So reagieren Unternehmen auf die Krise

Autor: Katharina Juschkat

Online-Kundendienst, Homeoffice, Spendensammeln oder virtuelle Messen – so reagieren Unternehmen in der Corona-Krise.

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Das Coronavirus SARS-CoV-2, das die Lungenkrankhheit COVID-19 auslöst, lässt derzeit die Welt Kopf stehen. Wir zeigen, wie ausgewählte Unternehmen reagieren.
Das Coronavirus SARS-CoV-2, das die Lungenkrankhheit COVID-19 auslöst, lässt derzeit die Welt Kopf stehen. Wir zeigen, wie ausgewählte Unternehmen reagieren.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Geschlossene Geschäfte, keine Dienstreisen, Messeabsagen – die Folgen der Corona-Krise bekommen gerade alle zu spüren. Wie einige ausgewählte Unternehmen damit umgehen, stellen wir hier vor.

Igus: Fünf neue Kantinen und Atemschutzmasken

Der Motion-Plastics-Spezialist Igus berichtet auf Nachfrage der konstruktionspraxis, zur Zeit ohne Einschränkungen lieferfähig zu sein, 97 Prozent aller Katalogteile seien direkt ab Lager verfügbar. Auch wenn Fabriken schließen und Maschinen nicht gebaut werden, bleibt aktuell die Nachfrage nach Motion Plastics bestehen.

Im Moment ist die Lage hochdynamisch, da gilt es äußerst flexibel zu sein.

Frank Blase, Igus Geschäftsführer

Mittlerweile befinden sich weltweit alle Igus-Mitarbeiter, die für ihre Arbeit nicht vor Ort sein müssen, im Homeoffice. Die Igus-Mitarbeiter arbeiten mit Collaboration-Tools untereinander und sind auf allen digitalen Kanälen und telefonisch weiterhin für die Kunden erreichbar.

Igus hat umfangreiche Maßnahmen getroffen, um Mitarbeiter vor Ort weiter zu schützen: Am Hauptstandort in Köln gibt es neben flächendeckender Desinfektionsspender eine Fiebermessung am Eingang, deutlich erhöhte Reinigungszyklen, Atemschutzmasken für Mitarbeiter und ein erhöhter Mindestabstand. Die Personaldichte pro Schicht ist durch Umstellung der Schichten verringert worden. Sogar fünf neue Kantinen wurden in kürzester Zeit errichtet, um den Kontakt zu reduzieren.

Als Kontaktalternative hat Igus seine digitalen Kanäle stark ausgebaut, um die Kunden auch weiterhin beraten zu können. Dabei setzt das Unternehmen auf virtuelle Besuche via Smartphone, Desktop-Sharing oder Online-Chat. Montagehilfen und Zeichnungen sind ebenso möglich wie die Besichtigung der jeweiligen Maschine oder interaktive Präsentationen.

Der Umgang verändert sich, allein dadurch, dass Gespräche vor Ort oder auf Messen derzeit nicht persönlich stattfinden können.

Frank Blase, Igus Geschäftsführer

R+W: Konstrukteure im Homeoffice

Der Kupplungshersteller R+W verfolgt die Entwicklungen sehr genau und hat alle, nach heutigem Wissensstand notwendigen, Präventions- und Schutzmaßnahmen in die Wege geleitet, um die Mitarbeiter zu schützen. Im Unternehmen selbst sind neben verschärfter Hygieneregeln Gruppenbildungen untersagt und externe Besuche nur in Ausnahmefällen zugelassen. Die Pausen der Mitarbeiter werden zeitlich gestaffelt, und Teile der Belegschaft arbeiten präventiv im Homeoffice.

Da die Konstrukteure von R+W nicht einfach vom Laptop zuhause arbeiten können, haben einige den kompletten Rechner von der Firma ins Homeoffice verlagert. Somit arbeiten aktuell ein Teil weiter vor Ort und ein Teil von zu Hause.

Findling Wälzlager: Unterstützung der Kunden im Notfall

Findling Wälzlager hat Risikopersonen ins Homeoffice geschickt und frühzeitig den Kontakt der Mitarbeiter untereinander beschränkt. Der Geschäftsbetrieb ist weiterhin voll funktionsfähig, teilt das Unternehmen mit. Der Wälzlagerhersteller unterstützt Kunden bei der Umsetzung individueller Notfallpläne, zum Beispiel vorzeitige Auslieferung von Bestellungen und Gewährung von Valuta. Wie man Kunden in kritischen Situationen unterstützen kann, dazu werde man sich zu gegebenen Zeitpunkt Lösungen einfallen lassen.

