Qualitätssicherung Software-Testing ist noch keine Kernkompetenz der Autohersteller

Redakteur: Robert Di Marcoberardino

In fünf Jahren ist die Hälfte der Wertschöpfung im Auto digital, prognostiziert Audi-Chef Rupert Stadler. Apps zu entwickeln gehört jedoch nicht zu den Kompetenzen der Autohersteller, weshalb sie sich dabei von IT-Dienstleistern unterstützen lassen.

Firmen zum Thema

App- und Software-Tests sind aufwändig und komplex. Viele Auto-Hersteller holen sich diese Expertise von außerhalb.
App- und Software-Tests sind aufwändig und komplex. Viele Auto-Hersteller holen sich diese Expertise von außerhalb.
(Bild: Sulzer GmbH)

Hersteller haben daher ihre angestammte Komfortzone verlassen und treiben die Digitalisierung der Fahrzeuge aktiv voran. BMW hat beispielsweise 2001 mit der BMW Car IT GmbH ein eigenes Tochterunternehmen gegründet, das ausschließlich damit betraut ist, Software für Autos und Motorräder zu entwickeln.

Doch um mit den schnellen Entwicklungszyklen Schritt halten zu können, lassen sich OEMs zusätzlich von IT-Dienstleistern unterstützen – nicht nur bei der Programmierung, sondern auch bei der Überprüfung von Hard- und Software. Damit liegen sie im Trend: Analysten gehen branchenübergreifend von einer Wachstumsrate von über 10 Prozent weltweit für IT-Testing-Services zwischen 2014 und 2018 aus.

Entwicklung: schnell, komplex, aufwendig zu prüfen

„Im Hinblick auf den Automotive-Sektor ist diese Prognose nicht überraschend. Die Produktlebenszyklen werden stetig kürzer und die IT-Lösungen im und ums Auto immer komplexer“, erklärt Günter Schneider, Leiter Kompetenzfeld Test bei der Sulzer GmbH, einem der größten IT-Dienstleister der Automobilindustrie in Deutschland.

Hersteller geraten an ihre Grenzen, denn Software-Testing ist aufwendig. „Testumgebungen einzurichten, erfordert umfangreiche Ressourcen aus Hard- und Software, Betriebssystemen, Schnittstellen, Datenbeständen und den neuesten Werkzeugen“, erläutert Schneider. „Auch das technische Know-how ist entscheidend. Sonst werden falsche Methoden ausgewählt oder Tests zum falschen Zeitpunkt automatisiert.“

Gerade bei kritischen IT-gestützten Diensten, wie zum Beispiel eCall, ist eine fehlerfreie Funktion unentbehrlich. Ab März 2018 muss der automatische Notruf in allen neuen PKW möglich sein. Das System meldet schwere Unfälle automatisch über die Nummer 112, wenn beispielsweise der Airbag ausgelöst wurde. Es übermittelt Informationen zu Standort, Unfallzeitpunkt und der Anzahl der Fahrzeuginsassen.

Damit Daten an die Notrufzentrale übertragen werden können, müssen sich im Fahrzeug fest verbaute SIM-Karten zuverlässig im Netz anmelden. Tests prüfen dabei nicht nur, ob sie sich einwählen, sondern stellen sicher, dass Anrufe über den richtigen Netzbetreiber getätigt werden – und das über internationale Grenzen hinweg. Im Testcenter wird dies auf Schnittstellenebene geprüft, in der Praxis werden Fahrzeuge zudem über Ländergrenzen geführt.

Neben Fahrsicherheitsfunktionen werden auch Infotainment-Angebote immer wichtiger. Bevor eine App fest im Auto installiert werden kann, muss sie sorgsam geprüft werden. Grundsätzlich gilt es dabei, zwischen zwei Aspekten des Testens zu unterscheiden: funktional und nicht-funktional.

Bei einer App zum Diktieren von SMS prüfen funktionale Tests zum Beispiel, ob der eingesprochene Text auch auf dem Handy ankommt. Nicht-funktionale Tests prüfen das User-Handling und ob der Dienst jederzeit zuverlässig arbeitet. Fehler lassen sich im Rahmen eines Defect-Management-Prozesses dokumentieren und an die ursprünglichen App-Entwickler zurückspielen.

OEMs profitieren von Synergieeffekten, die beim Testing durch spezialisierte IT-Dienstleister entstehen. Infrastruktur, etablierte Methoden und bewährte Tools lassen sich über unterschiedliche Projekte hinweg einsetzen, einmalige Set-Up-Aufwände werden reduziert und Anfragen schneller bearbeitet. Verfügen Dienstleister zudem über eine tiefe Branchenkenntnis, können sie die besonderen Anforderungen der Hersteller noch besser erfassen und bedienen. Damit erfüllen Testcenter die Hauptanforderungen an IT-Outsourcing: Expertise, reduzierte Kosten, verbesserte Qualität und flexiblere Reaktionszeiten.

Eine Checkliste kann bei der Auswahl des passenden Testing-Dienstleisters helfen:

  • Kompetenz: Kann Methodenkenntnis und Erfahrung nachgewiesen werden? Gibt es Referenzen?
  • Anforderungsmanagement: Gibt es Prozesse, die sicherstellen, dass meine Anforderungen genau erfasst und verstanden werden?
  • Testumfang: Ich möchte vermeiden, dass unwichtige Faktoren abgeprüft werden und kritische Faktoren nicht genug Beachtung finden: Wie wird gewährleistet, dass die Testumfänge angemessen sind?
  • Flexibilität: Kann ich auch mit kurzfristigen Aufträgen zum Dienstleister kommen?
  • Feedback: Bekomme ich regelmäßig Informationen zum Stand der Dinge?
  • Reporting: Erhalte ich eine abschließende Dokumentation mit klaren Ergebnissen und Handlungsempfehlungen?
  • Kosten: Sind Preis und Abrechnung transparent? Gibt es einen Festpreis oder kann ich am Projektende überraschend mit Mehrkosten konfrontiert werden?

(ID:43528301)