Softwaretool vereinfacht die Klemmleisten-Projektierung

| Autor / Redakteur: Miguel Delgado Abracos * / Kristin Rinortner

Für alle Phasen der Klemmenleisten-Projektierung: Project complete unterstützt von der Elektroplanung bis zur Lieferung des fertigen Produkts.
Für alle Phasen der Klemmenleisten-Projektierung: Project complete unterstützt von der Elektroplanung bis zur Lieferung des fertigen Produkts. (Bilder: Phoenix Contact)

Schalt- und Verdrahtungspläne werden heute mithilfe von CAE-Tools erstellt. Welche Optimierungspotenziale sich bei der Auswahl von Produkten wie Reihenklemmen ergeben, zeigt dieser Beitrag.

Zunehmende Komplexität und hoher Kostendruck im Schaltschrank- und Anlagenbau erfordern eine immer effizientere Prozessgestaltung. Umfassende und durchgängige Lösungsansätze sind eine wichtige Voraussetzung, um Effizienz-Potenziale bei der Klemmenleistenprojektierung zu erschließen. Benötigt wird hier eine intelligente Software, die den komplexen Prozess von der Planung bis zur Montage unterstützt.

Noch vor 25 Jahren wurden Schalt- und Verdrahtungspläne aufwändig von Hand an Konstruktionstischen gezeichnet, entsprechende Stück- und Bestelllisten der zu verwendenden Komponenten wurden manuell erzeugt und verteilt. Diese Arbeitsweise bindet nicht nur Zeit und Kapazitäten, sondern ist auch anfällig für Fehler über die gesamte Prozesskette.

Heutzutage ist hier der Einsatz leistungsfähiger Werkzeuge alltäglich – wie etwa CAE(Computer Aided Engineering)-Systeme zur Erstellung elektrischer Schaltpläne.

Effizienz-Potenziale im Workflow identifizieren

Betrachtet man das Thema detailliert, zeigen sich erhebliche Optimierungspotenziale. Bei der Auswahl von Produkten wie Reihenklemmen wird noch häufig auf Kataloge oder Datenbanken zurückgegriffen. Die Engineering-Kosten übersteigen dabei die Materialkosten oft um ein Vielfaches. Nicht anders ist es bei der Kennzeichnung der Komponenten in Schaltschränken und Anlagen: Listen mit Markierungsdaten werden manuell in die Markierungs-Software eingegeben – das ist zeitintensiv und fehleranfällig. Durchgängige Prozesse senken hier nicht nur die Engineering- und Montagekosten, sie helfen auch, Fehler zu vermeiden.

Mit der Planungs- und Markierungs-Software „Project complete“ sowie den Drucksystemen aus dem Produktprogramm „Marking System“ bietet Phoenix Contact durchgängige Lösungen: von der Planung, Projektierung und Bestellung der Klemmenleisten bis hin zur Erstellung individueller Beschriftungen für Klemmen, Kabel und Leitungen sowie für Geräte und Anlagen.

Die Integratoren arbeiten meist mit Planungsbüros zusammen und erstellen komplette Projekt- und Stromlaufpläne, die in CAE-Systemen abgebildet sind. Dazu müssen die Daten von Komponenten, Bauteilen, Funktionen, Anschlussquerschnitten und Kennzeichnungsinformationen aus der Planungs- und Projektierungsphase digital vorliegen.

Hier setzt Project complete an: Als integrativer Bestandteil der gesamten Wertschöpfungskette übernimmt die Planungs- und Markierungs-Software aus nahezu allen gängigen CAE-Systemen die digitalen Daten.

Vom Schaltplan bis zur vollständigen Klemmenleiste

Mit CAE-Systemen werden heute komplexe Projekte im Schaltschrank- und Anlagenbau geplant, durchgeführt und verwaltet. Damit die Suche nach geeigneten Produkten nicht manuell erfolgen muss, unterstützt Project complete mit Schnittstellen zu verschiedenen CAE-Systemen – wie Eplan Electric P8, Aucotec, Zuken, WSCAD, IGE XAO und PC-Schematic. So kann der Anwender stets in seiner CAE-Umgebung arbeiten.

Die Schnittstelle zur CAE-Software funktioniert bidirektional. Elektrische Pläne können mit wenigen Mausklicks – etwa bei Eplan – exportiert werden. So wird der Aufbau von Klemmenleisten weitgehend automatisiert.

Beim CAE-System Eplan Electric P8 etwa muss der Anwender – anstatt Reihenklemmen als Artikel aus der Material-Datenbank auszuwählen – lediglich Symbole für Klemmenpunkte in seinem CAE-Projekt einfügen sowie Funktion und Querschnitte der angeschlossenen Leiter definieren.

