen der Kosten-Nutzen-Analyse in rechtlichen Rahmenbedingungen umsetzt. Erst dann können wir in vollem Umfang mit der Entwicklung gesetzeskonformer Lösungen voranschreiten.“ Energieversorgern rät Heuell dringend, jetzt Vorkehrungen zu treffen, damit zum Start des Rollouts das notwendige IT-Umfeld funktionsbereit ist.

Hersteller müssen jetzt geeignete Messgeräte entwickeln

Das empfohlene Szenario sieht vor, dass sowohl intelligente Messsysteme bei einem Jahresverbrauch von über 6000 kWh als auch intelligente Zähler bei einem Jahresverbrauch von weniger als 6000 kWh eingeführt werden. Die Hersteller müssen jetzt entsprechende Geräte entwickeln. „Wir sind überzeugt, dass wir bei einer schnellen Umsetzung in einen stabilen Rechtsrahmen bald die entsprechenden Geräte anbieten können, so dass unsere Kunden rechtzeitig über die notwendigen Produkte verfügen, um mit dem Rollout zu starten.“

Ernst&Young empfiehlt auch die Ausweitung der Pflichteinbaufälle für intelligente Messsysteme bei EEG- und KWK-Anlagen auf Altanlagen und Anlagen mit einer Anschlussleistung zwischen 0,25 kW und 7 kW. Ziel ist es, dadurch die Netzdienlichkeit intelligenter Messsysteme möglichst effizient und breit auszuschöpfen. „Nun ist die Politik gefordert, zu reagieren und schnell auch die politischen Rahmenbedingungen für den Rollout zu schaffen, so wie es vom BMWi angekündigt wurde.“ Staatssekretär Kapferer hatte nach Erscheinen der Studie betont, zügig die Umsetzbarkeit der Gutachter-Empfehlungen zu überprüfen und die Möglichkeit zur Verankerung im System zu klären.

Steigende Strompreise sollen beim Sparen helfen

Die europäische Rollout-Quote von 80 Prozent bis zum Jahr 2022 lehnt die Studie ab, da dabei die Kosten die Einsparmöglichkeiten überschritten. Auffallend ist, dass in der Studie der inflationsbereinigte Strompreis bis zum Jahr 2032 als konstant angenommen wird. Aufgrund der historischen Preissteigerung und der Erwartungen der EEG-Umlage ist dies jedoch völlig unrealistisch.

Höhere Strompreise bedeuten aber auch einen größeren Nutzen beim Stromsparen. Bei real steigenden Preisen steigen die Einsparungen erheblich. Tatsache ist, dass schon bei einer realen Preissteigerung von 1 Prozent die Berechnung zugunsten des EU-Szenarios ausgefallen wäre. Heuell räumt jedoch ein: „Aufgrund der strengen Datenschutz-Vorgaben durch das Schutzprofil wäre es in Deutschland sehr schwierig geworden, die EU-Vorgaben fristgerecht umzusetzen.“

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