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Ex-Aufsichtsratschef bricht sein Schweigen „Spiegel“: Piëch schwärzt Winterkorn an

| Autor: Christoph Seyerlein

Bislang hat Ferdinand Piëch in der Diesel-Affäre geschwiegen. Nun hat der ehemalige Aufsichtsratschef von Volkswagen einem Medienbericht zufolge sein Schweigen gebrochen. Die Aussagen des 79-Jährigen belasten Ex-Vorstandsboss Martin Winterkorn schwer.

Ferdinand Piëch (re.) setzt Martin Winterkorn zusätzlich unter Druck.
Ferdinand Piëch (re.) setzt Martin Winterkorn zusätzlich unter Druck.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagens ehemaliger Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat Martin Winterkorn in der Abgas-Affäre offenbar schwer vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig belastet. Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ auf seinem Onlineportal vermeldet, soll Ex-Konzernchef Winterkorn Piëch zufolge wesentlich früher von den Diesel-Tricksereien erfahren haben, als er bislang eingesteht.

Piëch selbst will dem Bericht zufolge erstmals Ende Februar 2015 Informationen über die Abgas-Probleme von VW in den USA erhalten haben. Kurz darauf hätten die US-Behörden Hinweise darauf an VW übermittelt. Als er Winterkorn darauf ansprach, habe dieser ihm versichert, dass kein solches Papier existiere, soll Piëch laut „Spiegel“ den Ermittlern bereits Ende des vergangenen Jahres gesagt haben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig selbst äußerte sich nicht zu dem Bericht. Auch VW gab keinen Kommentar ab. „Zu laufenden Untersuchungen äußern wir uns nicht“, sagte ein Sprecher. Winterkorn selbst will sich seinen Anwälten zufolge erst dann zu Piëchs Aussagen äußern, wenn ihm alle Akten der Staatsanwaltschaft zur Einsicht vorliegen.

Winterkorn hat mehrfach betont, erst im September 2015 von den millionenfachen Abgastricks erfahren zu haben, unter anderem beteuerte er dies auch vor dem Untersuchungsausschuss zur VW-Affäre im Bundestag. Dennoch hatte die Braunschweiger Staatsanwaltschaft vergangene Woche die Ermittlungen gegen ihn auf den Betrugsverdacht ausgeweitet, zuvor stand allein der Vorwurf der Marktmanipulation im Raum.

Piëch hatte bislang zur Abgas-Affäre geschwiegen. Der 79-Jährige war im April 2015 über einen Machtkampf mit Winterkorn gestolpert und hatte daraufhin am 25. April sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen niedergelegt. Winterkorn selbst war kurz nach Bekanntwerden von „Dieselgate“ am 23. September 2015 als Vorstandschef von Volkswagen zurückgetreten.

Für VW spitzt sich die Situation in der nun schon ins dritte Jahr gehenden Diesel-Affäre weiter zu. Inzwischen hat erstmals ein Großkunde eine wegen des Skandals Klage eingereicht: Der Fischverarbeiter Deutsche See, der 500 betroffene Fahrzeuge von VW bezogen hat, fordert 11,9 Millionen Euro Schadenersatz. Der Gruoßkunde fühle sich von VW hintergangen, wie ein Sprecher des Unternehmens anführte: „Umweltfreundliche Mobilität war der Grundgedanke der Partnerschaft.“ Das sei auch schriftlich so festgehalten worden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal KFZ-Betrieb.

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