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Elektronik Hilft Solarenergie aus Afrika: Licht und Schatten des Stroms aus der Wüste

| Autor / Redakteur: Dr. Thomas Isenburg * / Johann Wiesböck

Die Idee zum Solarstromprojekt Desertec stammt aus dem Umfeld des Club of Rome, der sich um eine nachhaltige Zukunft der Menschheit bemüht. Welche Solaranlagen wurden bis dato realisiert und wie weit profitiert die Bevölkerung?

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Bild 1: Im marokkanischen Ouarzazate entsteht zurzeit einer der größten Solarkomplexe der Welt. Mit Noor 1 ging bereits ein 160 MW Solarkraftwerk in den Betrieb.
Bild 1: Im marokkanischen Ouarzazate entsteht zurzeit einer der größten Solarkomplexe der Welt. Mit Noor 1 ging bereits ein 160 MW Solarkraftwerk in den Betrieb.
(Bild: Dr. Thomas Isenburg)

Es war das Umfeld des Club of Rome in seiner Bemühung um eine nachhaltige Zukunft der Menschheit auf unserem blauen Planeten, das die Desertec-Vision entwickelte. In den Jahren 2004 bis 2009 gingen Wissenschaftler um den Physiker Gerhard Kniest dieser Idee nach.

Gigantische Solarkraftwerke könnten einmal in Nordafrika und dem Nahen Osten in von der Sonne durchfluteten Wüsten den elektrischen Strom für Europa produzieren, so der Ansatz. Im Gegenzug sollte Geld in die leeren Kassen Nordafrikas für dortige Entwicklungen gespült werden. Begleitet wird das ehrgeizige Projekt von Erkenntnissen um steigende Kohlendioxidemissionen und Strategien zur Vermeidung des drohenden Klimawandels.

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Die Dii und ihre Herausforderungen

2009 interessierte sich besonders die deutsche Industrie für das Projekt und meinte, es realisieren zu können. Der entsprechende Kapitalbedarf wurde auf 400 Milliarden Euro geschätzt. Politik, Wirtschaft und NGOs wollten zum großen Schlag ausholen und in München wurde eigens die Dii GmbH gegründet.

Beteiligt war das „Who is Who“ der deutschen Wirtschaft, denn Unternehmen wie Siemens, ABB, RWE, EON sowie die Versicherung Münchner Rück waren Gesellschafter. Unter Leitung des holländischen Energiemanagers Paul van Son wurde begonnen, Hürden und Chancen des Projekts auszuloten.

Mit großem medialem Aufwand baute die GmbH mit bis zu 35 Gesellschaftern ein Netzwerk auf und entwickelte Studien zu den Realisierungschancen der Vision. 2014 hatten bereits viele Gesellschafter die GmbH verlassen. Paul van Son äußert hierzu abschließend: „2014 war unsere Arbeit getan und die Rahmenbedingungen für das visionäre Projekt ermittelt.“

Im Kreis der Gesellschafter waren der saudische Energieversorger Acawa Power und das chinesische Unternehmen State Grid Cooperation of China für Stromnetze verblieben. Paul van Son fing beim Essener Energiekonzern RWE mit Standort in Dubai an.

Im Oktober, bei einem Workshop der Dii in Rabat, einem Treffen des harten Kerns der Branche, meinte der Holländer: „Oft wird die Frage gestellt: 100 Prozent erneuerbare Energien – ist das möglich? Es kann funktionieren, das haben Länder wie Costa Rica und Norwegen bewiesen. Dabei kommt es auf den Preis für Energie an und der kann auch negativ sein, wenn zu viel Sonnen- und Windstrom im Netz ist, wie es Deutschland gerade zeigt.“ Die Chancen für erneuerbare Energien in der Region bewertet der Energieexperte sehr positiv: Es sei eine Frage des Energiemixes.

Was war jedoch inzwischen geschehen? Die Nordafrikaner hatten die ehrgeizigen Pläne der Europäer als neokolonialistisch wahrgenommen. Sie wollen eine bestehende Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen nicht durch eine Abhängigkeit von europäischer Technik ersetzen. Auch verfolgte Marokkos König seine eigenen Pläne. Das Land besitzt anders als seine Nachbarn keine fossilen Ressourcen und will bis 2020 42 Prozent seines Energiebedarfs aus fossilen Ressourcen bestreiten.

Hierzu gründete er eigens die Organisation MASEN unter Leitung seines Beraters Mustapha Bakkoury. Überdies beschäftigten sich die Marokkaner unabhängig von den Interessen der deutschen Industrie mit dem Bau großer Solarkraftwerke. Paul van Son resümierte kürzlich: „Wir waren 35 Gesellschafter und jeder hat seine eigenen Interessen verfolgt. Es war eben zu sehr aus der deutschen und europäischen Perspektive gedacht.“

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