Eingebettete Systeme

Android sucht seinen Platz im Embedded-Umfeld

| Redakteur: Franz Graser

Dieser Flachbild-Fernseher läuft mit dem Betriebssystem Android. In diesem Fall kann man Android also wohl mit Recht als eingebettetetes Betriebssystem bezeichnen.
Dieser Flachbild-Fernseher läuft mit dem Betriebssystem Android. In diesem Fall kann man Android also wohl mit Recht als eingebettetetes Betriebssystem bezeichnen. (Bild: VBM-Archiv)

Die Entwicklerszene diskutiert eifrig darüber, ob Android Linux aus dem Segment der eingebetteten Systeme verdrängen könnte. Die Antwort hängt stark davon ab, wie man Embedded Systems definiert.

Es ist eine philosophische Frage, inwieweit man Android – das auf einem Linux-Kernel basiert – als eine weitere Variante von Embedded Linux betrachten könnte. Das Google-System, das primär auf Mobiltelefone und Tablets zugeschnitten war, findet zunehmend den Weg in andere Anwendungsbereiche.

Schon vor drei Jahren hat der Autozulieferer Continental auf der CES ein Auto mit einem Infotainment-System auf Android-Basis gezeigt. Autoradios mit Android-Betriebssystem sind inzwischen serienreif. Ist Android also inzwischen so weit, dass es als Embedded-System bezeichnet werden kann?

Anlässlich der letztjährigen Konferenz Android Builders Summit befasste sich eine Gruppe von Entwicklern bei einer Podiumsdiskussion mit dieser Frage. Ihre einhellige Antwort lautete: Nein, Android müsse in klassischen Embedded-Projekten eingesetzt werden, um auch als Embedded-Betriebssystem gelten zu können. Bisher sei das aber nicht der Fall, berichtet Jack Germain vom Technologieblog LinuxInsider.

Diese Sicht der Dinge hat auch mit der Historie zu tun. Linux und Android haben eine unterschiedliche Evolution durchlaufen und haben verschiedene Ökosysteme. Dennoch, so der LinuxInsider, sehen einige Marktbeobachter durchaus Potenzial für das Google-System im Embedded-Umfeld. Ron Munitz, Chief Technology Officer von Nubo Software, hält Android generell für die derzeit führende Linux-Plattform: „Android ist eine Embedded-Linux-Distribution – einfach deshalb, weil es über den Linux-Kernel verfügt. Es wird immer populärer, auf allen Arten von Endgeräten, es hat bereits jetzt die größte Entwicklergemeinde und eine gewaltige Auswahl an Applikationen.“

Es komme darauf an, wie man den Begriff Embedded-Betriebssystem definiert, sagt Matthias Eckermann, Produktmanager für den Serverbereich bei Suse, gegenüber dem LinuxInsider. Ein Betriebssystem für ein Gerät der Unterhaltungselektronik und ein System für Industrieanwendungen können zwei sehr unterschiedliche Dinge sein. „Android auf einem Fernseher oder als Benutzerschnittstelle für ein Automobil können durchaus Bereiche sein, in denen Embedded Android seine Berechtigung hat.“

In Geräten und Anlagen, die eine sehr klar fokussierte Funktionalität aufweisen, ist das noch nicht der Fall. In Bereichen wie der Robotik, der Maschinensteuerung und bei Verkaufsautomaten ergebe es zum Beispiel überhaupt keinen Sinn, den Funktionsumfang der Geräte durch zusätzliche Apps zu erweitern, sagt Al Gillen, Vice President für den Bereich Systemsoftware bei IDC.

„In diesen Bereichen gibt es jeweils genau eine Anwendung, und die ist sehr spezifisch für das Gerät, in das sie eingebettet ist“, erläutert Gillen dem LinuxInsider. „Wenn ein Gerät dagegen eher im mobilen Bereich eingesetzt wird, bringt die Android-Fähigkeit dagegen durchaus Vorteile“, erläutert Gillen.

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posted am 11.02.2014 um 21:16 von Unregistriert


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