Forschung Smartphone-Besitzer können Rechenzeit für die Wissenschaft spenden

Redakteur: Franz Graser

Benutzer von Android-Smartphones können ihre Geräte nun für Projekte wie den Kampf gegen Krankheiten oder die Erforschung des Alls einsetzen. Mit ihrer überschüssigen Rechenleistung unterstützen die Smartphones die Forschungsprojekte.

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„Seti at Home“, die Suche nach außerirdischer Intelligenz auf dem PC, war zu Beginn des Jahrtausends sehr populär. Dasselbe Prinzip – die Nutzung überschüssiger Rechenleistung für wissenschaftliche Zwecke – wird nun auf Android-Smartphones umgesetzt.
„Seti at Home“, die Suche nach außerirdischer Intelligenz auf dem PC, war zu Beginn des Jahrtausends sehr populär. Dasselbe Prinzip – die Nutzung überschüssiger Rechenleistung für wissenschaftliche Zwecke – wird nun auf Android-Smartphones umgesetzt.
(Bild: Wikimedia Commons, gemeinfrei / CC0 )

Das IBM World Community Grid und das Projekt Einstein@home machen es möglich, dass Android-Handys einen Beitrag zur Spitzenforschung leisten können.

Bekanntes Vorbild ist „Seti@home“ aus den späten neunziger Jahren. Bei diesem Projekt luden sich PC-Benutzer den Seti@home-Bildschirmschoner auf den Rechner. Während der Arbeitspausen untersuchte das Programm Bruchstücke von außerirdischen Signalen auf Gesetzmäßigkeiten, um Hinweise auf extraterrestrische Intelligenzen zu finden. Die Heim- und Bürorechner, die mit Seti@Home ausgestattet waren, vereinigten sich somit quasi zu einem weltweit verteilten Supercomputer.

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Diesem Prinzip des Volunteer Computing folgen nun auch das IBM World Community Grid und das Projekt Einstein@Home. Die Voraussetzung dafür schuf die University of Berkeley in Kalifornien mit ihrer Berkeley Open Infrastructure for Network Computing, kurz BOINC. Ein Client für BOINC steht jetzt nämlich auch für Android-Geräte zur Verfügung und kann über den Google-Play-Shop heruntergeladen werden. Benutzer, die die App installieren, können dann die Projekte auswählen, die sie mit der überschüssigen Rechenleistung ihres Smartphones oder Tablets unterstützen wollen.

Um die Batterie zu schonen, die Ladezeit zu minimieren, und die Tarifpakete des Nutzers nicht belasten, nehmen Smartphones und Tablets, auf denen BOINC läuft, standardmäßig nur dann Berechnungen vor, wenn sie gerade aufgeladen werden, die Lebensdauer der Batterie noch über 90 Prozent beträgt und sie mit Wireless Local Area Networks (WLAN) verbunden sind. Auf diese Weise werden die Kosten für die drahtlose Datenübertragung so gering wie möglich gehalten. Die Einstellungen können jedoch jederzeit individuell durch die Benutzer angepasst werden.

Auf der Suche nach Neutronensternen

Eines der ersten Projekte, das für Android-basiertes Volunteer Computing aktiviert wurde, ist die Einstein@Home-Suche nach unbekannten Radiopulsaren, die das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover leitet. Android-Nutzer unterstützen hier eine Anwendung, die Daten aus dem Arecibo-Observatorium in Puerto Rico, dem weltweit größten Radioteleskop, analysiert. Die Applikation sucht nach Radiopulsaren, indem sie deren pulsierenden elektromagnetischen Wellenausstoß nachweist.

Pulsare sind sehr kompakte Sternenreste mit extremen physikalischen Eigenschaften im Vergleich zu normaler Materie. Einige von ihnen umkreisen in geringer Entfernung Begleitersterne und bieten damit einzigartige Forschungsumgebungen für Einsteins Relativitätstheorie. Allerdings sind die Möglichkeiten, neue Pulsare zu entdecken durch die vorhandene Rechenleistung begrenzt.

Ein weiteres Projekt, das für die entsprechenden Smartphones und Tablets aktiviert wurde, ist FightAIDS@Home, ein Projekt zur Suche nach einer wirksameren AIDS-Behandlung, die von IBM World Community Grid betreut wird. Das Olson Laboratory am Scripps Research Institute mit Sitz in La Jolla in Kalifornien nutzt computergestützte Methoden, um Wirkstoffkandidaten zu identifizieren, die die richtige Form und chemischen Eigenschaften haben, um HIV-Protease, HIV-Integrase-oder HIV-Reverse-Transkriptase zu blockieren - die drei Enzyme, die das Aids-Virus braucht, um zu funktionieren und sich verbreiten zu können.

Das IBM World Community Grid plant weitere Android-basierte Projekte in der Zukunft.

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