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Stellenabbau in der Autoindustrie: Wie viele Jobs kann die E-Mobilität retten?

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Knapp eine halbe Million Jobs sind durch den Wandel in der Autoindustrie gefährdet. Durch die E-Mobilität soll ein erheblicher Teil des Verlusts aufgefangen werden. Doch hat der neue Automobilzweig wirklich das Potenzial, den Stellenabbau zu einzudämmen?

Gefragte Experten: Neben den OEMs suchen vor allem Bosch (8 %), die MBtech Group (6 %) sowie die Dräxlmeier Group (3 %) nach Fachkräften im Bereich der alternativen Antriebe.
Gefragte Experten: Neben den OEMs suchen vor allem Bosch (8 %), die MBtech Group (6 %) sowie die Dräxlmeier Group (3 %) nach Fachkräften im Bereich der alternativen Antriebe.
(Bild: Christoph Busse/BMW)

Der Abgasskandal und ein eventuelles Verbot des Verbrennungsmotors könnten für die deutsche Industrie weitreichende Folgen haben. Das Ifo-Institut rechnet mit der Gefährdung von 426.000 Arbeitsplätzen in der Automobilbranche bis 2030. Um herauszufinden, wie drastisch der Wandel in der Automobilbranche durch die Entwicklungen ausfallen wird, analysierte die Suchmaschine Joblift die Lage auf dem Stellenmarkt.

Die Experten der Metasuchmaschine Joblift haben errechnet, dass bis zum Jahr 2030 208.500 Jobs in Deutschland im Sektor der Elektromobilität entstehen werden.
Die Experten der Metasuchmaschine Joblift haben errechnet, dass bis zum Jahr 2030 208.500 Jobs in Deutschland im Sektor der Elektromobilität entstehen werden.
(Bild: Joblift)

Ungefähr 7.330 der insgesamt rund 17 Millionen veröffentlichten Stellenanzeigen seit Oktober 2015 betreffen spezialisierte Jobs im Bereich der alternativen Antriebe. Die Anzahl der durchschnittlich pro Monat ausgeschriebenen Stellen stieg in den letzten zwölf Monaten auf 375 an – das entspricht einem Zuwachs von 58 % im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung lässt ein rasches Wachstum des E-Mobilitäts-Sektors erwarten.

Zwei von drei Jobs entstehen im Süden von Deutschland

Wie zu erwarten, werden die überwiegende Anzahl der Stellen in den traditionsreichen Autoländern Bayern und Baden-Württemberg geschaffen, nämlich mit 31 % und 34 % fast zwei Drittel aller Arbeitsplätze. In allen anderen Bundesländern ist die Nachfrage mit durchschnittlich 120 Vakanzen pro Land deutlich geringer, allein in München wurden im selben Zeitraum 1.020 Stellenausschreibungen veröffentlicht.

Die Gesuche richten sich in erster Linie an hochausgebildete und auf E-Mobilität spezialisierte Fachkräfte: 87 % der Ausschreibungen verlangen einen Hochschulabschluss und 53 % richten sich an Ingenieure oder IT-Spezialisten. Nur für 8 % der Jobs ist eine Berufsausbildung ausreichend, wohingegen 52 % der konventionellen Vakanzen in der Automobilbranche kein Studium voraussetzen.

Über 200.000 neue Jobs durch E-Mobilität?

Der Stellenmarkt der Elektromobilität wuchs in den letzten 24 Monaten zweieinhalbmal so stark wie die Vakanzen der konventionellen Automobilbranche. Im Jahr 2016 betrug der durchschnittliche monatliche Anstieg 7 %, während sowohl die Anzeigen im sonstigen Automobilbereich als auch der gesamtdeutsche Stellenmarkt in dieser Zeit nicht einmal halb so schnell wuchsen (3 % monatlich).

Ausgehend von diesem starken Zuwachs und in Anbetracht der zeitlichen Entwicklung der Daten ist anzunehmen, dass bis zum Jahr 2030 208.500 Jobs in Deutschland im Sektor der Elektromobilität entstehen. Dies würde zwar 48 % der durch das Verbot des Verbrennungsmotors wegfallenden Arbeitsplätze ausgleichen, durch das höhere Ausbildungsniveau wird sich die Personalstruktur jedoch stark verändern.

Diese Trendwende betrifft erwiesenermaßen vor allem klassische Automobil-Zulieferer. Die Technologie für alternative Antriebe stammt bisher allerdings vor allem aus China und den USA. Da die Motoren für Elektroautos weniger komplex sind und keine aufwendigen Getriebe mehr gefertigt werden müssen, geraten vor allem deutsche Zulieferer unter Druck.

Dies spiegelt sich schon heute im Stellenmarkt wieder: Neben der Daimler AG (7 % aller offenen Stellen) suchen vor allem die Robert Bosch GmbH (8 %), die MBtech Group (6 %) sowie die Dräxlmeier Group (3 %) nach Fachkräften im Bereich der alternativen Antriebe.

(ID:44962616)