Strom aus Meereswellen – Prototyp in der Nordsee in Betrieb

| Redakteur: Julia Schmidt

Seit Mitte September ist in der belgischen Nordsee vor Ostende ein skalierter Anlagenprototyp im Versuchsbetrieb.
Seit Mitte September ist in der belgischen Nordsee vor Ostende ein skalierter Anlagenprototyp im Versuchsbetrieb. (Bild: VIVES DroneLab)

Mit Meereswellen Strom erzeugen – das geschieht seit kurzem an einer Versuchsanlage in der belgischen Nordsee. Zwei Jahre wird der Testbetrieb laufen. Ist er erfolgreich, soll ein Kraftwerk gebaut werden.

Die Idee eines Wellenkraftwerks soll Jan Peckolt schon seit seiner Diplomarbeit umtreiben. 2012 gründete er das Start-Up NEMOS, um die Technologie zu realisieren. Vergleichbar mit Offshore-Windparks werden dabei 40 Meter lange Schwimmkörper im offenen Meer installiert. Sie richten sich zum Seegang aus und wandeln bis zu 70 Prozent der Wellenenergie in mechanische Energie um, mit der wiederum ein Generator Strom erzeugt.

Für seine Entwicklung wurde Peckolt mit mehrere Preisen ausgezeichnet; er patentierte die Steuerung, und seine Firma forschte dank Fördermitteln aus Berlin gemeinsam mit Wissenschaftlern weiter an der Anlage. Aufwändige Modellversuche und Analysen fanden im Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST) und an mehreren Lehrstühlen der Universität Duisburg-Essen (UDE) statt.

„Die Geotechnik beispielsweise war für das Gründungsdesign der Anlage und die Konzeptionierung des Installationsvorgangs unverzichtbar“, sagt Jan Peckolt. „So wurden von den Forschern zahlreiche Simulationen und Tests unter kontrollierten Laborbedingungen sowie in natürlichem Gewässer durchgeführt.“

Speziell für den Seewassereinsatz unter härtesten Bedingungen qualifiziert

Wesentliche Komponenten der Anlage konnten in den Labors des Fachgebiets für Energiespeicherung und -transport an einem 40 Tonnen schweren Prüfstand erprobt und optimiert werden. Der Lehrstuhl für Mechatronik sowie das Institut für Schiffstechnik, Meerestechnik und Transportsysteme unterstützten die Entwicklung mit ihrem Know-how.

Zum Erfolg des Projekts haben auch die LIROS GmbH und die Schaeffler Technologies GmbH & Co. KG beigetragen. Sie entwickelten wichtige Komponenten für das NEMOS-Wellenkraftwerk. Diverse Bauteile konnten speziell für den Seewassereinsatz unter härtesten Bedingungen qualifiziert werden.

Seit Mitte September ist in der belgischen Nordsee vor Ostende ein skalierter Anlagenprototyp im Versuchsbetrieb. Die Anlage wurde von NEMOS u. a. mit der UDE entwickelt und vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Bewährt sich der Prototyp, folgt der letzte Schritt: Dann sollen die ersten kommerziellen Kraftwerke entstehen, die jeweils Strom für 700 bis 800 Haushalte liefern.

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