Meilensteine der Elektronik

Stets am Puls der Zeit – 93 Jahre Conrad

Seite: 3/4

Firmen zum Thema

Weil sich Klaus Conrad und seine Leute etwas zugetraut und den richtigen Riecher für den Markt hatten, lautete die Antwort. Tatsache war, dass 1976 mit der neuen EDV neben einem Informationssystem für Absatz, Beschaffung, Finanzierung, Investition, Personal und Kontrolle erstmals eine professionelle Kundenkartei mit 20.000 Adressen erstellt wurde. Vorher lief das Versandgeschäft lediglich über Inserate in Fachzeitschriften, durch die potenzielle Kunden angesprochen wurden.

Und der Katalog, zunächst für zwei Jahre herausgegeben und rund 400 Seiten stark, wurde allmählich zum Selbstläufer, der längst über Elektronikerkreise hinaus Kultstatus erreicht hat. „Nobody does it better“, bilanzierte im Januar 1998 das Jugendmagazin „ jetzt“ der Süddeutschen Zeitung.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 23 Bildern

1982 platzte das Betriebsgebäude aus allen Nähten. Auf dem Gelände der alten Keramikfabrik in Hirschau entstanden innerhalb eines Jahres ein Verwaltungs- und Lagerneubau mit rund 15.000 Quadratmetern Fläche. Die Mitarbeiterzahl wuchs 1983 von 376 auf 422. Rund 3000 Pakete veschickte das Haus inzwischen. Kaum war dieses Projekt beendet, wurde es in Hirschau schon wieder zu eng, es folgten weitere Anbauten. Parallel zu diesen Investitionen stieg Conrad wieder ins Filialgeschäft ein.

Seit 1982 führt der Multichannel-Anbieter Conrad unter dem Markennamen VOLTCRAFT technische Geräte, die nicht nur den Heimwerker, sondern auch Profis begeistern. Denn viele VOLTCRAFT-Produkte, hatten und haben bei ihrer Markteinführung technische Merkmale, die bei den Artikeln der Mitbewerber erst viel später zu finden waren. Entwickelt werden die Geräte mit dem Conrad Technologie Center in Hirschau.

Bis 1985 unterhielt die Firma lediglich in München, Hamburg und Berlin Ladengeschäfte. In den folgenden zwölf Jahren wurden daraus 17 stattliche Elektronik-Center in weiteren deutschen Großstädten.

Die 90er Jahre, Conrad wird ein Welt-Unternehmen

Conrad hat in den achtziger Jahren eine Größenordnung erreicht, die dem Haus in Europa die Marktführerschaft im Elektronik-Versandhandel garantiert. Die nationalen Grenzen wurden dem Unternehmen allmählich zu eng. Diese Entwicklung repräsentiert am besten das schmucke Glasgebäude am Stammsitz in Hirschau.

Der imposante Bau empfängt den Besucher mit leuchtenden Begrüßungsformeln in fünf Sprachen, einschließlich Chinesisch – Symbol für den heißen Draht der Conrads zu den Zukunftsmärkten der Elektronik in Fernost. Um bei den dort entstehenden Trends von Beginn an dabei zu sein, betreibt die Firma Einkaufs- und Entwicklungsbüros in Shanghai, Hongkong und Shenzhen.

Als der Eiserne Vorhang 1989/90 Risse bekam und schließlich fiel, stand Conrad bereits in den Startlöchern nach Osteuropa: mit Vertriebspartnern in Ungarn, Slowenien, Russland und Bulgarien sowie einer eigenen Tochtergesellschaft in Tschechien zählt Conrad auch dort zu den festen Größen im Elektronikbereich. Eigene Gesellschaften entstanden außerdem in Frankreich, Österreich, den Niederlanden und in der Schweiz, sowie Franchise-Partnerschaften in Rumänien, Irland und Oman.

Insgesamt liefert das Versandhaus in 137 Länder der Welt. Eines der Modewörter der neunziger Jahre sind die „Synergieeffekte“: Gegenseitiges Ergänzen, mit mehreren Ansätzen am gleichen Ziel arbeiten – bei Conrad Electronic steht der Ausdruck für die Kooperation von Vater und Sohn.

Seit 1993 stecken Klaus und Dr. Werner Conrad gemeinsam die Unternehmensziele ab. Der reibungslose Wechsel von Klaus Conrad in die Holding und Dr. Werner Conrad an die Spitze der GmbH bescherte dem inhabergeführten Unternehmen weiteres Wachstum. Der Juniorchef trat 1993 als Geschäftsführer an und leitete die weitere Internationalisierung ein. Dr. Werner Conrad veränderte auch das Sortiment.

Ab 1994 bieten die Conrad Kataloge unter dem Oberbegriff „Ideen&Design“ neben Elektronikprodukten auch spezielle Seiten, die zeigen, dass sich Technik und Ästhetik nicht ausschließen. Mit dieser Produktgruppe, in der vom Nostalgie-Radio bis zur Anstecknadel in der Form einer Leiterplatine alles vertreten ist, erschloß der vierte Conrad an der Spitze des Unternehmens zugleich eine neue Zielgruppe.

Die Mitarbeiter in den Filialen und in der Auftragserfassung merken es deutlich. Der Conrad Katalog mausert sich von der „Elektronik-Bibel“ zusätzlich zu einem Nachschlagewerk für alle, die ihre Wohnung mit Designprodukten verschönern wollen oder ein originelles Geschenk suchen.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:43936309)