Stelvio Kontek: „Wir wollen Lösungsanbieter sein“

| Redakteur: Kristin Rinortner

Lösungsanbieter: Vor allem bei kundenspezifischen Steckverbindern punktet Stelvio Kontek durch Fertigungs-Knowhow und einer hohen Vertikalisierung der Firma.
Lösungsanbieter: Vor allem bei kundenspezifischen Steckverbindern punktet Stelvio Kontek durch Fertigungs-Knowhow und einer hohen Vertikalisierung der Firma. (Bild: Würth Elektronik)

Stelvio Kontek stellt Standard- und kundenspezifische Steckverbinder her. Daran hat sich nach der Übernahme durch Würth Elektronik nichts geändert. Wir sprachen mit den italienischen Geschäftsführern Luca Brigatti und Alessandro Ciucci und dem Elektromechanik-Chef von Würth Elektronik eiSos, Josef Wörner.

Das italienische Traditionshaus Stelvio Kontek ist eine etablierte Marke für Standard- und kundenspezifische Steckverbinder und vor allem in Europa bekannt für seine Klemmen. Vor fünf Jahren wurde Stelvio Kontek von Würth Elektronik eiSos gekauft.

Mit dem Zukauf unterstrich Würth Elektronik seine ambitionierten Wachstumspläne bei Steckverbindern: Bis dato hatte man 4000 Steckverbinder im Programm, das mit der Übernahme deutlich erweitert wurde. Ausschlaggebend für den Kauf war vor allem das Fertigungs-Knowhow der Italiener, erinnert sich Josef Wörner, Direktor Elektromechanik bei Würth Elektronik eiSos. Insbesondere bei Klemmen (Terminal Blocks) verzeichne man schon länger zunehmend Anfragen nach kundenspezifischen Varianten, die Stelvio Kontek gut bedienen könne.

Würth Elektronik eiSos erwirtschafte mit Steckverbindern derzeit einen Umsatz von 150 Mio. €, der sich bis 2025 verdoppeln solle. Der Fokus liege dabei vor allem auf dem europäischen Markt, denn man könne mit der richtigen Automatisierung auch gegen asiatische Wettbewerber bestehen, so Wörner. Dazu werden Produktionskapazitäten und die Lager in Lyon und Waldenburg erweitert. Und hier kommen auch die Italiener ins Spiel.

Erfolgreiche Integration von Stelvio Kontek in die „Würth-Familie“

Mittlerweile ist Stelvio Kontek in „die Würth-Familie integriert“. Der ehemalige Stelvio-Geschäftsführer Luca Brigatti steht weiterhin an der Spitze der Firma. Brigatti begann als Verwaltungsbeamter bei Stelvio und verantwortete anschließend die Finanzen, später wurde er zum Mitglied des Vorstands und schließlich zum Geschäftsführer bestellt. Ihm zur Seite steht Alessandro Ciucci, der von Würth Elektronik eiSos kommt, und den italienischen Vertrieb aufgebaut hat. Nach der Übernahme von Stelvio wurde er Mitte 2017 zum Vice President eiSos Italien und Stelvio Kontek international ernannt.

Das Produktportfolio von Stelvio umfasst Standard- und kundenspezifische Komponenten bei Reihenklemmen, Wire-to-Board-Steckverbindern, Sicherungshaltern und Reed-Schaltern. Die Produkte werden im eigenen Labor typgeprüft, sind von den wichtigsten internationalen Instituten (UL, VDE, IMQ) zugelassen und entsprechen den europäischen Richtlinien RoHS, WEEE, PFOS und REACh.

Anbieter technischer Lösungen

„Wir wollen Lösungsanbieter sein“ lautet das Credo von Brigatti und Ciucci. „Wir verkaufen keine Produkte, sondern technische Lösungen“. Als wesentliches Alleinstellungsmerkmal stellen die beiden die vollständige Vertikalisierung des Unternehmens heraus. Das bedeute, dass sie in der Lage seien, alle Komponenten vor Ort zu produzieren. Dazu beherrschen die Mitarbeiter alle Technologien: Formen, Stanzen, Beschichten und Montieren. Aber sie seien auch in der Lage, Maschinen und Werkzeuge, die sie für diese Anwendungen benötigen, selbst zu entwickeln und zu bauen, so die beiden Italiener.

Mit einer hohen vertikalen Integration kann ein Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. So bei Zeit und Kosten, aber auch bei Auslastung, Qualität und einer schnellen Produktmodifikation. Und es gibt bei stabilem Markt eine positive Korrelation zwischen Vertikalisierung und Cash-Flow.

Hochautomatisierte Fertigung mit Robotern.
Hochautomatisierte Fertigung mit Robotern. (Bild: Würth Elektronik)

Welche Entwicklungen für die nächsten Jahre geplant sind

In den nächsten fünf Jahren wolle man sich verstärkt auf den europäischen Markt konzentrieren, um die Sichtbarkeit und Präsenz vor allem in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu erhöhen. Besonderer Fokus liegt auf den Branchen Industrieautomatisierung, Automotive, Heimautomation, Heizung, Lüftung, Klimatechnik (HVAC) sowie Consumer-Applikationen.

Das Produktportfolio wollen Brigatti und Ciucci vor allem bei kundenspezifischen Steckverbindern erweitern. Im Mittelpunkt steht der Automobilmarkt. Aber auch bei Leistungsklemmen und kundenspezifischen Lösungen für die Industrieautomation, bei KNX, bei Reihenklemmen und kundenspezifischen Steckverbindern für die Haustechnik verspricht man sich Potenzial. Ausgebaut werden sollen ebenfalls RAST-Steckverbinder für die HLK- und Konsumgüterindustrie.

Die Fertigung in der Nähe von Mailand.
Die Fertigung in der Nähe von Mailand. (Bild: Würth Elektronik)

Ein kurzer Abriss der Historie von Stelvio Kontek

Die Wurzeln von Stelvio Kontek reichen bis in die Nachkriegszeit zurück, als Promimet Chiapponi, ein Produzent von Metall-Kleinteilen und Elektrokomponenten, 1946 in der Nähe des Comer Sees gegründet wurde. „Elettromeccanica Stelvio“ wurde 1960 in Delebio, Valtellina, gegründet und war auf die Herstellung von elektronischen Verbrauchskomponenten spezialisiert.

Beide Firmen wurden 1995 zu Stelvio-Chiapponi S.p.A. zusammengeführt. Das Produktportfolio umfasste nunmehr Komponenten für die Industrie- und Konsumelektronik wie Schalter, SCART-Stecker, Sicherungshalter, Bildröhrensockel, Komponenten für gedruckte Schaltungen, Klemmen und Steckverbinder. Stelvio-Chiapponi expandierte kräftig, insbesondere nach dem Jahrtausendwechsel, blieb aber in den Händen der gleichen Familie bis zum Jahr 2009, als Stelvio mit Kontek Komatel fusionierte, das sich auf Bord-zu-Bord-Steckverbinder spezialisiert hatte.

Dieser Beitrag ist erschienen im Sonderheft Elektromechanik III der ELEKTRONIKPRAXIS (Download PDF)

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