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Tsinghua Unigroup Streit um Chinas Investment in taiwanesische Halbleiterindustrie

| Autor: Sebastian Gerstl

Die vom chinesischen Staat geführte Tsinghua Unigroup plant, mit über 2,6 Milliarden US-$ in drei taiwanesische Halbleiterfirmen einzusteigen. Dies hat massiven Widerstand in Taiwans Oppositionspartei DPP ausgelöst: Chinas Investmentpläne stellten eine massive Bedrohung für die eigene Industrie dar.

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Wahlkampfveranstaltung der taiwanesischen Oppositionsführerin Tsai Ing-wen: Zahlreiche Politiker Taiwans wollen den Einstieg der chinesischen Elektronikgruppe Tsinghua Unigroup in die taiwanesische Halbleiterindustrie verhindern.
Wahlkampfveranstaltung der taiwanesischen Oppositionsführerin Tsai Ing-wen: Zahlreiche Politiker Taiwans wollen den Einstieg der chinesischen Elektronikgruppe Tsinghua Unigroup in die taiwanesische Halbleiterindustrie verhindern.
(Bild: Tsai_Wahlkampf2.jpg / Hsu Shih-mou / Wikimedia Commons / BY-SA 3.0)

Anfang des Monats hatte die Tsinghua Unigroup angekündigt, für eine Investition von 2,1 Milliarden US-$ jeweils 25 % der taiwanesischen Chip-Packaging-Spezialisten ChipMOS und Siliconware Precision Industries (SPIL) zu erwerben. Kurze Zeit später gab die vom chinesischen Staat geführte Elektronikgruppe bekannt, auch Anteile am Halbleiterhersteller Powertech Technology (PTI) in Höhe von etwa 500.000 US-$ erwerben zu wollen; das taiwanesische Unternehmen gilt als mutmaßlicher Lieferant des S1-Prozessors der Apple Watch. Zudem mehren sich die Gerüchte, dass Tsinghua auch einen Einstieg bei MediaTek, einem der größten Chiphersteller des Landes, plane.

Dies hat nun im laufenden Wahlkampf Taiwans die Oppositionspartei DPP (Democratic Progressive Party, demokratische Fortschrittspartei) auf den Plan gerufen. Oppositionsführerin Tsai Ing-wen nannte die Investitionspläne Chinas eine „massive Bedrohung“ für die landeseigene Halbleiterindustrie. „Unigroup wird von Regierungskapital und -einfluss gestützt“ sagte die Politikerin, die im laufenden Wahljahr derzeit die Wählerumfragen in Taiwan anführt und als aussichtsreiche Kandidatin für die nächsten Präsidentschaftswahlen gilt. „Deren Einstieg ist nicht nur eine Frage der Kontrolle über einzelne Unternehmen, sondern auch, Einfluss über unsere vor- und nachgelagerte Industrie zu gewinnen.“ Sie warnte daher die betroffenen Firmen, nicht vorschnell den Investitionen zuzustimmen.

Firmengebäude von MediaTek am Solar Technology Square in Taipei, Taiwan: Gerüchten zufolge plant die Tsinghua Unigroup auch einen signifikanten Einstieg beim Fabless-IC-unternehmen, dass derzeit einer der 15 größten Halbleiterhersteller weltweit ist.
Firmengebäude von MediaTek am Solar Technology Square in Taipei, Taiwan: Gerüchten zufolge plant die Tsinghua Unigroup auch einen signifikanten Einstieg beim Fabless-IC-unternehmen, dass derzeit einer der 15 größten Halbleiterhersteller weltweit ist.

Xu Jinhuang, Chairman der der Tsinghua Unigroup vorgelagerten Tsinhua Holdings Corporation, bezeichnete diesen Einspruch als engstirnig. „Was soll so schlimm sein an einer Kooperation zwischen Festlandchina und Taiwan?“ äußerte Xu Jinhuang angesichts der Kritik. „Mit dem Einstieg der Unigroup in Taiwan hoffen wir, eine Win-Win-Situation zu erzielen; es ist nicht so, wie manche engstirnigen Leute in Taiwan meinen, dass das Festland versuchen würde, Taiwan zu besetzen oder zu überfallen.“ Seiner Ansicht nach sei die taiwanesische Wirtschaft sehr stark an den chinesischen Investitionen interessiert, aber die Politiker würden dies verhindern wollen - wohl, wie er andeutete, nicht mit dem Wohlergehen der taiwanesischen Bevölkerung im Sinn.

Die staatsgeführte Tsinghua Unigroup hat in diesem Jahr bereits über 20 Milliarden US-$ in Anteile und Übernahmen verschiedener Halbleiterfirmen investiert und ist damit zum alleinigen Spitzenreiter der chinesischen Halbleiterindustrie angewachsen. Das Unternehmen hegt äußerst ambitionierte Pläne: Anfang Dezember hatte die Tsinghua Unigroup verkündet, in den kommenden fünf Jahren 300 Millionen Yuan (etwa 46 Milliarden US-$ bzw. 42 Milliarden Euro) investieren zu wollen mit dem Ziel, zum drittgrößten Halbleiterhersteller der Welt aufzusteigen.

Auch andernorts betrachtet man diese massiven Wachstumspläne mit Skepsis. „Die Tsinghua Unigroup hat so viele kurzfristige, schnelle Investitionen angekündigt, dass die Leute es mit der Angst bekommen,“ sagt Mark Li, ein Technologie-Analyst der Marktforschungsgruppe Bernstein Research. „Sie machen zu viel, zu schnell.“

„Wir werden weiterhin in kompetente Chipfirmen investieren, aber wir haben nicht vor, größter Aktionär oder Mehrheitsanteilseigner bei jeder Akquise zu werden, die wir tätigen,“ sagte Xu zu den aktuellen Investitionsplänen der Unigroup. „Geld ist aktuell kein Problem für uns. Wir können mehr Kapital aufbieten als die Öffentlichkeit derzeit sehen würde. Die wahre Herausforderung liegt darin zu erkennen, wie wir das größtmögliche Potential der Firmen entfalten können, die wir erworben haben.“

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