Software-Update: Probleme bei Tausenden VW-Kunden

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Die VW-Dieselproblematik hält die Autowelt seit September 2015 in Atem. Im Zusammenhang mit dem Software-Update beteuerte VW bisher, dass den Kunden durch die kostenlose Umrüstung keine Nachteile entstehen würden. Eine neue Umfrage kommt allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis.

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Von 9.000 Fahrzeughaltern, die das Update bereits durchführen ließen, berichteten rund 3.600 Teilnehmer über negative Veränderungen, die sie nach der Umrüstung an ihrem Fahrzeug feststellten.
Von 9.000 Fahrzeughaltern, die das Update bereits durchführen ließen, berichteten rund 3.600 Teilnehmer über negative Veränderungen, die sie nach der Umrüstung an ihrem Fahrzeug feststellten.
(Bild: Julian Stratenschulte/dpa)

Mitte September 2015 hat VW) eingestanden, bei Dieselmotoren mit Hilfe einer unzulässigen Motorsteuerungssoftware manipuliert zu haben, um den Stickstoffausstoß bei Abgastests zu senken. VW versprach eine kostenlose Umrüstung der Fahrzeuge und postulierte dabei immer wieder, dass den VW-Kunden nach den Software-Updates keinerlei Nachteile bei den Dieselmotoren entstehen würden.

An den VKI (Vereins für Konsumenteninformation) wurden jedoch immer wieder Beschwerden über Folgeprobleme nach dem Update herangetragen. Deshalb startete der VKI eine Umfrage unter den mittlerweile 27.000 VKI-Teilnehmern, die sich von VW aufgrund der Betrugssoftware geschädigt fühlen. Mit der Umfrage wollte der VKI eruieren, ob den betroffenen Fahrzeughaltern nach der Umrüstung negative Veränderungen im Gebrauch des Fahrzeuges aufgefallen waren.

Nun liegen die Ergebnisse des VKI vor. Rund 10.800 Konsumenten haben teilgenommen. Von 9000 Fahrzeughaltern, die das Update bereits durchführen ließen, berichteten rund 3600 Teilnehmer über negative Veränderungen, die sie nach der Umrüstung an ihrem Fahrzeug feststellten. Im Detail berichteten 1800 Personen über einen erhöhten Kraftstoffverbrauch.

Leistungseinbrüche im unteren oder oberen Drehzahlbereich meldeten mehr als 1400 Teilnehmer. Dass der Motor ruckeln/nageln würde, meinten 1400 Konsumenten. Probleme beim Beschleunigen gaben mehr als 1000 Teilnehmer an. Bei rund 650 der Befragten zeigten sich Probleme mit dem Abgasrückführungssystem.

Eine schnellere Verrußung des Partikelfilters meldeten knapp 500 Teilnehmer. Einige hundert Befragte berichteten nach dem Software-Update auch von einer erhöhten Geruchsbildung oder einem massiven Gebläse, die sich nach der Umrüstung bemerkbar machten.

Die beschriebenen Probleme sind aus technischer Sicht zum Teil durchaus nachvollziehbar. Aus den in der Umfrage des VKI dokumentierten technischen Folgewirkungen kann sich daher ein Minderwert der betroffenen Fahrzeuge ergeben, der über einen rein merkantilen Minderwert hinausgeht.

„Die Beteuerungen von VW in diesem Zusammenhang sind irreführend, der VKI wird diesen Hinweisen auf Nachteile nachgehen und Ansprüche in diesem Zusammenhang intensiv prüfen“, so Mag. Thomas Hirmke, Leiter Bereich Recht im VKI.

Aus technischer Sicht sind Probleme mit dem Abgasrückführungssystem sowie das schnellere Verrußen des Partikelfilters durchaus erklärbar, wenn es nach dem Update zu erhöhter Rußbildung kommt. Ein damit verbunden häufigeres erforderliches Regenerieren führt wiederum zu höherem Kraftstoffverbrauch. Diese Auswirkungen werden bei einem genormten Prüfstandslauf jedoch nicht getestet.

VW hat die Software und die Wirkungsweise der Änderungen an der Software nicht offengelegt. Dies erschwert Experten die technischen Einschätzungen für die Folgen des Updates. Ein Offenlegen, was genau durch das Update verändert wurde, würde auch die technische Beurteilung der anderen von den Konsumenten berichteten Problemen wie Leistungseinbrüche, Ruckeln/Nageln und Probleme beim Beschleunigen erleichtern.

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