Start-ups bringen Solaranlagen in Schwellenländer

| Autor: Sebastian Gerstl

Musterinstallation: Mit modularen Solaranlagen will das Start-up Solarworx die Energieversorgung in strukturschwachen Regionen Afrikas sicherstellen.
Musterinstallation: Mit modularen Solaranlagen will das Start-up Solarworx die Energieversorgung in strukturschwachen Regionen Afrikas sicherstellen. (Bild: Solarworx.io)

Pläne, Solarstrom in strukturschwache Regionen Afrikas zu bringen, sind in der Vergangenheit meist gescheitert. Doch neue Projekte greifen den Plan wieder auf und setzen verstärkt auf lokale Partner.

Wenigstens 1,2 Milliarden Menschen weltweit haben aktuell keinen Zugang zu einer zuverlässigen Stromversorgung. Davon lebt allein die Hälfte, 600 Millionen, in Subsahara Afrika. Die Infrastruktur für Kraftwerke oder die Anbindung ganzer Landstriche an solche ist schlichtweg nicht vorhanden. Das behindert diese Regionen nicht nur in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, sondern hält auch Bildungschancen für Kinder und Erwachsene zurück. Ob in Simbabwe oder Kamerun – in vielen Ortschaften dieser Länder muss man um Kühlschränke, Wasserpumpen oder einfach nur Deckenlampen zu betreiben, auf Diesel- oder Kerosin-Generatoren zurückgreifen.

Dabei zählen diese Regionen durchaus als aufstrebend. So zählt etwa der Senegal mit einem Wirtschaftswachstum von jährlich 7% zu einer aufstrebenden Volkswirtschaft. Zudem weist der Subsahara-Raum (etwa mit mehr als 2500 Sonnenstunden im Raum Südafrika allein) großes Potential für Solarenergie auf – weit mehr als Deutschland, dass es selbst in seinen besten Jahren nur auf wenig mehr als 2000 Sonnenstunden schafft.

Zahlreiche Unternehmungen haben sich daher dem Bestreben gewidmet, erschwingliche Solarenergie in die strukturschwachen Regionen Subsahara-Afrikas zu bringen. Doch in der Vergangenheit sind viele dieser Bemühungen gescheitert.

Die Schwierigkeiten ergeben sich meistens aus dem volatilen afrikanischen Markt, der einen Direktvertrieb von Europa aus schwierig gestaltet. Zudem fällt es von Deutschland aus schwer, Teams gerade in infrastrukturell schlecht ausgebauten Regionen gut zu koordinieren. Um den Solaranlagen in Afrika dennoch zum Erfolg zu verhelfen, setzen heute diverse Projekte und Unternehmen auf direkte Partnerschaften vor Ort.

SunErgy: Solarkraftwerke für kamerunische Dörfer

Eines dieser Projekte nennt sich SunErgy. Der Norweger Stein Skjorshammer war CEO von Alcatel Nova, ehe er 2012 SunErgy AS gründete und nach Kamerum ging, um dort den lokalen Bau von Solarkraftwerken voranzutreiben.

Mittlerweile versorgen die kleinen Solaranlagen von SunErgy sieben kamerunische Dörfer netzunabhängig mit Strom. Allerdings sind die Kosten für Solaranlagen gerade in infrastrukturarmen Regionen hoch, so dass Skjorshammer stets nach externen Investoren sucht. Seit September 2019 wird SunErgy AS daher von der Münchner KGAL New Frontiers GmbH unterstützt, die 22% an dem Unternehmen übernommen haben.

Solarworx: Modulare Anlagen und B2B-Partner vor Ort

Solarworx setzt statt auf den Direktvertrieb aus der Ferne ausschließlich auf das B2B-Geschäft mit Distributoren vor Ort, die auch in lokalen Sprachen wie Suaheli oder Woloof handeln können. Zudem vertreibt das 2017 in Berlin gegründete Start-up nicht komplette Solarkraftwerke, sondern setzt auf individuelle Solarmodule, die sich je nach Bedarf erweitern oder untereinander zu einem DC-Microgrid verbinden lassen. Solarworx lässt die Solaranlagen günstig in China produzieren und verkauft diese für etwa 300 Euro an die Distributoren in Partnerländern wie etwa Senegal weiter. Dort werden sie zu einem Preis von umgerechnet 600 Euro gehandelt. Um Abnehmern das Bezahlen zu erleichtern, sind die Solar-Module IoT-integriert; Kunden können bequem über ihr Handyguthaben in Raten bezahlen.

Energiewende: Neue Geschäftsmodelle durch

Energiewende: Neue Geschäftsmodelle durch

12.06.17 - Im Rahmen der Energiewende werden die klassischen Modelle der zentralen Energiegewinnung revolutioniert. Während früher Energieversorger mit der Herstellung und Verteilung von elektrischer Energie beschäftigt waren, bieten neue Konzepte wie Solar- oder Windstrom die Möglichkeit zur dezentralen Energiegewinnung und Einspeisung ins Netz. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Ein guter Beitrag, mit sehr vielen Möglichkeiten. Das derzeit Photovoltaik-Module noch außerhalb...  lesen
posted am 11.12.2019 um 17:01 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46210225 / Stromversorgungen)