Hardware-Startups: Hinter den Kulissen des TI TechMatch

| Redakteur: Richard Oed

Start-up-Events sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Industrie und den jungen Unternehmen.
Start-up-Events sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Industrie und den jungen Unternehmen. (Bild: Texas Instruments/Jan Gallas)

Warum engagiert sich Texas Instruments (TI) im Bereich Start-up und worauf müssen junge Firmen achten? Im Interview erläutert Matthias Knaup von TI die Hintergründe und worauf es ankommt.

Nach 2017 in München hat Texas Instruments Ende Januar den zweiten TechMatch ausgerichtet, diesmal in der alten Hechelei in Bielefeld. Kamen 2017 noch zehn Start-ups, die ihre Innovationen und Ideen präsentierten, so waren nach Bielefeld bereits zwölf junge Unternehmen eingeladen, die meist direkt aus der Region Ostwestfalen stammten.

Mit Matthias Knaup, Area Director Industrial Central Europe bei TI, sprachen wir über die Beweggründe des Engagements, was Start-ups beachten müssen, damit sie erfolgreich sind und was er beim TechMatch gelernt hat.

Wie kamen Sie auf Bielefeld?

Matthias Knaup: Bielefeld ist ein sehr interessanter Standort, auch wenn das erstmal nicht klar ersichtlich ist: Sobald man recherchiert, kommt schnell die Erkenntnis: Dort ist über die Jahre eine große Anzahl Start-ups entstanden – auch bestärkt durch die in Nordrhein-Westfalen vorhandene Innovation und Unterstützung.

Ich hatte ja bei der Eröffnung des TechMatch bereits gesagt, dass in 2018 19 Prozent der Start-up-Gründungen in Deutschland in Nordrhein-Westfalen stattgefunden haben, das damit das Bundesland Berlin auf dem ersten Platz abgelöst hat. Und Berlin wird immer als Start-up-Zentrum gesehen. Dazu kommen viele Investitionen aus dem Maschinenbau und aus dem Hardware-Bereich, woran wir als Texas Instruments natürlich sehr interessiert sind, um frühzeitig mit Firmen Kontakt aufzunehmen.

In Bielefeld wurde der Schwerpunkt auf junge Unternehmen aus dem Bereich Industrie und Automatisierungstechnik gelegt. Gab es einen speziellen Grund dafür?

Wenn man sich Deutschland anschaut, dann haben wir immer noch einen sehr starken Mittelstand und viele Firmen im Familienbesitz, und ich behaupte, dass das Hidden Champions sind. Eine beachtliche Anzahl dieser Unternehmen ist technologisch Weltmarktführer. Und das war einer der Gründe: Zu schauen, wer denn ein neuer Hidden Champion werden kann. Daher der Fokus auf den Bereich Industrie und Automatisierungstechnik.

Wie wurden die präsentierenden Start-ups ausgewählt?

Das wurde wirklich durch die Innovation getrieben. Wir haben geschaut, dass die Start-ups eher aus dem Bereich Hardware kommen, und aus der Halbleitertechnik, in der wir aktiv sind. Der Fokus lag weniger auf Software, sondern darauf, wie man durch eine in Hardware realisierte Lösung Innovation schafft.

Sie haben bei der Eröffnung erwähnt, dass über 200 Start-ups im Vorfeld durchleuchtet wurden. Worauf haben Sie geachtet?

Wir haben uns das genau angeschaut, sind die verschiedenen Bereiche durchgegangen. Und dann haben wir geschaut: Wie innovativ sind die Inhalte, die angeboten werden. Wir haben definitiv nicht auf die Größe, sondern auf die Innovation geachtet.

Wie hat Ihnen der TechMatch persönlich gefallen?

Mir hat er extrem gut gefallen! Ich war absolut begeistert vom Veranstaltungsort und auch von der Dynamik der Unternehmen. Man hat gesehen: Da ist Energie, da ist Innovation. Das fand ich perfekt, und das hat mich unheimlich inspiriert!

