Studie: Chinas Investoren verringern Engagement in Europa

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Chinesische Investoren legen bei Firmenkäufen in Europa den Rückwärtsgang ein. Die chinesische Industrie ist in einer Schwächephase, und den Investoren aus der Volksrepublik schlägt wachsendes Misstrauen entgegen
Chinesische Investoren legen bei Firmenkäufen in Europa den Rückwärtsgang ein. Die chinesische Industrie ist in einer Schwächephase, und den Investoren aus der Volksrepublik schlägt wachsendes Misstrauen entgegen (Bild: Ole Spata/dpa)

Chinesische Investoren legen bei Firmenkäufen in Europa den Rückwärtsgang ein. Die chinesische Industrie ist in einer Schwächephase, und den Investoren aus der Volksrepublik schlägt wachsendes Misstrauen entgegen.

Chinas Firmen bremsen ihre Expansion in Europa: Im ersten Halbjahr haben Unternehmen aus der Volksrepublik nur noch 2,4 Milliarden US-$ (2,1 Mrd. Euro) für Firmenkäufe und -beteiligungen in Europa ausgegeben, ein Rückgang von über 80% im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2018, wie die Unternehmensberatung EY in der neuen Ausgabe ihrer halbjährlichen Studie zu chinesischen Investitionen errechnet hat. Zwar gab es noch 81 Übernahmen und Beteiligungen, doch handelte es sich dabei zum Großteil um kleine Deals.

Ist die Zeit der großen Übernahmen vorbei?

In Deutschland gab es demnach überhaupt keine einzige größere Übernahme mehr, chinesische Firmen investierten laut EY-Studie gerade einmal 505 Millionen US-$ in der Bundesrepublik. Zum Vergleich: 2018 waren es insgesamt noch über 10 Milliarden gewesen.

Als eine Hauptursache sehen die China-Fachleute der Unternehmensberatung die Schwächephase der chinesischen Wirtschaft, die maßgeblich durch den Handelskonflikt mit den USA befördert wird. Bisheriges Rekordjahr war 2016, als chinesische Firmen über 85 Milliarden US-$ für Übernahmen in Europa ausgegeben hatten.

Manche früher in Europa sehr aktiven chinesischen Unternehmen seien zudem „entweder mit der Integration der erworbenen Unternehmen oder mit dem Weiterverkauf beschäftigt“, erklärte Sun Yi, Leiterin der Chinasparte bei EY. Das bezieht sich unter anderem darauf, dass der als hoch verschuldet geltende HNA-Konzern seinen Anteil an der Deutschen Bank wieder reduziert hat, nach Mutmaßung vieler Beobachter auf Druck der Pekinger Führung.

Bedingungen für Übernahmen sind schwieriger geworden

Doch sind chinesische Investoren in Europa auch mit wachsendem Misstrauen konfrontiert. So hatte die Bundesregierung im Sommer 2018 den Einstieg des staatlichen chinesischen Netzbetreibers SGCC in die deutsche Stromversorgung blockiert. Im Dezember verschärfte die Regierungskoalition Übernahmen deutscher Firmen.

In Branchen mit Bedeutung für die nationale Sicherheit kann der Bund jetzt sein Veto einlegen, wenn ein ausländischer Investor mehr als zehn Prozent der Anteile einer deutschen Firma kaufen will. Die chinesische Kommunistische Partei verfolgt das ausdrückliche Ziel, den Westen und Japan bis 2025 technologisch einzuholen und bis 2050 zu überflügeln.

Viele der Übernahmen in den Vorjahren waren wohl ohnehin auf Pump finanziert. Nach Analysen des Internationalen Währungsfonds ist der Verschuldungsgrad chinesischer Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren rasant gestiegen. Und abgesehen davon hat die Pekinger Führung die Kapitalkontrollen verschärft, da reiche Chinesen ihr Vermögen bevorzugt ins Ausland schaffen. Die jüngsten Signale aus der chinesischen Wirtschaft sind gemischt. Die Autoverkäufe in der Volksrepublik ziehen offensichtlich wieder an, aber mehrere prominente deutsche Industrieunternehmen haben mit Auftragsrückgängen in China zu kämpfen.

Dass die chinesischen Investitionsaktivitäten in Europa aber noch weiter zurückgehen, glauben die EY-Berater nicht: „Damit dürfte die Talsohle erreicht sein“, sagte Sun.

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