Auf Basis dieser Informationen generiert das Planungsmodul von Project complete (Bild 1) automatisch die Klemmenleiste mit geeigneten Reihenklemmen samt Zubehör. Mit einer Auto-Korrektur überprüft die Software offen liegende Gehäuse und schlägt dem Nutzer fehlende Deckel, Deckelsegmente und Endhalter vor oder platziert das fehlende Zubehör automatisch.

Der Anwender hat dabei stets die vollständige Kontrolle und kann entscheiden, welches Zubehör wo platziert wird. Auch können weitere Klemmen als Ersatz hinzugefügt werden. Diese Informationen werden anschließend – beispielsweise in Eplan Electric P8 – importiert, und der Anwender erzeugt in wenigen Sekunden aus einem Klemmenpunkt einen Artikel inklusive Zubehör. Alle wichtigen Artikeldaten – kaufmännische Daten, technische Daten, Grafiken – werden von der Markierungssoftware importiert.

Zukünftig werden weitere bidirektionale Schnittstellen folgen, damit auch Anwender anderer CAE-Programme ihre Daten einfach und effizient übertragen können. Per Mausklick erzeugt Project complete abschließend die vollständige Dokumentation der Klemmenleisten inklusive Bestell-, Stück-, Aufbau- und Montagelisten. Die zeitaufwändige Suche nach passenden Artikeln in Katalogen entfällt. Zudem werden Zeitverzögerungen durch fehlendes Zubehör bei der Montage vermieden.

Intelligente Schnittstelle zum Kunden

Die Software verfügt über eine intelligente und prozessorientierte Benutzeroberfläche. Dynamische Menüleisten machen die Arbeit effizienter, Pop-up-Masken entfallen, Icons oder Tabs werden nur bei weiterführenden Handlungsoptionen angezeigt.

Für Anwendergruppen werden Profile angelegt. Diese reichen vom Elektroplaner, der Klemmenleisten vollständig projektiert, bis hin zum Produktionsmitarbeiter, der die Produkte im Anschluss auf die Tragschiene montiert (Bild 2).

Eine anwenderspezifische Artikel-Datenbank vereinfacht die tägliche Arbeit, da nur potenziell benötigte Artikel dort erscheinen. Der Anwender kann eigene Vorlagen von Klemmleisten erstellen, speichern, aufrufen und bearbeiten. Verfügen Anwender über firmeneigene Artikelnummern, können sie diese für Produkte in der Software-Datenbank festlegen.

Interessant ist auch die Kalkulation in Echtzeit. Schaltschrankbauer stehen häufig auch bei der Angebotserstellung der Klemmenleisten unter hohem Zeitdruck, denn Kunden wollen nicht tagelang auf ein Angebot warten. Mit dem Softwaretool können geplante Projekte direkt in den E-Shop von Phoenix Contact übertragen werden. Bei Bedarf kann der Warenkorb dann problemlos um nicht tragschienenmontierbare Produkte ergänzt werden. So umfasst die Datenbank in Project complete 12.000 Artikel: Reihenklemmen, Markierungsmaterialien, Schaltschrankzubehör, Relais, Netzteile, Schutzschalter und Handwerkzeuge können einem Projekt zugeordnet werden. Der Anwender sieht sofort das Angebot auf Basis seiner individuellen Preiskonditionen und kann direkt bestellen.

Hochwertige Markierung schnell und fehlerfrei

Eine eindeutige und langlebige Kennzeichnung sämtlicher Komponenten im Schaltschrank- und Anlagenbau ist Grundvoraussetzung für die fehlerfreie Montage und Inbetriebnahme sowie für die Minimierung der Stillstandzeiten bei Wartungen und im Störfall. Im Markierungsmodul (Bild 3) können sämtliche Markierungsinformationen, die das CAE-System zur Verfügung stellt, per Mausklick importiert werden. Eine zeitaufwändige und fehlerträchtige Eingabe per Hand entfällt.

Auf der Basis einer hinterlegten Zuweisung werden die richtigen Informationen dem geeigneten Markierungsmaterial zugeordnet. Diese Zuweisungen können bei Bedarf bequem individuell angepasst werden. Das Spektrum an Markierungsmaterialien aus Blomberg bietet Lösungen für nahezu sämtliche Applikationen – von der Klemmen-, Kabel- und Leiterbeschriftung über die Gerätekennzeichnung bis hin zur Anlagenmarkierung. Sämtliche Drucksysteme können einheitlich mit der Software angesteuert werden.

* Miguel Delgado Abracos arbeitet im Produkt-Marketing der Business Unit Marking and Installation bei Phoenix Contact in Blomberg.

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