Gab es ein Ereignis, das sich Ihnen besonders eingeprägt hat?

Ich fand es interessant, zu sehen, wie viel doch aus den Bereichen Industrie 4.0 und Fabrikautomatisierung gekommen ist, und dass sich Start-ups in Felder vorwagen, die vor nicht allzu langer Zeit nur den ganz großen Firmen vorbehalten waren. Beispielsweise bei der Zustandsüberwachung, also dem Beobachten einer Maschine, um Defekte vorherzusagen. Da gab es ja beim TechMatch etliche Beispiele, wie die SoundCam zur Erzeugung von Akustik-Bildern. An so etwas hätte sich noch vor einigen Jahren kein einziges Start-up getraut. Und jetzt kommt man mit Lösungen, die genau da angesiedelt sind, wo auch ganz große Firmen einen Schwerpunkt haben. Das zu sehen, war für mich sehr faszinierend.

Es gab 12 Präsentationen und 4 zusätzliche Aussteller. Hat das Niveau der Präsentationen insgesamt Ihren Vorstellungen entsprochen?

Das war die zweite große Überraschung: Ich fand das Niveau sehr hoch. Da konnte man technologisch sehen, wie weit die Start-ups schon waren und wie gut das durchdacht war. Zusätzlich auch der Marktzugang und der Business Case, der dahinter war. Man ist wirklich in Bereiche reingegangen, wo man daran geglaubt hat, aus dem Start-up kann was werden. Vor allem die ersten Sechs der präsentierenden Unternehmen haben sich so eingeprägt, dass ich diese weiter selbst beobachten will, weil ich glaube, dass dort etwas entstehen wird.

Zudem war die Skalierbarkeit von allen Zwölf extrem hoch. Es gab kaum Ausreißer und ich würde behaupten, dass auch die Sechs, die nicht an der Spitze waren, mit etwas mehr Zeit oder einer besseren Präsentation weiter nach vorne hätten kommen können.

Das heißt, wir können mit einer Neuauflage rechnen?

Bei Texas Instruments haben wir momentan diverse Themen. Wir engagieren uns ja schon sehr früh bei verschiedenen Universitäten, wir unterstützen auch Hackathons im Industriebereich und der TechMatch ist auf jeden Fall ein sehr guter Zugang. Sicherlich ist final noch nichts entschieden. Aber das Feedback das wir vor Ort und im Nachgang bekommen haben, bestärkt uns darin, diese Serie weiter zu unterstützen.

Ist die Unterstützung von Start-ups durch TI an den TechMatch gebunden, oder können sich Start-ups mit technischen Fragen und Problemen jederzeit an Sie wenden?

Wie auch in der Eröffnungsrede von mir gesagt: Wir haben großes Interesse mit Kunden zusammenzuarbeiten, die Innovationen treiben und an deren Business Case wir glauben. Und da ist aus unserer Sicht nicht die Größe das Entscheidende, sondern die Innovation und die Antwort auf die Frage, wie erfolgreich Texas Instruments gemeinsam mit den Partnern sein kann. Und insofern ist natürlich klar: Es sind nicht nur zwölf, sondern es geht um eine Skalierbarkeit, möglichst alle Kunden bestmöglich zu unterstützen und dafür haben wir auch die richtigen Plattformen geschaffen.

Was ist dabei die beste Vorgehensweise für die Start-ups?

Wir haben stark in die Online-Präsenz auf ti.com investiert. Dort sind unterschiedlichste Bereiche verfügbar. Wir treiben viel Innovation in den Referenz-Designs, wo wir spezielle und frei zugängliche Lösungen mit Blockdiagrammen, Schaltplänen und Layout-Dateien bereitstellen. Daneben bieten wir unsere Engineer-2-Engineer Foren an, bei denen im Hintergrund Experten ihr Wissen zur Verfügung stellen. Dort Fragen zu stellen ist ein guter Anfang.

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