Solarzellen aus der kristallinen Siliziumsynthese ohne Abfälle

| Redakteur: Hendrik Härter

Wissenschaftler untersuchen eine neuartige Technik, bei der das Solarsilizium auf Glassubstraten mit einer Schichtdicke von circa 20 μm direkt erzeugt wird.
Wissenschaftler untersuchen eine neuartige Technik, bei der das Solarsilizium auf Glassubstraten mit einer Schichtdicke von circa 20 μm direkt erzeugt wird. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Künftig sollen Solarzellen aus der kristallinen Siliziumsynthese hergestellt werden. Das hätte den Vorteil, dass sich Solarsilizium völlig ohne Abfall herstellen ließe.

In der Photovoltaik dominiert nach wie vor die kristalline Siliziumtechnik den Markt. Hierbei werden aus metallurgischem Silizium in einem energetisch aufwändigen chemischen Prozess mit hohen Abfallströmen hochreine Siliziumblöcke, die sogenannten Ingots, hergestellt. Diese werden in Scheiben (Wafer) von circa 180 μm zersägt, geschliffen, zu Solarzellen prozessiert, elektrisch verschaltet und zu einem Photovoltaikmodul verkapselt.

Die hochreinen Siliziumwafer machen einen hohen Kostenanteil von etwa 40% am fertigen Solarmodul aus. Bei der Herstellung der Siliziumwafer aus einem Silizium-Ingot entstehen Sägeverluste, welche in etwa der Waferdicke entsprechen. Mit anderen Worten: die Hälfte des Wafers wird zu Sägestaub. Aus physikalischen Gründen wäre eine Dicke von circa 20 μm (Dünnschichttechnik) ausreichend, ist aber im gängigen Herstellungsverfahren nicht produzierbar.

Solarsilizium direkt und ohne Abfall erzeugen

Wissenschaftler untersuchen eine völlig neuartige Technik, bei der das Solarsilizium auf Glassubstraten mit einer Schichtdicke von circa 20 μm direkt erzeugt wird und dabei die grundsätzliche Machbarkeit bestätigt wird. Hierbei wurden die Glasscheiben unter einem Druck von circa zwei Bar und einer Temperatur von circa 600 °C mit Aluminium in Kontakt gebracht. Bei der sich einstellenden Redoxreaktion von Aluminium mit Siliziumoxid wird aus der Glasschicht heraus kristallines Silizium synthetisiert. Zwischen der Siliziumschicht und dem Glas ergeben sich eine für die Prozesssicherung vorteilhafte dünne Schicht mit hoher Aluminiumkonzentration sowie eine Aluminiumoxidschicht.

Das Verfahren soll in großem Umfang Energie für die Ingot- und Waferherstellung einsparen, nach Abschätzung des Antragstellers sind das rund 87%. Außerdem wird auch der Materialbedarf um ungefähr 90% gesenkt. Im Gegensatz zum derzeitigen Herstellungsverfahren von Solarsilizium – bei dem 19 kg Neben- und Abfallstoffe pro Kilogramm Silizium entstehen – handelt es sich hier um ein völlig abfallfreies Verfahren.

Hohe Reinheit der Siliziumschicht

In der zweiten Phase des Projektes wurden Proben mit einer Fläche von ungefähr einem Quadratzentimeter auf einfachem Floatglas hergestellt. Dass dieser neuartige Syntheseprozess unterhalb der Aluminium-Schmelztemperatur durch ein Zusammenwirken von oxidierten Grenzflächen bestimmt wird, ist dabei eine grundlegende Erkenntnis. Hierüber wurde ein internationales Patent angemeldet und bereits veröffentlicht.

Die physikalisch chemischen Untersuchungen belegen sowohl die sehr gute Kristallinität der Siliziumschicht als auch deren hohe Reinheit. Nachfolgende Reinigungsverfahren erscheinen nicht notwendig. Hauptziel des nun gestarteten Folgeprojektes ist die Entwicklung eines robusten Verfahrens zur reproduzierbaren Herstellung von Proben mit einer homogenen Siliziumfläche von zwei mal zwei Quadratzentimetern. Hierzu sollen die physikalisch chemischen Prozessabläufe weiter untersucht werden, um die Aluminium-Dotierung noch weiter zu reduzieren und das epitaktische Kristall-Wachstum weiter zu verbessern. Insbesondere ist die Funktionalität von Diffusionskanälen in der Aluminiumoxid-Barriere von Bedeutung sowie die Funktionalität des Oxidlayers als Epitaxieschicht.

Mit den hergestellten optimierten Probenkörpern sollen erste Solarzellen am Helmholtz-Zentrum Berlin prozessiert werden, um den potentiellen Wirkungsgrad durch Vergleiche zu bestehenden kristallinen Silizium-Dünnschicht-Ansätzen nachzuweisen. Abschließend erfolgt die wirtschaftliche Bewertung im Hinblick auf eine großtechnische Herstellung.

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