Simulationswerkzeug So will Nvidia Produkte und ganze Welten simulieren

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Der Name ist Programm: Omniverse Enterprise ist die virtuelle Entwicklungsumgebung von Nvidia, um komplexe Produkte bis hin zu ganzen Welten zu simulieren. Entwickler und Ingenieure können weltweit und in Teams zusammenarbeiten.

Firmen zum Thema

Simulation: Die BMW Group nutzt Omniverse für einen durchgängigen digitalen Zwilling einer ganzen Fabrik.
Simulation: Die BMW Group nutzt Omniverse für einen durchgängigen digitalen Zwilling einer ganzen Fabrik.
(Bild: Nvidia)

CEO Jensen Huang hat während der Keynote von Nvidia virtuell aus seiner Küche ein Feuerwerk an Neuigkeiten aus der Nvidia-Welt präsentiert. Mit dabei Omniverse. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Simulationsumgebung, das Huang als ein „Metaverse für Ingenieure“ beschreibt. Während der Keynote zeigten Jensen Huang eine Demo: Entwickler arbeiten in einer virtuellen Umgebung an verschiedenen Designs. Das Besondere: Die Leute arbeiten gemeinsam in virtuellen 3D-Welten und die Physik ist identisch mit der aus der realen Welt.

Das virtuelle Labor wird Realität: Alle können sich in der virtuellen Welt treffen, an gemeinsamen Projekten arbeiten und müssen sich keine Gedanken um die Physik machen. Denn die funktioniert wie in der Realität. Entstanden ist das proprietäre Nvidia-Projekt vor einigen Jahren als Holodeck, der virtuellen Simulation in Star Trek.

Omniverse als Abonnementdienst

In den Jahren hat es sich zu einem ehrgeizigen, branchenweiten Projekt entwickelt, das auf den Möglichkeiten der Universal-Scene-Description- (USD-)Technologie beruht, die Pixar für seine Filme entwickelt hat. In das Projekt sind Hunderte von Millionen Dollar geflossen. Im Dezember 2020 kam die Beta-Version auf den Markt. Mehr als 17.000 Anwender haben es seitdem getestet.

Jetzt stellt das Unternehmen Omniverse als Abonnementdienst für Unternehmen zur Verfügung. Entwickler und Ingenieure können aus der Ferne an komplexen Projekten arbeiten. Firmen wie die BMW Group, Ericsson, Foster+Partners sowie WPP nutzen Omniverse. Unterstützt werden Anwendungen für Bentley Systems, Adobe, UnterAutodesk, Epic Games, ESRI, Graphisoft, Trimble, Robert McNeel & Associates, Blender, Marvelous Designer, Reallusion und Wrnch.

Und Unterstützung kommt von Unternehmen wie Asus, Boxx Technologies, Cisco, Dell Technologies, HP, Lenovo und Supermicro. Mehr als 400 Unternehmen werden die neue Version für Unternehmen ab diesem Sommer einsetzen. Es kommt mit Enterprise-Support für voll etablierte Unternehmen.

Bisher war Omniverse nur im Early-Access-Modus verfügbar. Jetzt sind fotorealistische 3D-Simulationen und weltweite Zusammenarbeit möglich. Unternehmen und Einzelpersonen können Dinge aus der realen Welt simulieren, die in der realen Welt nicht einfach getestet werden können. Ein gutes Beispiel sind selbstfahrende Autos. Sie sind für Fußgänger gefährlich, wenn sie nicht ausgiebig getestet werden. Mattias Wikenmalm, technischer Spezialist bei Volvo: „Wir müssen die Autos nicht nur in allen möglichen Anwendungen simulieren, sondern auch das Umfeld berücksichtigen. Das kann eine städtische Umgebung sein.“

BMW simuliert komplette Autofabrik

Die BMW Group nutzt Omniverse für einen durchgängigen digitalen Zwilling einer ganzen Fabrik. Tausende Planern, Produktingenieure, Facility Managern und Lean-Experten können innerhalb des globalen Produktionsnetzwerks in einer einzigen virtuellen Umgebung zusammenarbeiten, um extrem komplexe Fertigungssysteme zu entwerfen, zu planen, zu konstruieren, zu simulieren und zu optimieren, bevor eine Fabrik tatsächlich gebaut oder ein neues Produkt integriert wird.

„Nvidia Omniverse und Nvidia AI geben uns die Möglichkeit, alle 31 Fabriken in unserem Produktionsnetzwerk zu simulieren. Alle Elemente des kompletten Fabrikmodells – einschließlich der Mitarbeiter, der Roboter, der Gebäude und der Montageteile – können simuliert werden, um eine breite Palette von KI-fähigen Anwendungsfällen wie virtuelle Fabrikplanung, autonome Roboter, vorausschauende Wartung und Big Data Analytics zu unterstützen“, sagte Milan Nedeljkovic, Mitglied des Vorstands bei BMW und verantwortlich für die Produktion.

Omniverse nutzt Nvidias RTX-3D-Simulationstechnik: Entwickler und Ingenieure haben die Möglichkeit, beispielsweise am Design eines Autos innerhalb einer Simulation zu arbeiten, während sie virtuell um das Auto herumgehen oder darin sitzen und in Echtzeit mit ihm zu interagieren.

Grundlage für Omniverse ist Universal Scene Description von Pixar, eine offene Plattform, um 3D-Informationen auszutauschen, einschließlich der Objekte, Szenen und Materialien. Die Plattform nutzt auch Nvidia-Technik. Dazu gehören fotorealistisches Rendering in Echtzeit, Physik, Materialien und interaktive Workflows. Entstanden ist ein Werkzeug zur Zusammenarbeit und Simulation, auf die Anwender von Nvidia setzen. Dazu gehören Robotik, Automobilbau, Architektur, Engineering, Konstruktion und Fertigung. Mit Omniverse Create lässt sich die Szenenkomposition beschleunigen: interaktive Szenen können in Echtzeit zusammengestellt, beleuchtet, simuliert und gerendert werden. Nvidia Omniverse View erlaubt es, Architektur- und Ingenieursprojekte im Team zu gestalten und zu visualisieren.

(ID:47340878)