Start-ups: Drohnen für Fertigung und Intralogistik 4.0

| Redakteur: Ines Stotz

Die Drohnen von Viafly navigieren autonom in der dritten Dimension und werden zum Beispiel bei der Überwachung und Instandhaltung größerer Industrieanlagen eingesetzt.
Die Drohnen von Viafly navigieren autonom in der dritten Dimension und werden zum Beispiel bei der Überwachung und Instandhaltung größerer Industrieanlagen eingesetzt. (Bild: Viafly)

Drohnen eignen sich als Transportmittel in der Smart Factory – genauer: für die moderne Intralogistik und die effiziente Instandhaltung. Zwei Start-ups aus OWL gehören zu den Pionieren.

Bielefeld statt Berlin: Aus der Zusammenarbeit im Technologie-Netzwerk it‘s OWL – Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe – entstehen neue Geschäftsideen, die in den vergangenen Jahren zu erfolgreichen Start-ups qualifiziert wurden. In Ostwestfalen-Lippe finden Start-ups beste Voraussetzungen vor – zum Beispiel den Technologiefonds OWL, der mit 13,2 Mio. Euro Kapital ausgestattet ist und in junge Unternehmen investiert.

Mindestens ebenso wichtig ist die hohe Dichte von Hochschulen und Instituten, die oft genug die Keimzelle für die erste Geschäftsidee sind. Die Gründer können sich dann in fünf Start-up-Hubs niederlassen, zum Beispiel der Founders Foundation in Bielefeld, der garage33 in Paderborn, im Knowledge Cube der Hochschule OWL oder im Herforder Denkwerk.

Ebenfalls typisch für OWL und das Technologie-Netzwerk sind die diversen Gelegenheiten zum Austausch. Zum Beispiel gibt es regelmäßige Business Pitches, die Start-ups untereinander, mit Investoren und auch mit den Mittelständlern der Region zusammenbringen. Auf dem OWL-Gemeinschaftsstand auf der Hannover Messe präsentieren Start-ups Ansätze für Künstliche Intelligenz, Robotik, additive Fertigung, Lagerverwaltung und den Einsatz von Drohnen.

Ziel: Drohnen-Anwendungen für die Industrie entwickeln

Dass die Jungunternehmen in OWL sich auf Industrie und Produktion konzentrieren, ist nicht überraschend, denn das spiegelt nur die Wirtschaftsstruktur der Region wider. Gleich zwei Start-ups sind mit dem Ziel angetreten, die industrielle Nutzung von Drohnen voranzutreiben.

Zwar ist der Marktanteil von professionellen Drohnen (d. h. heißt solche mit einem Startgewicht von mehr als 2 kg) mit 3 % eher klein, aber er wächst rasch und die absolute Zahl auch: Ende 2017 gab es rund 22.500 Profi-Drohnen in Deutschland, Ende 2018 waren es schon 37.250.

Viafly: Frei navigierende autonome Drohnen

Die Viafly GmbH verfolgt das Ziel, sich an die technologische Spitze dieses Nischenmarktes zu setzen. Das Unternehmen hat autonome Drohnen entwickelt, die ein klares Unterscheidungsmerkmal bieten. Wolf-Henning Ohly, Gründer von Viafly: „Unsere Drohnen fliegen nicht einfach eine vorgegebene Wegstrecke. Sie können ihr Umfeld verstehen, Objekte erkennen, Hindernisse detektieren und dann auf anderem Weg ihr Ziel erreichen.“ Das setzt intelligente Bildverarbeitung und hohe Rechenleistung voraus: Die Viafly-Drohnen erzeugen ein 360°-Modell von ihrer Umgebung und verarbeiten deren Signale in Echtzeit. Damit können sie Tag und Nacht Objekte bis herab zu einer Größe von 3 mm erkennen und ihnen ausweichen.

Die Zielmärkte für diese frei navigierenden Drohnen sieht Viafly in der Industrie – zum Beispiel in der zivilen Sicherheit. „In der Industrie 4.0 können autonome Drohnen ohne menschliche Piloten Industrieanlagen abfliegen und kontrollieren. Dabei können sie auch in komplexen Umgebungen selbstständig navigieren und mithilfe von künstlicher Intelligenz, Auffälligkeiten erkennen und melden“, erläutert Ohly. Ähnliche Konzepte lassen sich beim Transport und bei der Lagerhaltung verwirklichen. Und die Instandhaltung von Industrieanlagen wird vereinfacht, wenn autonome Drohnen selbsttätig zyklische Inspektionsaufgaben abarbeiten. Letztlich geht es hier also darum, klassische Aufgaben, die in der Industrie anfallen, zu automatisieren.

Die Drohnen von Viafly werden bereits in mehreren Projekten eingesetzt – beispielsweise bei der Überwachung von Flughafengeländen, Windkraftanlagen und Gasreinigungsanlagen. In allen Fällen navigieren sie frei in der dritten Dimension.

Third Element Aviation: Applikationsentwickler für Industriedrohnen

Die sieben Mitarbeiter der Anfang 2017 in Bielefeld gegründeten Third Element Aviation GmbH bringen alle bereits Drohnen-Erfahrungen mit, die man in dieser Branche in Flugstunden misst. Bei der ConVecDro-Drohne aus eigener Entwicklung handelt es sich um einen Hexacopter, das heißt ein Fluggerät mit sechs Rotoren. Geschäftsmodell von Third Element Aviation ist jedoch nicht der Verkauf der Drohne. Vielmehr sieht sich das Unternehmen als Systemanbieter. Firmengründer Marius Schröder: „Wir entwickeln komplette Anwendungspakete: smarte Applikationen, die es unseren Kunden erlauben, Drohnen nahtlos in ihre Workflows einzubinden. Unser Ziel dabei ist es, den Industriestandard für kommerzielle Industriedrohnen neu zu definieren.“

Drohnen transportieren Güter bei Automobilzulieferer

Die Drohnen, die das Kernelement dieser Applikationen sind, müssen nicht unbedingt autonom fliegen – aber sie können es. Das stellt Third Element Aviation bei ZF in Friedrichshafen unter Beweis. Der Automobilzulieferer setzt als erstes Unternehmen in Deutschland automatisierte Drohnen für den Transport von Gütern auf dem Werksgelände ein.

„Wir haben Drohnen mit einer angepassten Benutzeroberfläche und einer 4G-LTE-Lösung entwickelt, die Ersatzteile wie Sensoren oder Steuerkarten vom Zentrallager in die Werkstätten fliegen können“, so Schröder. Wenn die Testflüge abgeschlossen sind und die Drohnen ordnungsgemäß eingesetzt werden, entlasten sie den Fahrzeugverkehr im Werk und sparen Zeit auf den bis zu 1 km langen Zustellrouten, die sich häufig in den oberen Etagen der Gebäude befinden. Der 30 km/h schnelle Hexacopter kann bis zu 3 kg Nutzlast transportieren und pro Batterieladung 30 bis 40 Minuten fliegen.

Third Element Aviation hat einen renommierten Partner und Investor gefunden: Der Roboterhersteller Blue Ocean Robotics in Odense/Dänemark hat sich am Unternehmen beteiligt. Viafly hat für seine Innovation ebenfalls schnell Partner gewonnen, darunter Westfalenwind, den Software-Spezialisten dmc-smartsystems und das Beratungshaus u+i Interact. Beide Start-ups bringen Innovationen in die industrielle Intralogistik, Produktion und Instandhaltung und zeigen damit auch ein zukünftiges Anwendungsfeld für die in OWL stark vertretene Automatisierungstechnik – in der dritten Dimension.

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Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Elektrotechnik.

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