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Solarenergie aus Afrika: Licht und Schatten des Stroms aus der Wüste

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MASEN und die marokkanische Strategie

In der Branche wird währenddessen der Wettbewerb zwischen PV-Anlagen und CSP-Kraftwerken bei der Umwandlung von Sonnenstrahlen in elektrische Energie heftig diskutiert. Beide Techniken werden in Ouarzazarte, also am gleichen Ort, zum Einsatz kommen. Es ist davon auszugehen, dass die Marokkaner hier einen technischen Vergleich durchführen. Dabei können PV-Anlagen den elektrischen Strom günstiger produzieren und CSP-Anlagen die Energie speichern.

Hierzu meint der technische Direktor von MASEN, Abderrahim Jamrami, dass es wichtig sei, für eine Stromversorgung Rund um die Uhr sorgen. Hierzu werden gerade Simulationen durchgeführt, so der Marokkaner. Dabei läuft es auf eine Mischung der Techniken hinaus, wobei CSP den Strom in der Nacht produziert.

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Die Frage nach der Weiterentwicklung der Technik im eigenen Land beantwortet der technische Direktor von Masen: „Im Bereich Automobil- und Luftfahrtindustrie ist Marokko erfolgreich. Auch werden wir versuchen, unsere Kapazitäten bei der Energie auszubauen.“ Die Marokkaner wollen ein Land werden, dass sehr aktiv bei den erneuerbaren Energien ist, und viele Komponenten werden schon in dem nordafrikanischen Land gefertigt, so der Energiespezialist von MASEN.

„Auch entsteht in Ouarzazarte erstmals ein Kraftwerk im Landesinneren. Bislang mussten wir fossile Rohstoffe kaufen, und die Kraftwerke befanden sich in der Nähe des Meeres. Das ist dann auch ein strukturelles Problem bei der Energieversorgung, “ meint der marokkanische Energie-Manager.

Über einen Stromtransport nach Europa, das war ja ein Aspekt der Desertec Vision, denkt man bei MASEN nach, denn Jamrami meint hierzu: „Wir können die Windenergie für weniger als 3 Cent pro kWh produzieren, das geht auch bei PV - Anlagen. Es ist daher nicht interessant Elektrizität im Norden von Europa zu produzieren, wenn es dreimal teurer ist. Hier zeichnet sich eine Win-Win-Situation zwischen Europa und Marokko ab, erklärt Jamrami.

Der Bau des Solarkraftwerkes in Ouarzazate

Über die nicht problemlose Projektrealisierung in Ouarzazate berichtete der Country Manager von Acwa Badis Derradiji: Für das Projekt mussten 360 Tonnen Equipment über das Atlasgebirge in die abgeschiedene Gegend gebracht werden – kein leichtes Unterfangen über die kurvenreichen Straßen. Auch ein Teil des Personals musste während des Baus häufig mit Kleinflugzeugen eingeflogen werden.

Positive Effekte für die Bevölkerung der umliegenden Orte blieben in dem erwarten Umfang aus. Es kam zu Protesten vor der Baustelle wegen der fehlenden sozialen Impulse. Für den Bau des Kraftwerks wurden zeitweise 2000 Menschen beschäftigt, viele kamen aus Marokko. Gerade beim Stahlbau gab es lokale Wertschöpfungen. Jedoch waren auch viele gutverdienende Menschen aus anderen Ländern in der Stadt und die als reich geltenden Saudis sind in Marokko nicht gerade beliebt.

Für den Betrieb des Kraftwerks werden etwa 80 Menschen beschäftigt. Diese sind zwar fast ausschließlich aus Marokko, jedoch erfüllen sich die Hoffnungen der Bevölkerung noch nicht. Acwa habe reagiert, so Derradiji in seinen Ausführungen, und einen Agrarexperten eingestellt. Dieser unterstützt umliegende dörfliche Gemeinschaften bei der Landwirtschaft. Hier solle ein signifikanter ökonomischer Effekt für die arme Gegend erzeugt werden, beschreibt der Saudi die Situation bei der Produktion des emissionsfreien Solarstroms am Tor zur Sahara.

* Dr. Thomas Isenburg ist freier Journalist für Energiethemen auch in Afrika.

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