Cebit 2015 Snowden, China und das Internet der Dinge

Redakteur: Franz Graser

Seit dem Platzen der ersten großen Internet-Blase im Jahr 2001 hat die einstige Monster-Messe Cebit praktisch stetig an Bedeutung verloren. Aber die Live-Schalte zu Edward Snowden war auf jeden Fall ein Highlight der Messe.

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Für eine Podiumsdiskussion wurde Edward Snowden zur Cebit zugeschaltet.
Für eine Podiumsdiskussion wurde Edward Snowden zur Cebit zugeschaltet.
(Bild: Deutsche Messe)

Der wohl prominenteste Teilnehmer der diesjährigen Cebit konnte leider nicht persönlich nach Hannover kommen. Edward Snowden, dessen Enthüllungen über die Schnüffel-Aktivitäten der amerikanischen Geheimdienste die Welt aufgerüttelt hatten, war aus seinem russischen Exil für ein Live-Interview zugeschaltet.

Natürlich wurde Snowden nach seiner Zukunft befragt. In der Live-Schalte sagte er, er wolle nicht in Russland bleiben und dass er gerne in seine Heimat zurückkehren möchte. Eine Option, die derzeit häufig diskutiert wird, ist eine Begnadigung durch US-Präsident Obama gegen Ende von dessen Amtszeit. Dazu wollte der bekannte Whistleblower jedoch öffentlich keine Stellung nehmen.

Laut Snowden sind es vor allem IT-Fachleute und Systemadministratoren, die im Fadenkreuz der Geheimdienste stehen. „Die Geheimdienste suchen nicht nur nach Terroristen, sondern nach Leuten, die Zugänge zu geschlossenen Systemen haben.“ Aus diesem Grund rief Snowden die Menschen dazu auf, von ihren Bürgerrechten Gebrauch zu machen und ihr Recht auf Privatsphäre einzufordern. „Der einzige Weg, Massenüberwachung zu verhindern, ist sich dessen bewusst zu sein.“ Zudem machte sich Snowden für Standards für sichere Verschlüsselungsmechanismen stark.

Snowdens Anmerkungen müssten eigentlich auf einer Messe nachdenklich machen, sie sich die sogenannte „D!conomy“, also die Digitalisierung der Wirtschaft, als Motto gegeben hat. Firmen wie Microsoft trommelten dafür, die Digitalisierung als Chance für ein „digitales Wirtschaftswunder“ zu sehen, durch das die Erfolgsgeschichte des Wirtschaftsstandorts Deutschland fortgeschrieben werden könne.

Insbesondere das Internet of Things (IoT) beziehungsweise dessen industrielle Variante, die sogenannte Industrie 4.0, wird hier als Schlüsseltechnik genannt. Das IoT soll es klassischen Geräteherstellern ermöglichen, ihr Geschäftsmodell durch smarte Dienstleistungen zu ergänzen. Der Arbeitskreis „Smart Service Welt“ forderte deswegen den zügigen Aufbau digitaler Infrastrukturen sowie eine europäische Datenschutzverordnung.

Das IoT ist auch keineswegs eine einheitliche Plattform. Zahlreiche Initiativen widmen sich der Vereinheitlichung von Kommunikationsstandards. Die meisten Konsortien sind jedoch nicht von Anwenderinteressen getrieben, sondern dienen eher dazu, die Claims unter den großen Playern aufzuteilen. Immerhin haben mit der europäischen EEBus-Initiative und dem Open Internet Consortium zwei dieser Initiativen zur Zusammenarbeit verpflichtet. Das Ziel: Parallele Entwicklungen im Bereich Smart Home sollen vermieden werden.

Obwohl die Bedeutung der Cebit nachgelassen hat, ließen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ihren traditionellen Messerundgang nicht nehmen. Im Fokus der politischen Statements standen unter anderem die Wirtschaftsbeziehungen zu China, dem Partnerland der diesjährigen Cebit. Die Bundeskanzlerin forderte faire Wettbewerbsbedingungen für internationale Unternehmen, die mit China ins Geschäft kommen wollen.

Innovationen gab es natürlich auch zu sehen. Das Sensorik-Starterkit WunderBar des Berliner Startups relayr wurde mit dem CODE_n-Preis ausgezeichnet. CODE_n ist der Name eines Bereichs in der Cebit-Halle 16, der sich dem Thema Internet der Dinge verschrieben hat.

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