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Raumfahrt SpaceX plant 2018 Mondumrundung mit Weltraumtouristen

| Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Mehr als 40 Jahre ist der bislang letzte bemannte Raumflug zum Mond her. 2018 soll der nächste anstehen – auf private Initiative: Das Unternehmen SpaceX will zwei zivile Touristen den Mond umkreisen lassen.

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"Dragon"-Raumkapsel des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX: Wie CEO Elon Musk per Twitter bestätigte plant das Unternehmen, 2018 Weltraumtouristen zu einer Umrundung des Mondes ins Weltall zu schießen.
"Dragon"-Raumkapsel des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX: Wie CEO Elon Musk per Twitter bestätigte plant das Unternehmen, 2018 Weltraumtouristen zu einer Umrundung des Mondes ins Weltall zu schießen.
(Bild: SpaceX)

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX will bereits im nächsten Jahr zwei zivile Weltraumtouristen um den Mond fliegen. Die beiden Kandidaten haben schon eine „bedeutende Anzahlung“ geleistet und sollen im Laufe des Jahres mit dem Training beginnen, wie SpaceX am Montag (Ortszeit) mitteilte. Die Namen der beiden Weltraumtouristen wurden nicht genannt.

Mehrere Unternehmen haben bereits Touristen ins Weltall gebracht - eine Mondumrundung aber wurde mit Raumfahrt-Laien bisher nicht vorgenommen. Der bislang letzte bemannte Raumflug zum Mond war 1972 die Apollo 17-Mission der US-Raumfahrtbehörde NASA.

„Wie die Apollo-Astronauten vor ihnen werden auch diese beiden Menschen mit den Hoffnungen und Träumen der Menschheit in den Weltraum reisen, angetrieben vom universellen Geist der Entdeckung“, hieß es von SpaceX. Demnach gibt es schon Anfragen für weitere Touristenflüge.

Für den Flug solle das „Dragon“-Raumschiff genutzt werden. Mit ihm bringt das vom Technik-Pionier Elon Musk gegründete Unternehmen im Auftrag der NASA bereits Nachschub und laut Plan demnächst auch Astronauten zur Internationalen Raumstation (ISS). Noch in diesem Jahr soll die für bemannte Transporte angepasste Version des Raumschiffs erstmals getestet werden, zunächst unbemannt.

Die NASA gratulierte ihrem „Branchenpartner“ per Mitteilung. Sie arbeite bei dem Vorhaben eng mit SpaceX zusammen. Man habe ein Interesse an einer starken US-Weltraumindustrie, um den Rücken für weite Weltraumflüge frei zu haben, die über den Mond hinaus gehen.

Ein deutscher Experte hält den SpaceX-Plan für durchaus realistisch, wenn auch nicht in dem vorgelegten Zeitrahmen. „Ob es 2018 soweit sein wird, würde ich eher kritisch einschätzen“, sagte Martin Buscher vom Institut für Luft- und Raumfahrt der TU Berlin. Bei den finanziellen Möglichkeiten von Musk sei ein solcher Flug aber zeitnah möglich. „Wie alle Ziele von Musk ist es sehr hochgegriffen, sehr ambitioniert“, sagte Buscher.

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MEHRWEG-RAKETEN: Es gilt als Meilenstein der Raumfahrt: Im Dezember 2015 kehrt mit der Falcon 9 erstmals eine Trägerrakete nach einer Mission heil und aufrecht zum Startplatz auf die Erde zurück. Nachdem sie elf Kommunikationssatelliten im All ausgesetzt hat, beschreibt sie in etwa die Bahn eines Kugelschreibers, der sich in der Luft um 180 Grad dreht. Auf dieser Kurve fliegt die Falcon 9 zurück und landet elf Minuten nach dem Start wieder in Florida. Im April 2016 bringt die Falcon 9 erstmals einen Frachter auf den Weg Richtung Raumstation ISS. Zuvor waren einige Versuche gescheitert.

MARS-SIEDLUNGEN: Menschen auf dem Mars - im September 2016 stellt Musk detaillierte Ideen für eine Besiedlung des Planeten vor. Große Raumschiffe, die im All betankt werden können, sollen mindestens 100 Menschen und riesige Mengen Material transportieren. SpaceX will möglicherweise schon 2018 ein unbemanntes Raumschiff zum Mars schicken, ab 2025 könnten die ersten Menschen seiner Vision zufolge dorthin reisen. Die Nasa schätzt, dass eine Reise nach derzeitigem technischen Stand rund acht Monate dauern würde.

AUTOPILOT: Seit Oktober 2015 lässt der Elektroauto-Hersteller Tesla, an dessen Spitze Musk steht, seine Fahrzeuge automatisch die Spur und den Abstand halten. Außerdem sollen sie auch die Spur wechseln und einparken können. Kritik kommt an dem Fahrassistenz-System, als einige Monate später der erste Mensch bei einem Unfall in einem vom Computer gesteuerten Auto stirbt.

AUTONOMES FAHREN: Im Oktober 2016 teilt Tesla mit, dass das Unternehmen als erstes in der Branche alle seine künftigen Fahrzeuge zu selbstfahrenden Wagen machen will. Dafür werden neu gebaute Autos mit der nötigen Technik für komplett autonomes Fahren ausgerüstet. Musk sagt zum Zeitplan, dass es bis Ende 2017 zum Beispiel möglich sein solle, von Los Angeles nach New York gefahren zu werden, ohne auch nur einen Handgriff machen zu müssen.

SUPER-LADESTATIONEN: Die sogenannten Supercharger brauchen rund 75 Minuten, um einen Tesla-Akku komplett aufzuladen und eine halbe Stunde für eine halbe Ladung. Vier Jahre nach Einführung gibt es Ende 2016 ein Netz von rund 4600 solchen Säulen.

HYPERLOOP: Mit einer Hyperloop genannten Röhre will Musk irgendwann in der Zukunft per Unterdruck Passagiere mit nahezu Schallgeschwindigkeit wie eine Art Rohrpost transportieren. Im August 2013 stellt er seine Pläne für auf Luftkissen schwebende Kapseln vor. Das Vorhaben berechnet er mit bis zu 7,5 Milliarden US-Dollar.

Der Raumfahrttechnik-Experte sieht Schwierigkeiten insbesondere darin, eine Rakete zu konstruieren, die es bis zum Mond schafft. „Es gibt Erfahrungen aus dem US-Mondprogramm.“ Seitdem seien aber mehr als 40 Jahre vergangen. SpaceX will laut Mitteilung im Sommer erstmals die besonders starke Rakete „Falcon Heavy“ testen. Auch das Training der Mondflug-Passagiere brauche Zeit, gab Buscher zu bedenken.

Der Mond ist schon seit einiger Zeit wieder in den Fokus von Raumfahrtagenturen gerückt. Buscher erklärt sich das auch damit, dass die staatlichen Institutionen nicht in der dritten Reihe stehen wollen, wenn private Unternehmen zum Mond drängen. Zudem könnte eine Rolle spielen, dass die Zukunft der ISS nur bis 2024 gesichert ist und man nach neuen großen Projekten sucht.

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