Gehäusetechnik Spritzgussgehäuse aus nachwachsenden Rohstoffen

Autor / Redakteur: Karin Ferenbach * / Kristin Rinortner

Gehäuse aus Naturfaser-Verbundwerkstoffen gleichen im Eigenschaftsprofil Gehäusen aus schlagzähen Kunststoffen. Die Eigenschaften lassen sich durch Additive im Bio-Granulat einstellen..

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Kunststoffprodukte sind heute allgegenwärtig, sie machen unser Leben sicherer und angenehmer. Sie unterliegen nicht der Korrosion und lassen sich in nahezu jede beliebige Form bringen. Auch im Sinn der Nachhaltigkeit gibt es viele positive Ansätze, wie zum Beispiel die Produkte haltbarer zu machen und den Materialverbrauch geringer zu halten.

Mit der Markteinführung der Gehäuseserie NawaRo (Nachwachsende Rohstoffe) übernimmt Richard Wöhr eine Vorreiterrolle in punkto Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Als erster Gehäusehersteller bietet das Familienunternehmen mit Sitz in Höfen/Enz branchenweit ein derartiges Standardprogramm aus 100% biologisch abbaubaren Spritzgussgehäusen aus Biokunststoffen an.

Letztere bestehen zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen, die nicht als Nahrungsmittel eingesetzt werden, sondern Beiprodukte aus industrieller Fertigung sind.Wenngleich konventionelle Kunststoffe noch für lange Zeit unverzichtbar bleiben, schreitet die Entwicklung alternativer Werkstoffe weiter voran. Diese Entwicklung und ein damit verbundenes wachsendes ökologisches Bewusstsein bei Herstellern und Verbrauchern aktiv mit zu gestalten ist das Ziel der Produkteinführung im Hause Wöhr.

Bereits seit dem Jahr 2003 befasst sich der Hersteller von Industriekomponenten mit dem Einsatz von Naturfaserverbundwerkstoffen bei der Herstellung von Gehäusen. Ein erster Prototyp auf Basis von Sisal- und Hanffasern wurde Anfang 2004 realisiert. Da die nötige Stabilisierung und Festigkeit des Materials jedoch nur in Verbindung mit Kunstharzen ermöglicht werden konnte, blieb es zunächst bei einer eingeschränkten Kompostierbarkeit der Gehäuse.

Verbundwerkstoff aus Holz und Pflanzenfasern

Bei den aktuellen Werkstoffen handelt es sich um ein Compound aus Holz- und anderen pflanzlichen Fasern mit dem Hauptbestandteil Lignin, dem neben der Zellulose am häufigsten in der Natur vorkommenden organischen Stoff. Der Verbundwerkstoff enthält ausschließlich Holzfasern aus regionalen Sägewerken im süddeutschen Raum und damit aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Lignin ist eine dreidimensional vernetzte, aromatische Kohlenwasserstoffverbindung. Es ist in der Zellwand von verholzten Pflanzen wie Gräsern, Stauden, Sträuchern und Bäumen eingelagert und dient dort als Festigungselement. Bei der Papierherstellung ist Lignin unerwünscht, weil es zur Vergilbung beiträgt. Deshalb wird es chemisch entfernt und findet dann als industrieller Beistoff Verwendung in anderen Einsatzbereichen, so auch in Granulaten zur Herstellung von Biokunststoffprodukten.

Einsatz von „Holz“ wie ein herkömmlicher Kunststoff

Das Unternehmen ist so in der Lage, den Werkstoff Holz wie einen herkömmlichen thermoplastischen Kunststoff einzusetzen. In den nächsten Jahren sind nach Einschätzung aus Fachkreisen Wachstumsraten von 20% in der Produktion von Biokunststoffen zu erwarten.

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