Energieversorgung kritisch Stromkrise in China: Viele Produktionen gestoppt

Ganze Städte und Industrieparks ohne Strom: Teilweise ohne Ankündigung stoppen chinesische Behörden die Energieversorgung. Gründe dafür sind das rigide Durchsetzen strenger Klimaschutzmaßnahmen, Kohleknappheit und fehlende Effizienzsteigerungen. Auch deutsche Unter-nehmen sind betroffen.

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China will weg von der Kohleverstromung – und setzt daher strenge Klimaschutzmaßnahmen durch. Das führt mitunter zu Unterbrechungen der Energieversorgung in wichtigen Industrieregionen.
China will weg von der Kohleverstromung – und setzt daher strenge Klimaschutzmaßnahmen durch. Das führt mitunter zu Unterbrechungen der Energieversorgung in wichtigen Industrieregionen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

China geht der Strom aus: Nicht nur wegen des Chipmangels stehen in China immer wieder die Bänder still. Staatlich verordnete und knallhart durchgesetzte Stromrationierungen machen der Industrie im Reich der Mitte das Leben schwer. Besonders energieintensive Betriebe sind davon betroffen.

Seit Wochen beeinträchtigt die sich ausweitende Stromknappheit in China IT-Hersteller in den bedeutenden Industriezentren an der Ost- und Südküste der Volksrepublik. Nach Berichten von Reuters mussten einige Zulieferbetriebe für die IT- und Elektromobilität aufgrund von Stromknappheit bereits die Arbeit in ihren Fabriken einstellen. Unter anderem lief die Produktion bei Tesla und Apple nicht wie gewohnt.

Unterbrechungen der Energieversorgung in allen wichtigen Industriezentren

Zwar gab es bereits in der Vergangenheit immer wieder Unterbrechungen, doch diese waren regional begrenzt und betrafen nur einzelne Bereiche. Diesmal ist es sehr viel ernster, weil es alle wichtigen Industriezentren des Landes betrifft. Die Gründe dafür sind primär politischer Natur:

  • Weil China wegen seiner Umweltverschmutzung weltweit in der Kritik steht, gab die Partei strenge Ziele zur Reduzierung des Energieverbrauchs vor, um bis 2060 CO2-neutral zu werden.
  • Strom wird in China zu über 90% in Kohlekraftwerken produziert, die teilweise so umweltschäd-lich sind, daß deren Produktion eingestellt wurde.
  • Weil die chinesische Kohle sehr minderwertig ist, wurden erhebliche Mengen importiert, vor-zugsweise aus Australien.
  • Weil Australien China wegen der Entstehung von Corona, der Behandlung der Uiguren und der Einwohner Hong Kongs kritisiert hat, wurden diese Kohleimporte 2020 eingestellt.

Die Konsequenzen sind:

  • 10 der 23 Provinzen haben die gesetzten Ziele nicht erreicht.
  • Die Provinzen Guangdong, Jiangsu und Zhejiang schneiden besonders schlecht ab und offen-sichtlich wird an diesen – trotz ihrer Bedeutung – ein Exempel statuiert. Es kommt hinzu, daß in diesen Provinzen besonders viele taiwanesische Unternehmen tätig sind und diese nun „diszipliniert“ werden sollen.
  • In den Regionen Jiangsu und Zhejiang werden etwa 10% der in China hergestellten Leiterplat-ten produziert, hinzu kommen Laminathersteller, Bauteile-Lieferanten und Bestückungsunternehmen.
  • Die Stromsperren betreffen aber nicht nur die Lieferkette der Elektronik, sondern alle energie-intensiven Bereiche – von der Nahrungsmittelindustrie bis zu Metallschmelzen. Die Preisanstiege bei Aluminium oder Zinn seit April (um jeweils mehr als 30%) sind ebenfalls darauf zurückzuführen.

Auch in Zukunft Unterbrechungen möglich

Am Sonntag, den 26.9. wurde allen Unternehmen in den drei besonders betroffenen Provinzen am Nachmittag mitgeteilt, daß sie von Montag 27.9. 8:00 Uhr bis 30.9. Mitternacht nicht mehr produzieren dürfen – das betraf auch Firmen, die eine eigene Stromproduktion haben.

Da die chinesische Politik jederzeit neue Vorschriften erlassen kann, ist noch unklar, ob diese Unterbrechung einmalig ist oder weitere, ähnliche Aktionen auch in den kommenden Monaten zu erwarten sind.

Olympische Spiele stehen vor der Tür: Präsident Xi Jinping will saubere Luft

Wie es heißt, will der chinesische Präsident der Welt zu den Olympischen Winterspielen zeigen, wie sauber die Luft in China ist.

Die jetzige Produktionsunterbrechung kommt zu einer denkbar ungünstigen Zeit: die Welt ist ohnehin schon durch Versorgungsengpässe wegen unterbrochener Lieferketten und logistischer Probleme beeinträchtigt und das 3. Quartal ist wegen der Vorbereitungen für die verschiedensten Feiertage bis Jahresende traditionell Hochsaison für alle Branchen.

* Michael Gasch von Data4PCB ist Leiterplatten-Experte und -Marktforscher und ein profunder Asienkenner.

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Über den Autor

 Michael Eckstein

Michael Eckstein

Redakteur, Vogel Communications Group