Torwegge: Virtueller Showroom statt Logimat

Eigentlich wollte der Intralogistikspezialist Torwegge seine Messe-Highlights auf der Logimat präsentieren – aufgrund der Messeabsage hat sich der Anbieter jetzt etwas neues einfallen lassen: Interessenten können den Messestand über kurze Videos in einem virtuellen Showroom online besuchen und so mehr über die Produkte erfahren. Neben den Informationen gibt es zudem einen Livechat, ein Kontaktformular und die Möglichkeit der Kontaktaufnahme per Telefon. Ausführliche Beratungstermine können per Videokonferenz durchgeführt werden.

Vogel Communications Group: Neue Plattform für virtuellen Austausch

Auch die Vogel Communications Group ist nicht untätig geblieben und hat speziell für die aktuelle Corona-Krise die Plattform „Industrial Generation Network“ geschaffen. Auf der internationalen Digitalplattform sind bisher 650 Unternehmen angemeldet für eine digitale Vernetzung, Produktpräsentationen und einen thematischen Austausch. Tools wie Videokonferenzen und Terminvereinbarungen können künftig die Umsatzeinbrüche durch abgesagte oder verschobene Live-Events teilweise kompensieren. Die Plattform ersetzt damit die Face-to-face-Kommunikation der Unternehmen – vor allem auf nationalen und internationalen Messen.

Balluff: Online-Event statt Hannover Messe

Weil Balluff pünktlich zur Hannover Messe Produktneuheiten präsentieren wollte, veranstaltet der Automatisierungsspezialist jetzt eine virtuelle Messe als Ersatz. Ende April plant Balluff deshalb, über eine Online-Eventplattform die Produkthighlights der Hannover Messe zu präsentieren. In Keynotes und Anwendersessions stellen die Experten von Balluff neue Produkte und Lösungen vor und beleuchten aktuelle Themen zum Industrial Internet of Things. Genauere Informationen zu dem Online-Event sollen in Kürze folgen.

Zuken: Software auch im Homeoffice nutzbar

Das Softwareunternehmen Zuken, spezialisiert auf Elektronik-, Elektrotechnik- und Mechatronik-Lösungen, setzt wo irgendwie möglich auf Homeoffice: Schon seit Mitte März befindet sich die Belegschaft im Homeoffice. Auch der Hotline-Support wird weiter darüber abgefertigt. Gut zu wissen für Kunden: Die Software von Zuken lässt sich auch per VPN ohne Einschränkungen einsetzten. Die Lizenzen können dann wie im Office aktiviert werden; nach Bedarf unterstützt der Zuken-Support kurzfristig mit alternativen Lösungen. Schulungen werden derzeit auf einen noch nicht definierten Zeitpunkt verschoben – man arbeite aber aktuell an einer Online-Lösung, wie es heißt.

Tübinger Stahlfeinguss: Regionale Lieferketten bewähren sich

Dem familiengeführten Unternehmen TSF – Tübinger Stahlfeinguss – kommt zugute, dass es immer großen Wert auf regionale Netzwerke und Lieferketten legt. Deshalb ist das Unternehmen weiterhin lieferfähig, wie es mitteilt. Das Rohmaterial-Lager bei TSF, sonst regelmäßig Diskussionspunkt mit dem Steuerberater, macht sich in diesen Zeiten bezahlt. Dennoch fallen auch hier gerade persönliche Meetings aus. Die Betreuung von Kundenprojekten findet jetzt über Online-Tools statt.

DGM: Wissensaustausch in Webinaren statt vor Ort

Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde, kurz DGM, fördert die Vernetzung der Menschen aus Wissenschaft und Industrie, was in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen und Veranstaltungsverbote keine einfache Aufgabe scheint. Damit der Erkenntnis- und Technologietransfer nicht zum Erliegen kommt, bietet die DGM jetzt alle Veranstaltungen als Webinare an.

Arcus: Spenden an die Tafel

Die Dichtelemente Arcus GmbH hat 10.000 Euro an die Tafel Harburg e.V. gespendet. Diese erhält wegen der derzeitigen Corona-Krise nur noch die Hälfte der Lebensmittel - bei steigendem Bedarf. Zudem spendet Arcus bis vorerst zum 30. April 2020 für jeden Auftrag einen weiteren Euro an die Tafel.

Dieser Beitrag ist zuerst auf unserem Partnerportal Elektrotechnik erschienen.

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Über den Autor

 Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group