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Kommentar Smart Meter – Zukunftsplattform für die Energiewirtschaft

| Autor / Redakteur: Dr. Peter Heuell / Eilyn Dommel

Der Startschuss für den Smart Meter Rollout ist gefallen: Ende Januar hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die technische Möglichkeit zum Einbau von intelligenten Messsystemen festgestellt. Damit hat das lange Warten ein Ende.

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Dr. Peter Heuell, Geschäftsführer bei der EMH Metering: „Versorger, Stromverbraucher und Gesellschaft gewinnen mit dem Smart Meter Gateway eine leistungsfähige und hochgesicherte Infrastruktur für das Energiezeitalter von morgen.“
Dr. Peter Heuell, Geschäftsführer bei der EMH Metering: „Versorger, Stromverbraucher und Gesellschaft gewinnen mit dem Smart Meter Gateway eine leistungsfähige und hochgesicherte Infrastruktur für das Energiezeitalter von morgen.“
(Bild: Hannelore Foerster )

Der bereits 2018 in dem „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ geregelte Rollout der intelligenten Messsysteme kann nun endlich umgesetzt werden. Neben Erleichterung hört man jedoch auch Sorge und Kritik: Smart Metering würde zu wenig Mehrwert bieten, die Geräte seien schon wieder veraltet und das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei unausgewogen. Das ist allerdings nicht richtig.

Aber der Reihe nach. Wer erhält nun eigentlich einen Smart Meter und was nützt das Gerät Verbrauchern, Energiewirtschaft und Gesellschaft? Alle Stromverbraucher, die mehr als 6.000 kWh im Jahr an Strom verbrauchen, erhalten ein so genanntes intelligentes Messsystem. Dieses besteht aus einem digitalen Stromzähler und einem Smart Meter Gateway. Das Smart Meter Gateway, so wie es jetzt vom BSI für den Rollout freigegeben wurde, verarbeitet die Messwerte entsprechend des Energietarifs. Die Daten übermittelt das Gateway dann beispielsweise an den Energieversorger. Der Verbraucher kann die Verbrauchswerte auf dem Smartphone oder Tablet abrufen und seinen Stromverbrauch verfolgen.

Studien haben belegt, dass eine solche Visualisierung des Verbrauchs dazu führt, dass Menschen bewusster mit Strom umgehen und den Energieverbrauch senken. Die Gateways ermöglichen zudem ein Abrechnen variabler Stromtarife. Wer zukünftig Strom nutzt, wenn die Sonne scheint, könnte weniger zahlen. Das entlastet die Stromnetze und das Portemonnaie. Einen besonders hohen Nutzen erzielen Smart Meter dadurch, dass intelligente Messsysteme EEG-Anlagen und Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Nachtspeicheröfen steuern können. Das hat bereits die von der Bundesregierung im Jahr 2013 in Auftrag gegebene Kosten-Nutzen-Analyse ermittelt.

Das Steuern ist zwar noch nicht Teil des verpflichtenden Rollouts. Das BSI hat aber bestätigt, dass Smart Meter Gateways diese Funktion heute schon übernehmen können – und zwar wenn ein spezielles Gerät zum Steuern über eine Schnittstelle angebunden wird. Diese Steuerboxen stehen ebenfalls am Markt bereit. Smart Meter können also ab sofort für das Regulieren von Erzeugungsanlagen genutzt werden. Spätestens bis zum 30.10.2020 soll die gesetzliche Vorgabe folgen.

Den Netzbetreibern bieten Smart Meter bald auch einen weiteren Nutzen: Mit dem nächsten Software-Update können die Geräte detaillierte Netzzustandsdaten liefern. Netzbetreiber erkennen dadurch, wenn es zu Spannungsproblemen kommt und können frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten. Eine solche engmaschige Netzüberwachung ist eine wichtige Voraussetzung für die Integration von erneuerbaren Energien. All diese Vorteile lassen sich ab sofort oder aber sehr kurzfristig erschließen.

Langfristig wird der Nutzen von Smart Metern sich aber noch deutlich erhöhen. Denn Smart Meter Gateways sollen zu einer zentralen Plattform für Stromverbraucher und -erzeuger im Haushalt werden. So plant es die Bundesregierung in ihrer Digitalisierungsstrategie. Das Ziel: Verbrauchs- und Erzeugungsgeräte wie Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Wallboxen, Elektromobile und Wärmepumpen werden über das Smart Meter Gateway miteinander verbunden. E-Autos können phasenweise aufgeladen werden, so dass der vorhandene Strom optimal genutzt wird. Strom aus der eigenen PV-Anlage lässt sich besser verbrauchen, anstatt ihn abzuregeln. Technisch ist vieles davon schon umsetzbar.

Eine Home-Area-Network (HAN)-Schnittstelle am Smart Meter Gateway und der EEBus-Standard für die Kommunikation mit Haushaltsgeräten machen es möglich. Der Smart Meter Rollout legt die Basis für eine völlig neue Nutzung und Verteilung von Energie. Versorger, Stromverbraucher und Gesellschaft gewinnen mit dem Smart Meter Gateway eine leistungsfähige und hochgesicherte Infrastruktur.

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